07.10.2011 | Personalszene

Dekra: Burnout ist der neue "Arbeitsunfall"

Weniger der klassische Unfall als vielmehr der Stress macht die Arbeitnehmer von heute krank. Das geht aus dem aktuellen Arbeitssicherheitsbarometer des Prüfkonzerns Dekra hervor.

Statt der typischen Unfälle am Arbeitsplatz wie Stürze oder Quetschungen bedrohten zunehmend Burnout und innere Kündigung Arbeitnehmer, wie die Dekra berichtet. "Bei der Arbeitssicherheit steht Deutschland im Vergleich gut da und wird immer besser", sagt Dekra-Arbeitsschutzexperte Sebastian Bartels. Dennoch schenkten die Firmen dem Gesundheitsschutz ihrer Beschäftigten noch zu wenig Beachtung. Durch Ausfallzeiten entstehe der deutschen Wirtschaft somit jährlich ein Schaden von 43 Milliarden Euro.

 

Gesetzliche Vorschriften als Hauptgrund für betrieblichen Gesundheitsschutz

Für die Studie hat Dekra bundesweit Betriebe befragt, 621 antworteten. Die Antworten zeigten, dass viele Firmen Maßnahmen zum Gesundheitsschutz nur deshalb umsetzten, weil sie gesetzlich dazu verpflichtet seien, teilte Bartels mit. So nannten 84 Prozent der befragten Betriebe die geltenden Vorschriften als Motivation. Nur 31 Prozent sehen darin den wirtschaftlichen Nutzen. Immerhin 38 Prozent nannten "ethische Gründe". Hinzu kommt, dass die Unternehmen die größte Gefahrenquelle im "Verhalten der Mitarbeiter" selbst verorten. So nennt jeder Zweite (50 Prozent) seine Belegschaft als Hauptquelle für Unfallrisiken, gefolgt von "zunehmenden Druck auf die Mitarbeiter" (20 Prozent) und "Unkenntnis der Mitarbeiter" (17 Prozent).

 

Schulungen zum Gesundheitsschutz hält Mehrheit für wirkungslos

Ein weiterer ernüchternder Befund: Viele Maßnahmen werden offenbar als wirkungslos empfunden. So veranstalten neun von zehn Unternehmen Schulungen zum Thema Arbeits- und Gesundheitsschutz (89 Prozent), aber nur zwei Drittel (70 Prozent) glaubt an die Wirksamkeit der Maßnahme. An die Wirkung von ausgehängten Betriebsanweisungen glaubt nicht einmal jeder zweite Befragte (45 Prozent), obwohl vier von fünf Firmen (79 Prozent) Anweisungen aushängen. Des Weiteren unterschätzen die Führungskräfte die Unfallrisiken in ihren Unternehmen insgesamt. Vier von fünf (82 Prozent) der Unternehmen gehen davon aus, dass in ihrem Umfeld das Unfallrisiko "insgesamt geringer" ist als anderswo.

 

Meldepflichtige Arbeitsunfälle leicht gestiegen

In Wirklichkeit zeigt sich aber, dass die Zahl der meldepflichtigen Arbeitsunfälle in Deutschland im ersten Halbjahr geringfügig gestiegen ist, wie die Berufsgenossenschaften und Unfallkassen kürzlich mitteilte. Mit mehr als 460.773 lag sie um 0,5 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum. Die Zahl der tödlichen Unfälle sank dagegen deutlich - um 19 auf 201. "Wir wissen, dass gerade bei neuen Mitarbeitern die Unfallzahlen über dem Durchschnitt liegen", sagte Joachim Breuer, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV). Es brauche seine Zeit, bis sie mit dem Betrieb und ihrer Tätigkeit vertraut seien.

 

Betriebliches Gesundheitsmanagement ein Muss

Um dennoch Ausfallzeiten systematisch zu reduzieren, fordert Bartels die Einführung eines Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM). Das A und O für die Wirksamkeit von Maßnahmen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes sei letztlich, dass diese die Mitarbeiter auch erreichen. "Es gilt, die Führungskräfte einzubinden, zu schulen und sie in die Lage zu versetzen, ihrer Verantwortung auch im Gesundheitsschutz nachzukommen und eine Vorbildfunktion einnehmen zu können. Das Ziel muss es sein, eine Gesundheits- und Sicherheitskultur zu etablieren, die sich letztlich positiv auf die Produktivität auswirkt."

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