Veganuary - Handlungsfeld für Nachhaltigkeitsbeauftragte?
Die gemeinnützige Organisation Veganuary unterstützt seit 2014 Menschen dabei, vegan ins neue Jahr zu starten – und vielleicht sogar dabei zu bleiben. Sie wendet sich aber auch an Unternehmen, Marken und die Gastronomie, um sie zu motivieren, ihr Angebot an pflanzlichen Produkten zu erweitern. Die Kampagne hat einen messbaren Einfluss: Laut Statistischem Bundesamt sank der Fleischabsatz im deutschen Einzelhandel während des Veganuary 2024 um 12,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Zuletzt nahmen allein in Deutschland mehr als 1.000 Unternehmen teil.
Leben lassen statt Leberwurst
„Dieses immense Interesse an pflanzlichen Lebensmitteln rührt von einem wachsenden Bewusstsein für den Impact unserer Ernährung – und sich entsprechend verändernden Ernährungsgewohnheiten“, sagt Christopher Hollmann, Leiter von Veganuary Deutschland. Rund die Hälfte der Deutschen bezeichnet sich demnach als Flexitarier, Vegetarier oder Veganer, greift also vermehrt zu pflanzlichen Lebensmitteln. Der Trend zur pflanzlichen Ernährung geht auch an Unternehmen nicht spurlos vorbei. So hat etwa die Rügenwalder Mühle schon früh auf die „Veganisierung“ ihrer Produkte gesetzt. Heute macht das Unternehmen mit veganen Alternativen mehr Umsatz als mit tierischen Produkten.
Für Hollmann ist der Veganuary der perfekte Zeitpunkt im Jahr, um neue pflanzliche Produkte auf den Markt zu bringen oder auf das vegane Sortiment aufmerksam zu machen: „Mit Veganuary schaffen wir zum Jahresbeginn ein Momentum, an dem Millionen Menschen wegen der positiven Auswirkungen auf Menschen, Klima und Tiere teilhaben.“
Der Veganuary als Thema für Nachhaltigkeitsbeauftragte?
Die Kantine ist in vielen Unternehmen ein heiliger Ort. Veränderungen hier stoßen oft auf Widerstand. Dennoch sollten Nachhaltigkeitsverantwortliche, so Hollmann, Mitarbeitende für eine klima- und umweltfreundlichere Ernährung sensibilisieren. Mit der „Veganuary Workplace Challenge“ bietet seine Organisation dafür Unterstützung und einen gemeinschaftlichen Aktionsrahmen. 2025 beteiligten sich mindestens 97 Unternehmen an der Challenge, darunter bekannte Namen wie ProSiebenSat.1, Commerzbank und BASF.
Nachhaltigkeitsmanager können dabei undogmatisch über vegane Ernährung informieren, beispielsweise durch Kochworkshops, Filmabende, Rezeptaustausch über interne Kanäle, Gewinnspiele, Aushänge oder Vorträge mit Expertinnen und Experten. Besonders erfolgreich seien veganisierte Klassiker in Betriebsrestaurants und Kantinen. Denn beim Probieren bleibe man erst einmal beim Gewohnten. „Und da die vegane Variante lecker ist – warum dann nicht auf Pflanzen setzen und die klima- und tierfreundliche Wahl treffen?“, so Hollmann.
Unterstützung durch Catering-Unternehmen
Durch die Teilnahme einiger großer Catering-Unternehmen erreicht der Veganuary Millionen Menschen am Arbeitsplatz. So veganisiert der Großcaterer Dussmann klassische Kantinengerichte und setzte dabei auf Alternativen von bekannten Start-ups. Bis 2030 will das Unternehmen mindestens 40 Prozent seines Angebots rein pflanzlich gestalten. Der Betriebsgastronom Aramark bot im letzten Januar an rund 500 Standorten über 50 vegane Gerichte an, die gemeinsam mit der Berliner Spitzenköchin Josita Hartanto („Lucky Leek“) entwickelt wurden. Die SV Group präsentierte 20 neue Rezepte mit innovativen Proteinquellen, um zu zeigen, „dass eine pflanzliche Ernährung nicht Verzicht bedeutet“, so Nils Osborn, Team Lead Culinary bei SV Schweiz.
Angebot statt Mission
Bei all dem bleibt die Frage: Ist es die Aufgabe von Unternehmen und deren Nachhaltigkeitsbeauftragten, Mitarbeitende von einer veganen Ernährung zu überzeugen? Mitarbeitende sind schließlich erwachsene Menschen, und eine Einmischung in ihre Ernährungsgewohnheiten könnte als Übergriff empfunden werden.
Dennoch sollten Unternehmen tier-, umwelt- und klimafreundlichere Alternativen anbieten – jedoch stets als Option, nicht als Mission. Ein vielfältiges Angebot ermöglicht es den Mitarbeitenden, bewusstere Entscheidungen zu treffen, ohne sich bevormundet zu fühlen.
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