Arbeitsschutz in Schulen / 1 Schule – ein besonderer Arbeitsplatz

Die Mehrzahl der allgemeinbildenden Schulen in Deutschland befindet sich in öffentlicher Trägerschaft – meist der Kommunen oder Landkreise. Die Bereitstellung von Lehrkräften und die fachliche Schulaufsicht liegen aber durchgehend bei den entsprechenden Landesbehörden. Daher zerfällt die Verantwortung für den Betrieb einer öffentlichen Schule in 2 Bereiche:

  1. Äußere Schulangelegenheiten: Der Schulträger ist i. d. R. Eigentümer des Gebäudes, trägt auf jeden Fall die Betreiberverantwortung, stellt das nicht pädagogische Personal an einer Schule (Verwaltungskräfte, Hausmeister und Reinigungskräfte) und ist auch für die Schülerbeförderung zuständig.
  2. Innere Schulangelegenheiten: Diese umfassen den pädagogischen Betrieb der Schulen, den die Schulleitungen vor Ort und darüber die schulaufsichtführenden Behörden der Länder abwickeln bzw. beaufsichtigen (staatl. Schulämter, Schulabteilungen von Regierungspräsidien, Bezirksregierungen oder Senatsverwaltungen sowie letztlich die Kultusministerien).

Weiteres Personal wie Schulpsychologen und -sozialarbeiter, Therapeuten sowie Kräfte für die außerunterrichtliche Betreuung werden in unterschiedlichen Anstellungsmodellen in der einen oder anderen Schiene beschäftigt bzw. manchmal auch von sozialen Dienstleistern gestellt.

Folgende Faktoren prägen den Arbeitsschutz in Schulen wesentlich:

  • In Schulen halten sich in der Mehrzahl Minderjährige auf. Das bestimmt die Vorgaben zu Sicherheit und Gesundheitsschutz noch vor dem Schutz der Beschäftigten.
  • In Unterrichtssituationen halten sich viele Menschen in einem Raum auf, weit mehr, als das an den allermeisten anderen Arbeitsplätzen der Fall ist.
  • In Schulen werden viele Tätigkeiten ein- und ausgeübt, die auch sonst in der Arbeitswelt vorkommen: Büro- und Bildschirmarbeit, Labortätigkeiten, Holz- und Metallbau, hauswirtschaftliche Arbeiten usw. – allerdings immer nur in einem reduzierten, dem Alter der Schüler, der Unterrichtssituation bzw. den Lernzielen angepassten Maß.
  • Lehrkräfte, zahlenmäßig die größte Beschäftigtengruppe in Schulen, arbeiten in den allermeisten Fällen in Gebäuden, für die nicht ihr Arbeitgeber die Betriebsverantwortung trägt.
 
Wichtig

Schulen in privater Trägerschaft

Bei Schulen in privater Trägerschaft liegen die Verantwortung für die Beschäftigten (pädagogisches sowie Verwaltungs- und Betriebspersonal) und für das Gebäude i. d. R. in einer Hand bzw. bei eng kooperierenden Organisationen (z. B. bei kirchlichen Trägern, freien Trägervereinen, Stiftungen oder Gesellschaften). Sachbezogene Entscheidungen z. B. zu Investitionen können daher meist auf direkterem Weg bearbeitet und entschieden werden.

1.1 Arbeitsschutzorganisation

Die unterschiedlichen Beschäftigungssituationen in Schulen führen typischerweise dazu, dass die Arbeitsschutzverantwortung für die Beschäftigten in 2 oder 3 voneinander weitgehend getrennten Strukturen geführt wird, obwohl die Betroffenen täglich in demselben Gebäude zusammenarbeiten und sich dabei durchaus als ein Team empfinden. Das erschwert die zielgerichtete Arbeit für Sicherheit und Gesundheitsschutz nicht unerheblich, erst recht, weil die für den Arbeitsschutz verantwortlichen Führungskräfte und die jeweils zuständigen Experten wie Fachkräfte für Arbeitssicherheit und Betriebsärzte nur selten (und so gut wie nie gemeinsam) vor Ort sind.

 
Praxis-Beispiel

ASA-Sitzung

Gelegentlich werden in größeren Schulen ASA-Sitzungen vor Ort bezogen auf die Lehrkräfte abgehalten. Viel häufiger ist es aber, dass Arbeitsschutzfragen für Lehrerkollegien, die immerhin zwischen 10 und 150 Mitarbeiter umfassen können, wenn überhaupt nur am Rande von Dienstbesprechungen thematisiert werden. Eine regelmäßige strukturierte Beschäftigung mit Arbeitsschutzfragen findet dann nur in allgemeiner Form auf übergeordneter Ebene der Schulaufsichtsbehörden statt.

Ähnlich sieht es für die Beschäftigten des Schulträgers aus, die zahlenmäßig nur wenige sind und deren Arbeitsschutzbelange auf kommunaler Ebene bei den für die Schulverwaltung zuständigen Ämtern zu regeln sind.

In der Folge werden Gefährdungsbeurteilungen oft in erster Linie tätigkeitsbezogen und standortübergreifend erstellt. Zwar sollten mit der Bemessung von Beratungszeiten nach DGUV-V 2 für alle Schulstandorte mindestens bezogen auf die Lehrerkollegien Mindesteinsatzzeiten für Fachkräfte für Arbeitssicherheit und Betriebsärzte auch vor Ort zur Verfügung stehen. Aber die große Zahl an Schulstandorten führt häufig dazu, dass nur gelegentlich oder aus gegebenem Anlass persönliche Beratungen der Beschäftigten stattfinden. Entsprechend gering ist dann der Kenntnisstand von Schulleitungen und Beschäftigten vor Ort in Sachen Arbeitsschutz.

 
Praxis-Tipp

Sicherheit und Gesundheitsschutz in Schulen

Einen Überblick über eine gute Arbeitsschutzorganisation in Schulen gibt die DGUV-I 202-058 "Prävention und Gesundheitsförderung in der Schule".

Unter www.gda-schulen.de hat die Gemeinsame deutsche Arbeitsschutzstrategie (Zusammenschluss von Bund, Ländern und der gesetzlichen Unfallversicherung) aufbereitete Mat...

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