20.02.2015 | Studie

Top-Manager: nach außen hui, nach innen pfui

Gegenüber Externen wahren Top-Manager die Haltung.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

In einer Studie haben Top-Manager schlechte Noten erhalten: Zwar repräsentieren sie nach Meinung der Mitarbeiter das Unternehmen extern gut, doch intern zeigen sie offenbar ein anderes Gesicht. Vielen Chefs falle es etwa schwer, ihre Gefühle zu kontrollieren, so ein Kritikpunkt.

Gute Arbeit bescheinigen deutsche Arbeitnehmer ihrem Top-Management in puncto Außendarstellung: 60 Prozent von ihnen sind der Meinung, dass es den oberen Führungskräften in ihrem Unternehmen gelinge, ein positives Bild der Organisation nach außen zu tragen.

Das ist ein Ergebnis der jährlichen "Global Workforce Study", die die Unternehmensberatung Towers Watson im vergangenen Jahr zum sechsten Mal durchgeführt hat. Für die aktuelle Auflage wurden mehr als 32.000 Arbeitnehmer in 26 Ländern befragt, davon über 1.000 in Deutschland.

Top-Manager beachten kulturelle und individuelle Unterschiede zu wenig

Ebenfalls erfolgreich sind die Top-Manager den Befragten zufolge dabei zu zeigen, wie dringend wichtige Geschäftsziele erreicht werden müssen (62 Prozent Zustimmung).

Geht es aber um die Frage, wie sie die Mitarbeiterführung ihrer Top-Manager einschätzen, zeichnen die Befragten ein anderes Bild ihrer Chefetage: Nur jeder Zweite meint etwa, die Geschäftsleitung kontrolliere im Umgang mit Mitarbeitern ihre Emotionen und bewahre Ruhe. Ebenfalls nur jeder zweite bestätigt, dass ihre Führungsriege kulturelle und individuelle Unterschiede genügend beachte.

Woran dies liegen könnte, zeigt ein weiteres Ergebnis: Weniger als die Hälfte der Befragten bescheinigt den Mitgliedern ihrer Geschäftsleitung, flexibel an neue Herausforderungen heranzugehen. Jeder Zweite Befragte findet zudem, an der Spitze seines Unternehmens gebe es Nachholbedarf in Sachen Effizienz.

Mitarbeiter kritisieren Entwicklungs- und Motivationsarbeit

Auch die direkten Vorgesetzten kommen in diesem Punkt nicht besser weg – ihnen bescheinigt ebenfalls nur jeder Zweite Effizienz.

Kritik üben die Arbeitnehmer vor allem an der Entwicklungs- und Motivationsarbeit ihrer Führungskräfte: 60 Prozent wünschen sich, dass ihr Chef sie mehr bei ihrer persönlichen Entwicklung unterstütze. Zudem glaubt nur ein knappes Drittel, dass Gespräche mit dem Vorgesetzten ihre Entwicklung bisher wirkungsvoll vorangebracht hätten. Ebenso wenige bezeichnen zudem die Entscheidungen ihres Vorgesetzten in puncto leistungsgerechte Vergütung als fair, und nur jeder Zweite findet, sein Vorgesetzter erkenne gute Arbeit häufig an.

Engagement der Mitarbeiter schwindet

Das wirkt sich den Studienerkenntnissen zufolge auf das Engagement der Mitarbeiter aus: 47 Prozent der befragten Arbeitnehmer geben an, lediglich Dienst nach Vorschrift zu leisten beziehungsweise die eigenen Potenziale ungenutzt zu lassen.

Doch aller Kritik zum Trotz: Einigen Antworten der Teilnehmer konnten die Studienautoren auch Lob für die Vorgesetzten entnehmen. So sind etwa gut zwei Drittel der Befragten der Meinung, ihr Vorgesetzter behandle sie respektvoll. Und 59 Prozent bestätigen ihrem Boss, dass er ihnen Aufgaben  delegiere, die ihren Fähigkeiten entsprechen. 

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