Zehn Jahre Pariser Klima-Abkommen - „Die Welt in Gefahr“
Vor genau zehn Jahren hat die Weltgemeinschaft das als historisch gefeierte Pariser Klima-Abkommen beschlossen – nun ziehen Wissenschaftler und Umweltschützer eine ernüchterte und teils auch düstere Bilanz. Die Übereinkunft sei weltweit zwar weiter Kompass, Bezugspunkt und Motor aller nationalen Klimaschutzpläne, sagte der deutsche Greenpeace-Chef Martin Kaiser der Nachrichtenagentur dpa in Berlin. Dies bleibe aber nur so, wenn Anspruch und Wirklichkeit vor allem innerhalb der G20-Industriestaaten zeitnah zusammengebracht werden.
In Paris hatten sich am 12. Dezember 2015 knapp 200 Staaten auf der UN-Klimakonferenz verpflichtet, die Erderwärmung auf möglichst 1,5 Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen.
Kaiser sagte, hierzulande stehe die Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz (CDU) in der Verantwortung, Deutschland zurück auf den 1,5-Grad-Pfad zu führen. Das sei aber das Gegenteil dessen, was die Bundesregierung und die Union in Brüssel unter dem Deckmantel von Modernisierung und Entbürokratisierung als Ziele verfolgten. Der Lackmustest sei, ob die Regierung Deutschland mit Sofortmaßnahmen im Verkehr, bei Gebäuden und der Landnutzung auf Kurs bringe. „Klimaschutz ist keine Belastung, sondern die Voraussetzung für Freiheit, Sicherheit und Wohlstand für die Zukunft“, sagte er.
„Müssen einräumen, dass wir bislang gescheitert sind“
Der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), Johan Rockström, erklärte, damals hätten viele den Gipfel in Paris mit einem Gefühl der Erleichterung verlassen. „Heute, ein Jahrzehnt später, müssen wir einräumen, dass wir bislang gescheitert sind.“
Trotz deutlicher Fortschritte bei erneuerbaren Energien und der Elektrifizierung des Verkehrs gehe der Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase immer noch nach oben, sagte Rockström. „Die globale Erwärmung beschleunigt sich, die Ozeane heizen sich schneller auf als erwartet, und wichtige Ökosysteme wie tropische Korallenriffe nähern sich kritischen Schwellenwerten“, sagte er. „Ein Überschreiten des 1.5°C-Limits ist nun unvermeidlich und bringt die Welt in Gefahr.“ Die einzige Hoffnung bestehe darin, „dass die Welt dieses Scheitern und die damit verbundenen Risiken erkennt und entsprechend handelt“.
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