Coronvirus: Fördermittel für Unternehmen

Die Steuerkanzlei ist für die meisten Mandanten der erste Ansprechpartner, wenn es um grundlegende finanzielle Weichenstellungen in der Coronavirus-Krise geht. Fördermittelexperte Kai Schimmelfeder erläutert daher die wichtigsten aktuellen Fördermittel für Unternehmen.

Liquiditätsengpässe zwingen Unternehmen in die Kurzarbeit und zu Massenentlassungen und treiben die geplanten Investitionen und Innovationen von Unternehmen und Selbstständigen - aller Branchen - auf den Prüfstand. Fast 100 % der Unternehmen können aus wirtschaftlichen Gründen nur schwer Entscheidungen treffen, die die Zukunft betreffen. Neuentwicklung, Innovationen und Investitionen werden reduziert. Kaufkraftverlust tritt aktuell tiefgreifend ein, wirtschaftlicher Abschwung ist bereits ausgesprochen, Rezession steht uns eine lange Zeit (Jahre?) bevor. Damit würde sich Deutschland in die Vergangenheit zurückkatapultieren.

Betriebsmittel im Sinne der Förderbank KfW

Für die meisten ist somit die Liquidität der Engpass. In der Fördermittel-Sprache betreffen das primär die Betriebsmittel. Was sind Betriebsmittel im Sinne der Förderbank KfW, die mit Liquiditätshilfen finanziert werden können:

Unter Betriebsmitteln sind alle laufenden Kosten zu verstehen. Dazu gehören Miete und Kaution für Büro- und Gewerberäume ebenso wie Personalkosten, Aufwendungen für Werbung, Anmeldungen und Genehmigungen, Forschung und Entwicklung oder Beratungskosten. Mit einer Betriebsmittelfinanzierung können Sie auch Maßnahmen zur Mitarbeiterqualifizierung und -weiterbildung, das Einräumen von Zahlungszielen oder die Vorfinanzierung von Aufträgen abdecken (Quelle: www.kfw.de).

Die aktuell wichtigsten Förderprogramme

Bestehende öffentliche Förderprogramme sind aktuell vom Bund optimiert worden und neue Soforthilfen sind von den einzelnen Bundesländern bereitgestellt worden. Auch wenn das nur ein kleiner Anfang sein kann, beleuchten wir hier die aktuell wichtigsten Förderprogramme:

Unternehmerkredit in der Betriebsmittelvariante mit max. 5 Jahren Laufzeit bei max. 1 Jahr ohne Tilgung und max. 5 Mio. EUR als Förderkredit

Für Unternehmen, die länger als 5 Jahre am Markt aktiv tätig sind. Grundsätzlich gilt: Maximal 249 Mitarbeiter (Vollzeitäquivalente), max. 50 Mio.EUR oder max. 43 Mio. EUR Bilanzsumme. Für die Betriebsmittelvariante gilt: Der Betriebsmittelkredit kann auf 2 Jahre endfällig und einer Zinsbindung für die gesamte Kreditlaufzeit fixiert werden (kleine und mittlere Unternehmen). Es kann auch die Variante mit der Laufzeit bis zu 5 Jahre bei höchstens 1 tilgungsfreien Anlaufjahr und einer Zinsbindung für die gesamte Kreditlaufzeit gewählt werden. Die Antragstellung erfolgt über die Hausbank. Diese führt dann die Finanzierung mit der KFW-Bank (Förderbank) durch.

ERP-Gründerkredit - Startgeld

Mit dem ERP-Gründerkredit - StartGeld kann bis zu 100.000 EUR Kredit erhalten werden. Davon kann in der aktuellen Lage der Liquiditätsengpässe bis zu 30.000 EUR davon für Betriebsmittel (Liquidität) eingesetzt werden. Das Besondere: Da die KfW 80 % des Kreditausfallrisikos in einer Haftungsfreistellung gegenüber Ihrer Bank übernimmt, reduziert sich auch hier das Risiko der Bank.

Die Haftungsfreistellung ist eine Vereinbarung über die Risikoverteilung zwischen KfW und der Hausbank. Je höher die Haftungsfreistellung, desto niedriger ist im Falle eines Kreditausfalls das Risiko für das Kreditinstitut. Dadurch sind die Kreditinstitute häufig zur Finanzierung eines Vorhabens bereit, auch wenn Sie keine oder lediglich geringe Sicherheiten stellen können. Damit steigt für für das Unternhemen die Wahrscheinlichkeit, einen Kredit zu erhalten. Die Haftungsfreistellung entbindet aber nicht von der Zahlungsverpflichtung. Die Antragstellung erfolgt über die Hausbank. Diese führt dann die Finanzierung mit der KFW-Bank (Förderbank) durch.

ERP-Gründerkredit - Universell in der Betriebsmittelvariante

Dieses Fördermittel ist aktuell pauschal mit einer 80%tigen Bürgschaft bzw. Haftungsfreistellung für ihre Bank ausgestattet (Liquiditätshilfeprogramm der Bundesregierung): Für junge kleinst-, kleine und mittelständische Unternehmen, Existenzgründer und Unternehmensnachfolger, Freiberufler, junge mittelständische Unternehmen, die noch keine 5 Jahre am Markt tätig sind. Diese erhalten bis zu 25 Mio. EUR Kredit. Dieser kann für für liquide Mittel, Personalkosten, Mieten, Aufwendungen für Marketingmaßnahmen, Beratungskosten und Ähnliches verwendet werden. Die Antragstellung über die Hausbank. Diese führt dann die Finanzierung mit der KFW-Bank (Förderbank) durch.

Soforthilfen der einzelnen Bundesländer als Zuschuss – eine Auswahl

Bayern

Soforthilfe für Selbstständige und Freiberufler. Bedürftige Unternehmen und Freiberufler erhalten von der Bayerische Staatsregierung eine unbürokratische Soforthilfe in Höhe von 5.000 bis 30.000 EUR. Die Zuschüsse müssen nicht zurückgezahlt werden. Bis zu 5 Erwerbstätige 5.000 EUR, Bis zu 10 Erwerbstätige 7.500 EUR, Bis zu 50 Erwerbstätige 15.000 EUR, Bis zu 250 Erwerbstätige 30.000 EUR. Anträge sind bei den regionalen Regierungsbezirken zu stellen.

Hamburg

Soforthilfeprogramm für kleine und mittlere Betriebe und Freiberufler, Höhe der Soforthilfe in Hamburg: 2.500 EUR (Solo-Selbstständige), 5.000 EUR (weniger als 10 Mitarbeiter), 10.000 EUR (10 bis 50 Mitarbeiter), 25.000 EUR (51 bis 250 Mitarbeiter). Anträge sind bei der Förderbank der Stadt Hamburg zu stellen (IFBHH).

Sachsen

Soforthilfe-Darlehen für Einzelunternehmen und Freiberufler, Darlehen für Kleinstunternehmen, die mit unverschuldeten Umsatzrückgängen aufgrund des Coronavirus konfrontiert sind. Es wird ein zinsloses, nachrangiges Liquiditätsdarlehen von bis zu 50.00 EUR (in begründeten Einzelfällen bis zu 100.000 EUR) gewährt. Es ist die ersten 3 Jahre tilgungsfrei und 10 Jahre zinslos. Für das Staatsdarlehen ist keine Bewilligung der Hausbank notwendig. Voraussetzungen: Jahresumsatz unter eine 1 Mio. EUR, wirtschaftlich gesundes Geschäftsjahr 2019, Umsatzrückgang von mind. 20 % im laufenden Jahr, Antragstellung bei der Sächsischen Aufbaubank (SAB) ab dem 23.2.2020 möglich.

Thüringen

Zuschüsse der Thüringer Landesregierung belaufen sich je nach Beschäftigtenzahl auf bis zu 30.000 EUR. Antragsberichtigt sind Unternehmen bis zu 50 Beschäftigte einschließlich Einzelunternehmen sowie die wirtschaftsnahen freien Berufe und die Kreativwirtschaft. Die Antragsstellung ist bei der Thüringer Aufbaubank (TAB) möglich.

Nordrhein-Westfalen

Soforthilfeprogramm für freischaffende Künstler i. H. v. 5 Mio. EUR. Existenzsichernde Einmalzahlung in Höhe von bis zu 2.000 EUR(muss nicht zurückgezahlt werden). Beantragung bei der jeweiligen Bezirksregierung

Schleswig-Holstein

Die Landesregierung von Schleswig-Holstein stellt 500 Mio. EUR Soforthilfen für Unternehmen bereit, deren Existenz von der Coronakrise bedroht ist. Soforthilfeprogramm (100 Mio. EUR): Direkter Zuschuss i. H. v. 2.500 EUR für Solo-Selbstständige, 5.000 EUR für Unternehmen mit bis zu 5 Mitarbeiter, 10.000 Euro bei bis zu 10 Mitarbeitern. Mittelstandsfonds (300 Mio. Euro): Kredite zwischen 15.000 und 50.000 Euro (zwei Jahre tilgungsfrei, fünf Jahre zinsfrei), Kredite zw. 50.000 und 750.000 Euro (5Jahre tilgungsfrei).

Beantragung vorbereiten

Um die Beantragung für alle Seiten so einfach wie möglich zu machen, ist es nötig, die sonst auch üblichen Unterlagen vorzubereiten. Dazu gehören unter anderem: Liquiditätsplanung, Bilanz 2019, 2018, 2017, aktuelle BWA, BWA Jahresergebnis 2019 und 2018, Gewinn- und Verlustrechnung 2019 und 2018, Selbstauskunft des Antragstellers, Unternehmensbeschreibung und Zukunftsplanung.

Autor: Kai Schimmelfeder ist einer der führenden Fördermittelexperten in Deutschland und Sachverständiger für Fördermittel. Mit seinem Unternehmen feder consulting (Hamburg) berät er seit 25 Jahren Unternehmen in ganz Deutschland und begleitet sie im Fördermittelprozess. Die von ihm aufgebaute Fördermittel-Datenbank beinhaltet über 5.000 regionale, nationale und europäische Programme, durch die Unternehmen Unterstützung bekommen können.

www.federconsulting.com und www.kaischimmelfeder.de

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Um Ihre Mandanten in der Krise optimal zu unterstützen, erläutert wir in einer  Seminaraufzeichnung, welche Investitionen jetzt förderfähig sind und welche Förderprogramme wo und wie zu finden sind.

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Corona: Milliardenschwere Finanzhilfen zur Sicherung der Liquidität der Unternehmen (haufe.de/finance)

Schlagworte zum Thema:  Fördermittel, Coronavirus