15.07.2013 | Masern-Impfung

Verschärfte Impfregeln oder Impfpflicht gegen Masern

Politiker denken über die Impfpflicht gegen Masern nach.
Bild: Haufe Online Redaktion

Im Bundesgesundheitsministerium werden neue Maßnahmen gegen die Ausbreitung von Masern geprüft. Die Politik wurde durch auffällige Masern-Ausbrüche insbesondere in Bayern und Berlin alarmiert. Jetzt wird über eine Impfpflicht nachgedacht.

Es würden Änderungen des Infektionsschutzgesetzes in Betracht gezogen, bestätigte ein Ministeriumssprecher. Schnelle Entscheidungen sind aber nicht zu erwarten.

Abfrage des Impfstatus bereits im Kindergarten

Künftig könnten nichtgeimpfte Schüler bei einem Ausbruch der Erkrankung in ihrer Schule befristet vom Unterricht ausgeschlossen werden. Bisher gibt es diese Möglichkeit nur für erkrankte Kinder. Außerdem wird erwogen, die Gesundheitsämter zu verpflichten, schon bei der Aufnahme eines Kindes in den Kindergarten den Impfstatus abzufragen. Derzeit geschieht dies zu Schulbeginn. Allerdings könnten beide Maßnahmen erst nach der Bundestagswahl verabschiedet werden.

Bundesärztekammer fordert Impfpflicht für Masern

Die Bundesärztekammer fordert weitergehende Maßnahmen: "Aus medizinisch-wissenschaftlicher Sicht ist eine Impfpflicht das einzig Sinnvolle", sagt Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery. "Bei Masern handelt es sich um eine hochansteckende Erkrankung mit hohem Gefahrenpotenzial für die nichtgeimpfte Bevölkerung. Daher wäre es gut, wenn alle Kinder geimpft wären." Weniger diskutiert aber durchgesetzt hat sich inzwischen eine andere "Schutzimpfung", der Impfschutz gegen Zecken (Frühsommer-Meningoenzephalitis/FSME). Lesen Sie dazu unsere News vom 3.4.2013.

Niedrige Impfquote führt zu Impfpflicht

Der verstärkte Ausbruch von Masern in diesem Jahr hat die Gesundheitspolitiker über Parteigrenzen hinweg alarmiert. "Wenn sich herausstellt, dass sich innerhalb eines Jahres die Impfquote nicht entscheidend verbessert, müssen wir über eine Impfpflicht nachdenken", sagte Unionsfraktionsvize Johannes Singhammer (CSU). Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach schloss sich der Forderung an. Der Nutzen der Impfung gegen Masern überwiege mögliche Risiken von Nebenwirkungen bei weitem, sagte Lauterbach. Er ist selbst Mediziner.

Masern-Impfung wird gewünscht

Einer aktuellen Umfrage zufolge gibt es viel Unterstützung für eine Impfpflicht: 80 % der Befragten sprachen sich für eine solche Regelung aus, teilte die Krankenkasse DAK-Gesundheit mit, die die repräsentative Forsa-Umfrage in Auftrag gegeben hatte.

Ausrottung der Masern

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat das feste Ziel, die Masern bald auszurotten. Dabei steht Deutschland noch nicht optimal da. Allein im ersten Halbjahr 2013 wurden dem Berliner Robert-Koch-Institut (RKI) mehr als 1.070 Fälle gemeldet, der Großteil davon in Bayern (478) und Berlin (400).

Schlagworte zum Thema:  Impfung, Masern, Infektionsschutzgesetz

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