21.05.2013 | Interview

Brustkrebspatientin berät andere Betroffene

Das BRCA-Netzwerk berät bei erhöhtem Risiko für Brustkrebs.
Bild: Veer

Die selbst an Brustkrebs erkrankte Andrea Hahne hilft Frauen, die aus einer Brustkrebs-Risikofamilie kommen. Als Vorsitzende des bundesweiten BRCA-Netzwerks berät sie Krebspatientinnen.

Seit die Medien über die vorsorgliche Brustamputation der Schauspielerin Angelina Jolie berichtet haben, steht bei Andrea Hahne das Telefon nicht mehr still. Die 47-Jährige ist Vorsitzende des BRCA-Netzwerks, einem Verein, der bundesweit Frauen hilft, die aus Familien stammen, in denen es Brust- und Eierstockkrebs gegeben hat. Hahne stammt aus einer solchen Risikofamilie.

Amputation nach Brustkrebsdiagnose

Bei Andrea Hahne wurde 2005 die Diagnose Brustkrebs gestellt und reagierte wie Angelina Jolie. Sie findet es richtig, dass Angelina Jolie an die Öffentlichkeit ging: «Ich bin dankbar, dass eine prominente Frau offen darüber spricht und habe großes Verständnis für diese Entscheidung und ihre Motivation». Nur so gelinge es, Mediziner und betroffene Familien zu sensibilisieren. «Es trägt dazu bei, das Thema zu enttabuisieren».

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben weltweit jedes Jahr 485.000 Frauen an Brustkrebs.

Vererbungsrisiko bei Brustkrebs liegt hoch

Bei Risikofamilien werden genetische Veränderungen an die Nachkommen vererbt. Sowohl Mutter als auch Vater können Träger des Gen-Defekts sein. Bei Frauen mit diesem Defekt steigt das Risiko für Brusttumore auf bis zu 80 %. Die Wahrscheinlichkeit eines Eierstockkrebses wird auf rund 50 % geschätzt.

Aber: Es sei wichtig zu signalisieren, dass die wenigsten Krebserkrankungen einen erblichen Hintergrund haben, betont Hahne. «Die Entfernung der Brüste ist nur in Ausnahmen zu überlegen. Zuvor ist die Klärung des tatsächlichen Erkrankungsrisikos notwendig, und noch viel wichtiger ist eine dem Risiko angepasste Früherkennung», sagt sie.

Eine risikoangepasste Früherkennung wird in Deutschland im Gegensatz zu anderen Ländern schon seit vielen Jahren Frauen aus Risikofamilien angeboten. Die meisten Frauen wählen diesen Weg.

Die Brustamputation muss gut überlegt sein

Als Andrea Hahne an Brustkrebs erkrankte, entschied sie sich für die Amputation der Brüste. «Die Entscheidung war ein Prozess über mehrere Monate. Von einem Bauchgefühl ausgelöst, da bisher alle Frauen in meiner Familie recht schnell nach der Diagnose gestorben sind», sagt die 3-fache Mutter. Aus der Familie von Andrea Hahne starben 3 Frauen an Eierstockkrebs, 2 an Brustkrebs. Sie habe sich zur Beratung in einem auf familiären Brust- und Eierstockkrebs spezialisierten Zentrum in Köln vorgestellt. Immer sei ihr Mann dabei gewesen. «Wir haben die Entscheidung letztlich gemeinsam getroffen».

Amputation belastet die Psyche

Das erste Jahr nach der Amputation sei hart gewesen, sagt Hahne. Sie habe einige Zeit gebraucht, um sich an ihr neues Körperbild zu gewöhnen. «Aber ich bin wieder ich», meint sie. Jede Frau müsse ganz für sich selbst entscheiden, ob sie diesen Weg gehen will. «Ich fühle mich von einer Bedrohung befreit und bin die erste in meiner Familie, die jetzt fast 8 Jahre nach der Diagnose lebt», sagt die 47-Jährige. Bei ihrer Mutter sei 2 Jahre nach ihrer eigenen Erkrankung Brustkrebs festgestellt worden. «Im vergangenen Jahr ist meine Mutter gestorben», sagt Hahne.

Auch Tochter ließ sich testen

Die älteste Tochter von Andrea Hahne hat den qualvollen Tod ihrer Großmutter miterlebt. Sie hat sich allein und ganz bewusst für eine genetische Untersuchung entschieden, um Klarheit zu haben. Die 20-Jährige kann aufatmen – wie ihre ganze Familie: Sie trägt das mutierte Gen nicht in sich.

Schlagworte zum Thema:  Krebsvorsorge, Prävention, Brustkrebs

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