Am Rande der renommierten Republica-Konferenz hat die DGFP eine „Marsmission für HR“ gestartet. Der neue Vorstand der DGFP, dessen Handschrift der Kongress trägt, will Aufbruchstimmung vermitteln. Ein Reisebericht.

Drei Orte in Berlin hatte die DGFP in diesem Jahr für ihren Kongress, zu dem sie 300 Leute versammeln konnte, gewählt. Das ist ein beachtlicher Erfolg, wenn man berücksichtigt, dass der neue Vorstand erst seit einigen Monaten im Amt ist, das Programm kurzfristig erstellt und die Mobilisierungsphase sehr kurz war. Als erstes Basecamp für die „Marsmission“ wurde der renommierte Digitalkongress Republica gewählt, auf dem die neue DGFP-Vorsitzende Ariane Reinhart, CHRO von Continental, ihre Eröffnungsrede hielt. Dann folgte das Kühlhaus, eine alte Fabrik, die zur Eventlocation umgestaltet wurde, und zum Schluss das Zeiss-Großplanetarium.

Erste Erkenntnis: Großartige Inszenierung

Außergewöhnliche Locations waren schon das Markenzeichen der letzten DGFP-Kongresse, die Katharina Heuer realisiert hatte. Heuer hatte die DGFP-Geschäftsführung kurz vor Kongressbeginn niedergelegt und wurde von der neuen Vorstandsvorsitzenden Ariane Reinhart für ihre Leistungen gewürdigt. In diesem Jahr wurde in Sachen Inszenierung nochmal eine Schippe draufgelegt. Es waren nicht nur die Veranstaltungsorte, sondern auch das Bild der Marsreise, das sich durch Vorträge und Diskussionen wie ein roter Faden zog. Während des Kongresses gab es auch berührende Elemente: die Weltraumreise im Planetarium, die erleuchtete Riesenpuppe Dundu vom Künstler Tobias Husemann oder die Lebensgeschichte der Astronauten Trainee Suzanna Randall. Auch die Verbindung zur Republica, auf der das von IBM veranstaltete HR-Festival stattfand, war ein zukunftsweisendes Signal. Die DGFP zeigte mit ihrem Kongress, wie sich HR großartig inszenieren kann – was bislang eher nicht zum Markenzeichen von HR zählt, aber im digitalen Zeitalter an Bedeutung gewinnt.

Zweite Erkenntnis: Teamspirit im Vorstand

Auch Ariane Reinhart musste sich erstmals als neue Vorstandsvorsitzende auf der Bühne präsentieren. Um es vorweg zu sagen: Sie machte das sehr gut und sammelte beim Publikum viele Sympathiepunkte. Reinhart gelang es, mit ihrer Kongresseröffnung die Bühne der Republica zu bespielen, indem sie über Menschheitsfragen und die Verantwortung von HR und jedem Einzelnen sprach. Ihr Vortrag hatte zwar keine neue Botschaft, sie machte aber Werbung und gute Laune für HR und die DGFP. Während dem Kongress war sie nahbar und präsent, ergriff immer wieder das Wort und scheute sich nicht davor, zusammen mit Norbert Janzen, CHRO von IBM, die Lichtschwerter auf der Bühne zu kreuzen. Hier zeigte sie nicht nur ihre spielerische Seite, sondern ließ den Teamspirit erkennen, den es im DGFP-Vorstand offenbar gibt. Immerhin waren auf dem Kongress sechs von elf Vorstandsmitgliedern anwesend (Oliver Burkhart, Markus Kopp, Heike Bruch, Norbert Janzen Gerhard Rübling), mehr als in den Vorjahren.

Dritte Erkenntnis: Methode vor Inhalt

Welche Botschaft ging nun vom diesjährigen Kongress aus? Große Einigkeit herrschte darüber, dass die Unternehmen durch die globalen Megatrends vor einem gewaltigen Wandel stehen und nicht wissen, wie die Zukunft aussieht. Für die Erarbeitung der Zukunftsstrategie sieht Norbert Janzen „HR im Driver Seat“ und empfiehlt die Methoden einzusetzen, die in den Konzernen en vogue sind: „Co-Creation, Collaboration und Community“.

Auf dem Kongress gab es wohl ein paar inhaltliche Sessions, im Vordergrund aber standen interaktive Formate zu Einzelthemen, die dann im Plenum geteilt wurden. „Wir haben viele Ideen gehört, wie wir zu Mars kommen“, griff Sabine Kluge das Bild der Weltraummission auf. „Darauf können wir aufsetzen.“ Mit Kluge moderierte erstmals eine bekannte New Workerin den DGFP-Kongress.

Als Ausdruck der neuen Denk- und Arbeitsweise wurden auf dem Kongress die sozialen Medien gefeiert, während die Blogger auf der Republica sich zeitgleich mit deren Gefahren auseinandersetzten. Harald Schirmer, Transformationsexperte von Continental und einer der Meinungsführer auf dem Kongress, führte mit seinen Tweets und Beiträgen immer wieder vor, welche kollaborativen Vorteile diese Medien haben. Ariane Reinhart selbst outet sich als jemand, der bis vor zwei Wochen noch kein Linkedin-Profil gehabt hat. Im Publikum war das Know-how ohnehin groß: Es gab wohl noch nie einen DGFP-Kongress, auf dem so viel getwittert und gepostet wurde, wie in diesem Jahr (eine Zusammenstellung von Harald Schirmer).

Vierte Erkenntnis: Leadership wird wichtiger

Heike Bruch, Professorin an der Universität Sankt Gallen, stellte mit ihren Ausführungen die Bedeutung von Leadership heraus, wenn es um die Transformation der Unternehmen geht. Dass die Unternehmen hier an innovativen Konzepten arbeiten, wurde bei der Verleihung des St. Gallener Leadership-Awards deutlich, der über ein Publikumsvoting vergeben wurden. Erster Sieger wurde der Hidden Champion Oerlikon Textile mit dem Programm „Oerlikon Manmade Fibers“, vor der Daimler Leadership Initiative und der Commerzbank mit dem Projekt „Digital Leadership Challenge“.

Fünfte Erkenntnis: Die Reise geht weiter

Wenn man den Kongress mit dem vor fünf Jahren vergleicht, gibt es auffällige Veränderungen. War damals der Teilnehmerkreis von Anzugs- und Kostümträgern geprägt, die Vorträgen lauschten, sind heute T-Shirts, Sneakers und Stuhlkreise prägend. Das mag für den einen oder anderen nach Fortschritt klingen, offenbart aber eher die große Herausforderung, vor der die DGFP steht: Die Masse der Mitglieder aus den Unternehmen, die mit ganz irdischen Problemen kämpfen, war für die Marsmission in Berlin nicht zu begeistern. Blogger, Start-up-Unternehmer, digitale Vordenker und New Worker, das „digitale Bubble“ dominierten den Kongress. Dem DGFP-Vorstand war das wohl bewusst, der Folgekongress im September soll voraussichtlich im bodenständigen Schwabenland stattfinden. Die Marsmission wird nur gelingen, wenn die 42.000 HR-Fachleute mitgenommen werden, die in den DGFP-Mitgliedsunternehmen arbeiten.

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