Sieht man einmal von den ganzen Krisen ab, die es derzeit in der Welt gibt, ist Nachhaltigkeit in Unternehmen ein zentrales Thema, das fast täglich an Bedeutung zunimmt. Zudem ist Nachhaltigkeit für große Unternehmen festgeschrieben, bspw. durch die EU-Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichtserstattung (CSRD), mit der mehr Unternehmen verpflichtet sind, Nachhaltigkeit in das Berichtswesen aufzunehmen.

Immer mehr Betriebe suchen seit längerem auch ohne gesetzliche Verpflichtung nach Wegen, nachhaltiger zu produzieren. Je nachhaltiger ein Unternehmen aufgestellt ist, desto bessere Chancen hat es mittelfristig, bestehende Kundenbeziehungen ausbauen und neue Kunden akquirieren zu können. Denn immer mehr Geschäftspartner wünschen sich Unternehmen, die nachhaltig agieren und das auch glaubhaft machen können. In unserer globalen Wirtschaft treten immer mehr Probleme auf, die dazu führen, dass die Umwelt belastet wird. Folgen sind etwa Ressourcenknappheit, zunehmende Umweltverschmutzung, Klimawandel, allgemein Raubbau an der Natur. Dies kann langfristig im Extremfall sogar die Vernichtung der Lebensgrundlage für die Menschen auf dem Planeten bedeuten.

Unternehmen tragen durch ihr Agieren am Markt aktiv dazu bei, dass sich die Probleme ausweiten. Es ist also notwendig, dass man versucht, so zu wirtschaften, dass es im Idealfall zu keiner nennenswerten Belastung der Umwelt kommt bzw. es schafft, so wenig Umweltschäden wie möglich zu verursachen.

Zugegeben, der Idealfall lässt sich wahrscheinlich nur in wenigen Fällen erreichen, aber es gibt zahlreiche Möglichkeiten für Unternehmen, sich zu verbessern und nachhaltiger zu agieren. Oft sind es auch externe Ereignisse und Schocks, wie Corona oder der Ukrainekrieg, die dazu führen, dass es zu einem Umdenken kommt und auch über Dinge nachgedacht wird, die vor kurzem noch buchstäblich undenkbar waren.

2.1 Energiekrise als Anlass nehmen, um in Nachhaltigkeit einzusteigen

Im konkreten Fall ist es die Energiekrise, bei der nicht nur der Kostenanstieg Sorgen bereitet. Es kann auch zu echten Knappheiten oder gar längerfristigen Lieferstopps kommen, wenn z. B. Infrastrukturen beschädigt oder Lieferketten erneut unterbrochen werden. Daher ist der Zeitpunkt aktuell günstig, sich mit dem Thema zu befassen.

Es geht zum einen darum, kurz- und mittelfristig so viel Energie zu sparen wie möglich, da jede Kilowattstunde weniger Verbrauch die Lage insgesamt entspannt. Und langfristig muss es das Ziel sein, sich so weit es geht von fossilen Energieträgern zu lösen und möglichst viel Energie aus regenerativen Quellen zu beziehen. Auch wenn der Weg dahin noch lang ist und in vielen Teilen noch entsprechende Infrastrukturen aufgebaut werden müssen, sollte man in den Unternehmen nicht warten, sondern ab sofort alles daransetzen, um hier intern selbst Verbesserungen zu erzielen. Die derzeitige Lage ist insofern "günstig", als dass es so möglich ist, alle 3 Säulen aus dem Nachhaltigkeitsmodell gleichzeitig zu verbessern:

  • Ökologie (weniger Energieverbrauch bzw. Nutzung regenerativer Energien),
  • Ökonomie (Senkung der Kosten und Sicherung von Gewinn und Liquidität) und
  • Soziales (Sicherung oder Schaffung von Arbeitsplätzen).

Nicht zuletzt werden durch Maßnahmen im Energiebereich Risiken gesenkt, etwa, dass es zu Produktionsengpässen oder -ausfällen und Lieferproblemen kommt.

 
Praxis-Tipp

Nachhaltiges Wirtschaften lohnt sich auf vielen Ebenen

Es steht zu erwarten, dass sich nachhaltiges Wirtschaften künftig positiv auf das Rating auswirken wird. Damit wird der Zugang zu neuen Finanzmitteln, aber auch Geschäftspartner gegenüber "Verweigerern" erleichtert.

2.2 Unternehmen benötigen ein Konzept zu Nachhaltigkeit und Energieeinsparung

Die aktuelle Energiekrise bietet also eine "gute" Möglichkeit, den Betrieb dauerhaft nachhaltiger zu gestalten. Der Zeitpunkt für die Definition und die Umsetzung von Nachhaltigkeit ist hier insofern gut, weil man kaum noch erklären muss, warum man sich gerade jetzt mit dem Thema befasst.

Dennoch sollte man sich im Betrieb unbedingt überlegen, was man unter Nachhaltigkeit versteht und auch formulieren, warum man nachhaltiger werden und mit dem Thema Energieeinsparung beginnen möchte. Die Beweggründe, auch wenn sie offensichtlich und bekannt sind, sollten allen Beschäftigten noch einmal erläutert werden, damit am Ende auch wirklich alle den gleichen Wissensstand haben und an einem Strang ziehen (können). Auch der Aspekt Arbeitsplatzsicherheit sollte gezielt thematisiert werden. Denn zu hohe Energiekosten können im Extremfall auch die Existenz eines Betriebes gefährden. Zusätzlich sollte betont werden, wie wichtig es ist, dass sich jeder Beschäftigte aktiv mit einbringt, sowohl was z. B. die Einhaltung von Maßnahmen als auch die Nennung eigener Ideen anbelangt.

 
Praxis-Tipp

Operative Verankerung des Themas Nachhaltigkeit

Grundsätzlich sollte das Thema Nachhaltigkeit aufgrund der strategischen Bedeutung bei der Geschäftsleitung angesiedelt sein oder auf das Controlling übertragen werden, da dieses die Unternehmensführung bei der Erreichung der Ziele unterstützt. Dabei ist die Frage zu klären, ob es einen "operativ" Verantwortlichen mit g...

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