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Wie Unternehmen flexibler werden

Brigitte Hirl-Höfer zeigt Wege hin zu flexiblen Arbeitsformen auf.
Bild: Microsoft

Flexibel sollen Mitarbeiter sein – das lässt sich aus Stellenangeboten ablesen. Doch wer diese Flexibilität verlangt, sollte sie im Unternehmen auch leben. Microsoft-Managerin Brigitte Hirl-Höfer erklärt, warum Flexibilität heute so wichtig ist und was Arbeitgeber dafür tun sollten.

Haufe Online-Redaktion: Warum wird es heute für Arbeitgeber immer wichtiger, flexible Arbeitsformen zu schaffen?

Brigitte Hirl-Höfer: Personalinstrumente wie  flexible Arbeitsmodelle sind heutzutage ein wichtiger Wettbewerbsfaktor. Unternehmen mit starren Strukturen sind für viele Arbeitnehmer zunehmend unattraktiv.  In Zeiten von Fachkräftemangel und demografischem Wandel  müssen hier auch die Arbeitgeber umdenken. Nachwuchskräfte und High Potentials suchen sich heute ihren idealen Arbeitsplatz aus, nicht umgekehrt. So fordern zum Beispiel 74 Prozent der Befragten in der Studie „Monitor Familienleben 2012“, durchgeführt vom  Bundesfamilienministerium, eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Mit flexiblen Arbeitsmodellen kann jeder Mitarbeiter seinen individuellen Rhythmus und damit seine persönliche Work-Life-Balance finden. Davon profitieren letztendlich Arbeitnehmer und Arbeitgeber.

Haufe Online-Redaktion: Wie stellt sich Microsoft darauf ein?

Hirl-Höfer: Flexible Arbeitsmodelle sind bei Microsoft längst Alltag und selbstverständlich. Moderne Technologie ermöglicht es jedem Mitarbeiter prinzipiell von jedem Ort aus zu arbeiten. Mit der sogenannte "Vertrauensarbeitszeit" überlassen wir unseren Mitarbeitern nicht nur die freie Einteilung ihrer Arbeitszeit, sondern auch die Entscheidung über den Ort, zum Beispiel im Home Office. Damit diese Modelle funktionieren, bedarf es einer offene Unternehmenskultur mit flachen Hierarchien und institutionalisierten Feedback-Prozessen.

Haufe Online-Redaktion: Welche Regeln können Sie anderen Arbeitgebern empfehlen?

Hirl-Höfer: Neben einer modernen technischen Infrastruktur, sollte ein Unternehmen die eigene Unternehmenskultur auf den Prüfstand stellen. Denn wer Anwesenheit mit Leistung verwechselt und seinen Mitarbeitern nicht vertraut, wird mit flexiblen Arbeitsformen scheitern. Um hier erfolgreich zu sein, ist eine offene Unternehmenskultur zwingend notwendig. Nur der enge Austausch innerhalb von Teams vermeidet frühzeitig Überlastungen und Missverständnisse. Es müssen neue Wege der Kommunikation gefunden werden, zum Beispiel um auch bei flexiblen Arbeitsmodellen das Feedback zwischen Mitarbeitern und Führungskräften sicher zu stellen.

Haufe Online-Redaktion: Wenn ein Unternehmen sich gerade erst auf flexible Arbeitsformen einstellt, welche Regel oder Maßnahme sollte es als erstes umsetzen?

Hirl-Höfer: Ein elementarer Baustein stellt das Prinzip der "Mensch im Mittelpunkt" dar. Arbeitgeber sollten nicht Fragen "Was kann der Mitarbeiter für mich tun?" sondern genau anders herum, "Was kann ich meinen Mitarbeitern anbieten?". Denn mit einer den Mitarbeitern zugewandten und offenen Unternehmenskultur gewinnen beide Seiten: Die Mitarbeiter sind motivierter und binden sich langfristiger an das Unternehmen. Auf der anderen Seite können Arbeitnehmer ihren Alltag den eigenen Bedürfnissen entsprechend neu strukturieren. Studien beweisen, dass Unternehmen mit flexiblen Modellen profitabler sind.

Brigitte Hirl-Höfer ist seit 2007 Direktorin Human Resources in der Microsoft Deutschland GmbH. Sie ist schon seit 1992 für das Unternehmen in verschiedenen Personalfunktionen tätig.

Das Interview führte Kristina Enderle da Silva, Redaktion Personalmagazin.

Zusammen mit dem Beratungsunternehmen Gallup hat Microsoft einen Leitfaden entwickelt, der sowohl für Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber in je zehn Regeln beschreibt, wie flexibles Arbeiten zum Erfolg wird. Sie können ihn hier herunterladen.

Haufe Online Redaktion

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