| Unerwünschte Arzneimittelwirkungen

Neu: Mediaktionsplan soll unerwünschte Nebenwirkungen vermeiden

Sicherer im Umgang mit Arzneimitteln
Bild: PhotoDisc Inc.

Mit einem Anspruch auf einen Mediaktionsplan durch den Arzt sollen Patienten künftig mehr Sicherheit im Umgang mit ihren Arzneimitteln bekommen. Komplikationen und unerwünschte Neben- oder Wechselwirkungen sollen damit vermeiden werden.

Anspruch auf den Medikationsplan hat jeder Versicherte, der drei oder mehr Arzneimittel nehmen muss. Das sieht ein Aktionsplan von Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) vor, den das Kabinett am 17.8.2016 verabschiedete.

Ab Oktober 2016 auf Papier, ab 2018 über Gesundheitskarte

Von Oktober an werde der Medikationsplan zunächst noch auf Papier erstellt. Von 2018 an soll er dann elektronisch von der Gesundheitskarte abrufbar sein.

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen treten insbesondere bei Menschen auf, die langfristig mehrere Arzneimittel gleichzeitig anwenden. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums wird geschätzt, dass pro 100 ambulanten Patienten mit Arzneimitteltherapie jedes Jahr sieben vermeidbare unerwünschte Nebenwirkungen auftreten.

250.000 Klinikeinweisungen jährlich aufgrund Medikationsfehler

Etwa fünf Prozent aller Krankenhauseinweisungen gehen demnach auf unerwünschte Nebenwirkungen von Arzneimitteln zurück, und ein Viertel davon könnte vermieden werden. Das bedeute, dass schätzungsweise rund 250.000 Klinikeinweisungen jährlich auf vermeidbare Medikationsfehler zurückzuführen seien.

Neuer Plan soll sensibilisieren

Bisher gab es bereits drei Aktionspläne zur Arzneimitteltherapiesicherheit. Mit dem neuen Plan für die Jahre 2016 bis 2019 sollen unter anderem Patienten, Ärzte, Apotheker, Pflegende und Öffentlichkeit für vermeidbare Risiken der Arzneimitteltherapie sensibilisiert werden. Informationen über Arzneimittel und deren Kennzeichnung sowie die Dokumentation der Arzneimitteltherapie und Messung der Arzneimitteltherapiesicherheit sollen besser werden.

Plan: Datenbank zur Arzneimitteldosierung für Kinder

Vorgesehen sei auch der Aufbau einer Datenbank zur Dosierung von Arzneimitteln für Kinder oder die Entwicklung einer Medikationsplan-App für Sehbehinderte. Der vom Gesundheitsministerium geförderte «Internationale Tag zur Patientensicherheit» am 17. September widmet sich den Angaben zufolge schwerpunktmäßig dem Thema Arzneimitteltherapiesicherheit.

Förderung eines Gesundheits-Start-up

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) will ebenso die Kommunikation zwischen Ärzten und Patienten verbessern. Zwischen neun und 15 Milliarden Euro gingen schätzungsweise jährlich verloren, weil die Kommunikation zwischen beiden Seiten nicht ausreichend funktioniere, machte Gröhe am 17.8.2016 in Leipzig während seiner Sommerreise deutlich. Sein Ministerium fördert dazu ein Gesundheits-Start-up, das die ärztliche Fachsprache für Patienten verständlicher machen soll.

Plattform «washabich.de»

Auf einer Plattform «washabich.de» können sich Patienten mit ihrem ärztlichen Befund melden und bekommen kostenlos eine «Übersetzung» der ärztlichen Aufzeichnungen in eine verständliche Sprache. Mit seinem Arzt «auf Augenhöhe kommunizieren», ist das Motto des vor fünf Jahren von Studenten gegründeten gemeinnützigen Start-ups. Inzwischen seien 28. 000 Befunde übersetzt worden, erläuterte Geschäftsführer Ansgar Jonietz.

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Schlagworte zum Thema:  Arzneimittel, Medikament, Krankenhaus

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