Kaum Azubis mit Migrationshintergrund
Bei der Vorstellung der Studie von der Bertelsmann-Stiftung, kritisierten die Autoren der Studie die Unternehmen für die mangelnde Bereitschaft, Auszubildende mit Migrationshintergrund einzustellen: Angesichts von Fachkräftemangel werde hier Potenzial verschenkt.
Fehlende Bewerbungen als Hauptgrund
Darüber hinaus halten die Studienautoren die Gründe dafür nur für wenig plausibel: 74,8 Prozent der Unternehmen ohne entsprechende Erfahrung geben an, dass schlicht Bewerbungen dieser Jugendlichen fehlen würden.
Die Autoren der Stiftung führen dagegen an, dass jeder vierte Jugendliche in Deutschland einen Migrationshintergrund habe. Und gerade diese Klientel bewerbe sich anderen Erhebungen zufolge bei vielen Betrieben. Ein Drittel der Abgänger mit mittlerem Schulabschluss und ausländischen Wurzeln finde keine Lehrstelle.
Sprachliche und kulturelle Probleme befürchtet
Weitere Gründe der Unternehmen: Bei 38 Prozent spielt die Sorge vor Sprachbarrieren eine Rolle. 14,7 Prozent fürchten, kulturelle Unterschiede seien zu groß und könnten das Betriebsklima belasten. Fast genauso viele sahen ihren Betrieb auf solche Unterschiede nicht vorbereitet. Schlechtere Leistungen der Bewerber befürchten dagegen nur 9,1 Prozent.
Dem hält Claudia Burkard von der Bertelsmann-Stiftung: "Wer einen mittleren Schulabschluss hat, dürfte in der Regel keine großen Sprachprobleme mitbringen."
Positive Erfahrungen von den anderen Befragten
Die repräsentative Umfrage ergab aber auch, dass Azubis mit Migrationshintergrund für eine große Zahl der 450.000 Ausbildungsbetriebe in Deutschland längst Normalität geworden sind. 41,1 Prozent der Betriebe haben in den vergangenen fünf Jahren Erfahrungen mit Lehrlingen mit ausländischen Wurzeln gemacht. Doch nur 15 Prozent der rund 1.000 befragten Unternehmen bilden derzeit Jugendliche mit Migrationshintergrund aus.
Flüchtlinge scheitern an der Bürokratie
Unterdessen zeigt eine weitere Studie, dass die Berufsausbildung junger Flüchtlinge trotz verbesserter Gesetze immer noch an Hürden in vielen Behörden scheitert. Auch herrsche etwa bei Arbeitsagenturen oft Unkenntnis darüber, dass geduldete junge Flüchtlinge seit 2009 unter erleichterten Bedingungen eine Lehre beginnen könnten. Dabei seien unter ihnen viele junge Leute, die als ausgebildete Fachkräfte gute Chancen auf dem deutschen Arbeitsmarkt hätten, erklärte das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).
Zwischen 2009 und Juni 2013 hätten bei den Arbeitsagenturen nur einige hundert Flüchtlinge Anträge auf eine Ausbildung gestellt, so die Denkfabrik der Bundesagentur für Arbeit. Dabei hätten am Jahresende 2013 rund 94.500 geduldete Ausländer in Deutschland gelebt. Mehr als die Hälfte sei jünger als 30 Jahre gewesen.
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