Der DGFP-Kongress hat nicht nur seinen Ort von Berlin nach Köln verlegt, auch die Themen haben sich verändert. Sie sind bodenständiger: Statt einer inszenierten Marsreise standen die praktischen Aufgaben der HR-Verantwortlichen, die im Zuge von Digitalisierungsprojekten entstehen, im Fokus.

Leitthemen des Kongresses waren Digitalisierung, Transformationen und New Work. Es wurden konkrete Projekte aus der Praxis von Continental, Daimler, Lufthansa und vielen anderen vorgestellt, aus denen sich Impulse für den Alltag der Teilnehmer ableiten lassen. 

Die Diskussionen im großen Plenum ergaben eine Standortbestimmung von HR. "75 Prozent der New-Work-Initiativen scheitern" diagnostizierte beispielsweise Heike Bruch, Leadership-Professorin an der Universität Sankt Gallen. Ihre Erklärung: Die Unternehmen gehen das Thema nicht ganzheitlich an.

Als eine der großen Herausforderungen der nächsten Jahre wurde die Qualifizierung der Mitarbeiter angesehen, die der Schlüssel für die Bewältigung des digitalen Strukturwandels sei. 15 Prozent der Jobs würden entfallen, 15 Prozent neue Jobs entstehen. "Wir müssen Qualifizierungsweltmeister werden", formulierte Professor Dieter Spath von Acatech und traf damit den Nerv des Publikums.

Das Highlight beim DGFP Congress: Podium zu digitaler Transformation

Die DGFP hatte eine Podiumsdiskussion organisiert, zu der neben den DGFP-Vorstandsmitgliedern Ariane Reinhart und Wilhelm Bauer auch der IG BCE-Vorsitzende Francesco Grioli und Staatssekretär Björn Böhning geladen waren. Die Runde stand unter dem Thema "Brauchen wir für die digitale Transformation eine konzertierte Aktion?" und war sich recht schnell einig: Ja, wir brauchen eine konzertierte Aktion zwischen Staat, Unternehmen und Sozialpartnern, um den Wandel finanzieren und steuern zu können. 

Ariane Reinhart erkannte die Gunst der Stunde und überraschte alle mit dem Vorstoß: "Lasst uns doch einen Design-Thinking-Workshop machen und gemeinsam einen Plan erarbeiten." Nach anfänglichem Zögern sagte Staatssekretär Böhning zu, alle Podiumsteilnehmer ins Bundesarbeitsministerium zu einem entsprechenden Workshop einzuladen. Einig waren sie sich, dass man das nur an einer konkreten Branche durchspielen kann. Offen blieb noch, welche das sein soll.

Das außergewöhnlichste Erlebnis: Praxisbericht zu Selbstorganisation

Wie baut man eine Fabrik nach dem Prinzip der Selbstorganisation? Ronny Großjohann und Robert Harms stellten vor, wie sie das am Standort Berlin des Siemens-Konzern umgesetzt haben. "Die Situation war ernst, alle wussten, es geht um die Sicherung des Standorts", erklärte Ronny Großjohann die Motivationslage. 

Dem staunenden Publikum erklärten sie, wie sie auf eine klassische Fabrikplanung verzichteten und die Organisation den Mitarbeitern überließen. "Die Mitarbeiter bekamen die Verantwortung für die Planung, die einzelnen Projektteams haben entschieden", erläuterte Harms. Und Großjohann ergänzte: "Es gab keine zentrale Steuerung der Einzelprojekte. Wir folgten einer Hierarchie der Sinne und Zwecke."

Die neue Organisationsform entfachte Energie und Begeisterung, nicht nur die Fabrik wurde errichtet, die neue Fertigung habe Kostenvorteile von über 30 Prozent erzielt, was den Standort sicherte. Großjohann und Harms sind beide Fabrikplaner, die ihre Ideen außerhalb von HR entwickelt haben, sich jetzt aber HR verbunden fühlen. "Mit unseren Ideen finde wir bei HR viele Anknüpfungspunkte", so Großjohann.

Die Schwäche des Kongresses von der DGFP: Teilnehmerzahl

Während der vergangene DGFP Congress, der im Mai 2018 in Berlin stattfand, zu einem Treffen der New-Work-Szene wurde, sollten am Standort in Köln die HR-Verantwortlichen aus den Betrieben als Teilnehmer gewonnen werden. Das ist der DGFP auch gelungen, wobei die 500 Teilnehmer, von denen in der Pressemitteilung die Rede ist, eher eine Wunschvorstellung als die Realität abbilden. Die Teilnehmerzahl lag eher bei 300 bis 400 Teilnehmern. 

Die im Vergleich zum Personalmanagementkongress des Bundesverbandes der Personalmanager (BPM) geringere Teilnehmerzahl bleibt eine Schwäche der DGFP, deren Anziehungskraft noch ausbaufähig ist. Dazu hat möglicherweise auch das Programm beigetragen, das sehr konzernlastig war. Bei den Fallbeispielen kamen mittelständische Betriebe, die die Mehrzahl der DGFP-Mitglieder stellen, fast nicht vor.

Die neue DGFP-Aufstellung: Vorstand beteiligt sich aktiver

Auf dem Kongress wurde erstmals Norma Schöwe als neue Geschäftsführerin der DGFP, die ihr Amt im Februar 2019 antritt und nun als Teilnehmerin unterwegs war, vorgestellt. Sie erlebte Ariane Reinhart als Vorstandsvorsitzende, die den Kongress mit einer interaktiven und ansprechenden Keynote eröffnete und sich aktiv mit Statements und Podiumsrunden an den Debatten beteiligte. Reinhart ist das neue Kraftzentrum der DGFP und das Gesicht nach außen. Sie versteht es aber auch, ihre Vorstandskollegen zum Mitwirken zu bewegen. Von den elf Vorständen waren sieben am Kongress beteiligt. So viel Mitwirkung am Kongress von Vorstandsseite gab es in den vergangenen 20 Jahren nicht mehr.

Die Botschaft der DGFP-Vorsitzenden

"Unser Anspruch als Personaler muss es sein, Strategien mitzuentwickeln statt nur

umzusetzen. Wir können die richtigen Lösungen skizzieren, denn wir haben die

notwendigen Kompetenzen", resümierte Ariane Reinhart. Als Wegbereiter und Enabler arbeite HR gemeinsam mit dem Business an den großen Fragen der Gegenwart – Demografie, Diversität, Digitalisierung – und leiste so einen wesentlichen Beitrag, um Organisationen zukunftsfest zu machen. Allerdings erfordere dies Mut und Entschlossenheit: "Brecht aus eingefahrenen Konzepten aus, experimentiert mit neuen Formaten und Technologien und teilt euer Erfahrungswissen!", appellierte Reinhart an das Plenum.

Schlagworte zum Thema:  Kongress, Personalführung