08.12.2012 | Verbrechen und andere Kleinigkeiten

Weniger Verurteilte im Jahr 2011

Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

807 815 Menschen wurden 2011 in Deutschland rechtskräftig verurteilt. Das geht aus der kürzlich veröffentlichten Verurteiltenstatistik des Statistischen Bundesamtes hervor. Damit ging die Zahl der Verurteilten im Vergleich zum Vorjahr um knapp 1 % zurück und im Vergleich zu 2007 sogar um 10 %.

Das Gute - dieser Satz steht fest - ist stets das Böse, was man lässt (Wilhelm Busch). Die Tageszeitung und der Tatort lassen es zwar nicht vermuten, doch das staatlich sanktionierte Böse scheint auf dem Rückkzug zu sein.

Ein Blick in die Verurteiltenstatistik

„Traue keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht hast.“ Statistiken sind immer ein wenig mit Vorsicht zu genießen. Ihre Aussagekraft ist meist auf Teilbereiche eines komplexen Themas beschränkt und gesellschaftliche Hintergründe bleiben außen vor. Die Verurteiltenstatistik bildet ausschließlich die Entscheidungspraxis der Strafgerichte ab. Der Weg von der Begehung einer Straftat über die polizeiliche Erfassung und Ermittlung bis hin zur Anklageerhebung durch die Staatsanwaltschaft bleibt hier verborgen. Dennoch ist die positive Entwicklung dieses Teilbereichs des gesamten Strafrechts erfreulich.

Tendenz: moderat sinkend

In Deutschland wurden 807 815 Menschen 2011 verurteilt und damit 1 % weniger als 2010. Deutlicher wird der Rückgang, wenn man als Vergleich das Jahr 2007 (Beginn der Einführung der Statistik für ganz Deutschland) heranzieht. Hier waren es mit 897 631 Verurteilten noch 10 % mehr.

Abgeurteilt nicht gleich verurteilt

In der Verurteiltenstatistik werden nur die rechtskräftig verurteilten Personen aufgeführt, nicht alle abgeurteilten. Abgeurteilte sind Personen, gegen die ein Straf- oder Strafbefehlsverfahren unabhängig vom Ergebnis abgeschlossen wurde – Freisprüche und Einstellungsbeschlüsse also eingeschlossen. Von allen Abgeurteilten werden jährlich rund 80 % von den Strafgerichten auch verurteilt, d.h. mit einer Geldstrafe oder freiheitsentziehende Maßnahmen sanktioniert.

Geldstrafe vs. Freiheitsstrafe

Von allen Verurteilten wurden 2011 rund 72 % mit einer Geldstrafe sanktioniert. Damit verurteilten die Strafgerichte die restlichen 18 % zu einer Freiheits- oder Jugendstrafe. Allerdings wurde davon der Großteil zur Bewährung ausgesetzt, so dass von den 142.518 „nur“ rund 44.000 tatsächlich ins Gefängnis mussten.

Eigentumsdelikte vs. Straßenverkehrsdelikte

Wie auch in den vergangenen Jahren landeten die Eigentumsdelikte auf Platz eins. 40 % der Verurteilungen erfolgten wegen Diebstahls, Betrugs und ähnlicher Delikte. Fast jeder Fünfte wurde wegen eines Straßenverkehrsdelikts verurteilt. 127 612 Personen und damit rund 16 % mussten sich wegen einer Straftat gegen eine Person (Mord, Totschlag, Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung, aber vor allem Körperverletzung) vor den Gerichten verantworten.

Erwachsene vs. Jugendliche und Heranwachsende

Es bleibt auch 2011 festzuhalten, dass Jugendliche und Heranwachsende bezogen auf ihren Anteil an der Bevölkerung viel häufiger verurteilt werden als Erwachsene. Dennoch ist erfreulich, dass bei den unter 21-Jährigen ein besonders großer Rückgang verzeichnet werden konnte. Während bei den Erwachsenen 8 % weniger verurteilt wurden als noch im Jahr 2007, betrug der Rückgang bei den Jugendlichen und Heranwachsenden im gleichen Zeitraum 18 %. Bei zwei von drei Heranwachsenden im Alter von 18 bis 20 Jahren wurde eine verzögerte Reife feststellt, so dass bei ihnen noch Jugendstrafrecht angewandt wurde.

Männer vs. Frauen

Auch die Verurteiltenstatistik spiegelt die Tatsache wider, dass die Begehung von Straftaten generell ein vorwiegend männliches Phänomen ist und bleibt. 81 % aller Verurteilten waren 2011 Männer (653.300). Demgegenüber standen 154.543 verurteilte Frauen.

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