Neue Biomonitoring-Methode deckt Phthalat-Belastungen auf
Phthalate werden vor allem in der kunststoffverarbeitenden Industrie eingesetzt: Sie sogen dafür, dass harte Kunststoffe, wie zum Beispiel PVC, weich, biegsam und elastisch werden. Sie sind in vielen Alltagsprodukten enthalten, so beispielsweise PVC-Bodenbelägen, Vinyltapeten, Kabelummantelungen, Kunstledern, Duschvorhängen, Verpackungen, Regenbekleidungen, Sportschuhen und Klebstoffen. Einige Phthalate allerdings sind gesundheitsgefährdend und beeinträchtigen unter anderem die Fruchtbarkeit.
Gesundheitliche Gefährdung
Phthalate sind in Kunststoffen nicht fest chemisch gebunden. Das hat zur Folge, dass sie sich insbesondere durch Hitze oder Abrieb lösen und so in die Raumluft oder den Staub am Arbeitsplatz gelangen. Der Mensch nimmt Phthalate hauptsächlich über belastete Lebensmittel, das Einatmen von Staub und über die Haut auf. In der europäischen REACH-Verordnung, die die Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe in der Europäischen Union (EU) regelt, sind inzwischen viele Phthalate als „besonders besorgniserregende Stoffe“ (SVHC) gelistet und damit verboten oder streng beschränkt. Die REACH-Verordnung reguliert aktuell 59 Substanzen, davon sind immerhin 14 Phthalate.
Human-Biomonitoring
Der Nachweis von Phthalaten hängt vom Untersuchungsmaterial ab. Hausstaub oder Luftproben werden zum Beispiel auf Florisil-Röhrchen gesammelt und mittels Gaschromatografie (Untersuchungsmethode für flüchtige Substanzen) untersucht. Bei Menschen wird das „Human-Biomonitoring“ eingesetzt. Dabei werden menschliche Körperflüssigkeiten oder Gewebe – wie Blut, Urin, Speichel, Haare oder Muttermilch – auf Schadstoffe, Chemikalien oder deren Stoffwechselprodukte untersucht. Das Human-Biomonitoring ermittelt damit die gesamte Belastung, unabhängig davon, ob die Stoffe eingeatmet, über den Mund oder die Haut aufgenommen wurden. Es ist daher die aktuell beste Methode, um herauszufinden, wie stark Beschäftigte tatsächlich belastet sind.
Neue „Multi-Methode“
2025 wurde eine neue, vom Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der DGUV (IPA) entwickelte massenspektrometrische Multi-Methode vorgestellt. Mit ihr lässt sich erstmals die Belastung durch alle derzeit in der EU als fortpflanzungsgefährdend eingestuften Phthalate zuverlässig erfassen. Insgesamt können damit mehr als 20 Phthalate sowie die zwei Ersatzweichmacher DINCH und DEHTP anhand von 41 spezifischen Biomarkern im Urin überwacht und bewertet werden. Dazu gehören auch solche Substanzen, die gesetzlich eigentlich nicht hergestellt oder verwendet werden dürfen.
IPA-Methode identifiziert Schadsubstanz
Letztere konnte diese neue Methode unter anderem im folgenden Beispiel nachweisen: Die Substanz Di-n-Hexylphthalat (DnHexP), die zu den 14 in der EU wegen seiner hohen reproduktionstoxischen Wirkung verbotenen Phthalaten gehört. Eine Belastung galt aber bisher als nahezu ausgeschlossen, weil keine relevante Produktion dieses Stoffes und auch keine Verwendung bekannt waren. Bei der Analyse von Urinproben von Kindergartenkinder in Nordrhein-Westfalen (KiSA-Studie NRW), wurde MnHexP, das Hauptabbauprodukt des DnHexP, gefunden. 2020 und 2021 lagen die höchsten Belastungen bei 46,2 µg/L. Für die Jahre 2023 bis 2024 wurden sogar Spitzenbelastungen von 76,0 µg/L ermittelt. Durch die zusätzliche Auswertung von Fragebogendaten konnte der in Sonnenschutzmitteln verwendete UV-Filter DHHB als Ursache ermittelt werden. Anschließende Labortests mit der IPA-Methode zeigten schließlich, dass 50 Prozent der DHHB-haltigen Sonnenschutzmittel deutliche DnHexP-Konzentrationen enthielten.
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