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| Interview mit Elke Eller

"Die Digitalisierung der Arbeitswelt mitgestalten"

Elke Eller, neue Präsidentin des Bundesverbands der Personalmanager (BPM)
Bild: BPM/Laurin Schmid

Elke Eller hat ihr neues Amt als Präsidentin des Bundesverbands der Personalmanager (BPM) angetreten. Als Personalvorstand von Volkswagen Nutzfahrzeuge wird sie viel HR-Erfahrung in den Verband einbringen können. Welche Pläne sie hat, erklärt sie im Interview.

Haufe Online Redaktion: Frau Eller, Sie wurden für zwei Jahre zur Präsidentin des BPM gewählt. Was war Ihre Motivation, das Amt zu übernehmen?

Elke Eller: Wir Personaler brauchen eine Stimme in der Öffentlichkeit  und auch ein Forum zur Vernetzung und zur Entwicklung neuer Konzepte und Ansätze für die Personalarbeit. Den BPM habe ich immer als frisch, selbstbewusst und ein bisschen anders wahrgenommen. Als Joachim Sauer mich fragte, ob ich kandidieren will, habe ich nach kurzer Überlegung und von Herzen zugesagt. Als Personaler schaffen wir mit unserer Arbeit Werte für Unternehmen und können deshalb auf Augenhöhe mit den anderen Funktionen im Unternehmen diskutieren. Mit dem BPM wollen wir die Personaler unterstützen, das in den Unternehmen umzusetzen und zu leben.


Haufe Online Redaktion: Auf dem Personalmanagementkongress haben Sie in Ihrer Antrittsrede verkündet, dass Sie für die Kontinuität stehen…

Eller: Der Geist des BPM hat mich von Anfang an begeistert, der soll und muss weiterleben. Der BPM kommt mir wie ein Start-up-Unternehmen vor, das jetzt in eine neue Phase kommt, in der es erwachsen wird. Die Strategieentwicklung im Verband muss jetzt ein größeres Gewicht bekommen. Wir brauchen ein inneres Navigationssystem für uns Personaler.


Haufe Online Redaktion: Der BPM verfügt über erfolgreiche Veranstaltungsformate. Stehen diese strategisch auf dem Prüfstand?

Eller: Die Veranstaltungsformate werden von den Mitgliedern sehr gut angenommen, insofern gibt es keinen grundlegenden Veränderungsbedarf. An manchen Stellen werden wir nachjustieren. Bei den Regionalgruppen etwa stellt sich die Frage, ob wir uns nicht stärker an Ballungsräumen orientieren sollten. Muss jemand der in Aschaffenburg wohnt zur Regionalgruppe nach München oder macht es mehr Sinn, dass er sich nach Frankfurt orientiert? Das wollen wir im Dialog klären.


Haufe Online Redaktion: Ein Markenzeichen des BPM war der politische Anspruch, in den Ministerien Einfluss nehmen zu wollen. Werden Sie das fortsetzen?

Eller: Wir tun das ja nicht in eigener Sache, sondern weil wir Anliegen haben, die alle betreffen. Wenn wir die Arbeitswelt gestalten wollen, müssen wir am Anspruch festhalten, diese auch politisch zu prägen. Gute Arbeit ist hier das zentrale Stichwort. Ich selbst bringe gute Beziehungen zum Wirtschafts-, Arbeits- und Familienministerium mit und werde in nächster Zeit dort meine Antrittsbesuche machen.  Der BPM vertritt über 4.000 Personaler und es macht Sinn, dass wir aus unserer Perspektive Antworten auf die Veränderungen in der Arbeitswelt geben. Keine andere Berufsgruppe ist so nah dran an den Menschen in den Betrieben.


Haufe Online Redaktion: Was sind für Sie die großen Themen für Personaler in den nächsten zwei Jahren?

Eller: Ich möchte einen Schwerpunkt beim Personalmanagement 4.0 setzen. Wir stehen vor technologischen Sprüngen und es ist jetzt der Zeitpunkt, nach neuen Lösungen für die Personalarbeit zu suchen. Darüber hinaus werden wir weiterhin die ganze Breite der Themen des Personalmanagements diskutieren.


Haufe Online Redaktion: Woher kommt Ihr Interesse an der Verbandsarbeit? Ist es dasselbe Gen, das Sie früher in die Gewerkschaft geführt hat?

Eller: Ich habe Volkswirtschaft studiert, weil ich wissen wollte, wie Gesellschaft und Wirtschaft funktionieren. In meinen 28 Berufsjahren habe ich mich immer um das Thema Arbeit und Gesellschaft gekümmert, aus verschiedenen Rollen heraus: aus Sicht der Gewerkschaften, aus Sicht von Klein- und Mittelbetrieben und aus Sicht von Konzernen. Wir stehen derzeit vor einem großen gesellschaftlichen und technologischen Wandel, deshalb finde ich es spannend, jetzt in die Verbandsarbeit einzusteigen.


Haufe Online Redaktion: In Ihrer Karriere haben Sie zunächst auf der Arbeitsnehmerseite gearbeitet.  Was war das Interesse, in das Arbeitgeberlager zu wechseln?

Eller: Das waren für mich immer zwei Seiten derselben Medaille. Ich habe lange Zeit bei der IG Metall auf der politischen Ebene gearbeitet und es hat mich dann gereizt, die Verantwortung in einem Unternehmen zu übernehmen, dort die Rahmenbedingungen für die Arbeit zu gestalten.


Haufe Online Redaktion: Sie haben einen steilen Aufstieg gemacht und sind heute eine der ranghöchsten Managerinnen bei Volkswagen. Was waren die Erfolgskriterien?

Eller: Ich hatte das Glück, dass ich als junge Frau bei der IG Metall in die Aufsichtsräte von Opel und später von Volkswagen berufen wurde. Parallel war ich in Aufsichtsräten von Thyssenkrupp tätig. In den 15 Jahren Aufsichtsratstätigkeit konnte ich viele Erfahrungen mit der Strategieentwicklung von Unternehmen sammeln und wurde von Volkswagen gefragt, ob ich Personalvorstand einer der Konzernmarken werden will. Ein weiteres Kriterium war, dass ich meist männliche Vorgänger und Vorgesetzte hatte, die mir Aufgaben zugetraut haben. Und ein drittes Kriterium ist, dass mir im Elternhaus großes Selbstvertrauen vermittelt wurde - Diskriminierung als Frau habe ich dort nicht erlebt.


Haufe Online Redaktion: Sie haben zwei Kinder großgezogen und gleichzeitig Karriere gemacht. Wie ist das gelungen?

Eller: Im Beruf seinen Mann zu stehen und privat Kinder zu erziehen, geht ganz schön in die Knochen. Als meine Kinder noch klein waren, habe ich älter ausgesehen als heute. Eine Nacht mit vier Stunden Schlaf war keine Ausnahme. Wer kleine Kinder hat, braucht Zeitsouveränität und diese habe ich mir auf eher ungewöhnlichen Wegen verschafft. So bin ich damals häufiger Sonntagsmorgens um 4.30 Uhr ins Büro gefahren und habe bis neun Uhr gearbeitet, um dann mit meinen Kindern gemeinsam zu frühstücken. Ich hatte immer den festen Willen, beides zu wollen: Familie und Beruf. Für die Kindererziehung habe ich viel privat organisiert, Au-pair-Mädchen und Oma haben dabei geholfen. Diese Ochsentour kann und muss nicht jeder machen, deshalb bin ich froh, dass die Unternehmen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie heute besser unterstützen.


Das Interview führte Reiner Straub, Herausgeber Personalmagazin.

Zur Person: Elke Eller

Dr. Elke Eller ist seit Kurzem Präsidentin des Bundesverbands der Personalmanager. Zudem ist sie Personalvorstand von Volkswagen Nutzfahrzeuge.

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Personalvorstand, Digitalisierung

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