Recruiting: Die Mitarbeitergewinnung wird digitaler

Digitalisierungsthemen spielen auch im Recruiting eine zentrale Rolle. Während viele Unternehmen noch planen, was wie digitalisiert werden sollte, fordern die Stellensuchenden eine zeitnahe Umsetzung digitaler Bewerbungsprozesse ein, so das Ergebnis der 18. Recruiting-Trends-Studie.

Die Wahrnehmung der Recruiting-Technologie hat sich stark verändert. Noch vor zehn Jahren waren die Unternehmen weitgehend der Ansicht, die IT im Recruiting würde effektiv eingesetzt. Heute sehen sie das Thema weniger positiv: Nur noch knapp 21 Prozent halten den IT-Einsatz im Personalmarketing und Recruiting für effektiv.

Dabei werden verschiedene Maßnahmen ganz unterschiedlich bewertet: Vier von zehn Unternehmen geben an, dass die genutzten Internet-Stellenanzeigen und die eigene Karrierewebseite effektiv sind. Drei von zehn Unternehmen berichten von einem effektiven Einsatz ihres Bewerbermanagements. Im Umkehrschluss heißt das: Sieben von zehn Unternehmen sind mit ihrem Bewerbermanagementsystem nicht zufrieden. Zu diesen Ergebnissen kommt die Studie "Recruiting Trends 2020" des Centre of Human Resources Information Systems (CHRIS) der Universitäten Bamberg und Erlangen Nürnberg sowie des Karriereportals Monster.

Digitale Prozesse machen das Recruiting effektiv, brauchen aber Zeit

Allerdings zeichnen die Befragten ein durchaus optimistisches Bild für die Zukunft. Für das Jahr 2030 prognostizieren neun von zehn Unternehmen einen effektiven IT-Einsatz im Recruiting und Personalmarketing.

Damit aus dieser Prognose Wirklichkeit werden kann, gibt es in den Unternehmen für alle Beteiligten noch einiges zu tun. Nach den Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter befragt, schätzen nur vier von zehn Top-1.000-Unternehmen ihre Mitarbeiter als gut vorbereitet auf die Digitalisierung ein. Viele glauben sogar, dass ihre HR-Mitarbeiter die Transformation bremsen – weil sie nicht genug vorbereitet oder nicht kompetent genug sind.

Automatisierter Bewerbungsprozess: Vorteile für Arbeitgeber und Stellensuchende

Ob mobile Bewerbung, interaktive Karriereseite oder Job-Alert: Der Bewerbungsprozess nimmt eine zentrale Bedeutung bei der Digitalisierung des Recruitings ein. Die Automatisierung der einzelnen Phasen des Bewerbungsprozesses bringt sowohl Vorteile für das Unternehmen als auch für die Bewerber mit sich. Diese reichen von einer automatisierten Veröffentlichung von Stellenanzeigen und Vorauswahl von Kandidaten bis zu einfachen und schnellen Bewerbungsmöglichkeiten.

Die Zahlen bestätigen das: Rund 80 Prozent der Unternehmen sind der Meinung, dass durch die Digitalisierung des Bewerbungsprozesses offene Stellen schneller besetzt werden können.

Fairer und schneller? Die Bewerber sind anderer Meinung als die Arbeitgeber

Unterschiedlicher Meinung sind die Befragten dagegen in Sachen Fairness: 40 Prozent der Unternehmen halten digitale Prozesse für fairer. In IT-Unternehmen sind es sogar 74 Prozent. Die Stellensuchenden sind weniger euphorisch: Nur ein Fünftel der Befragten glaubt, dass sie durch die Digitalisierung des Bewerbungsprozesses fairer behandelt würden.

Unterschiedlich nehmen die Unternehmen und Kandidaten auch die automatisierte Vorauswahl wahr: Rund 85 Prozent der Unternehmen glauben, der Prozess würde dadurch beschleunigt. Ein schnelleres Feedback ist aber nur laut 45 Prozent der Kandidaten die Realität. Weiterhin gibt jedes sechste Unternehmen an, dass eine automatisierte Vorauswahl den Prozess diskriminierungsfreier macht. Das erleben die Kandidaten nur zu 36 Prozent.

Chatbots stoßen bei Bewerbern auf wenig Begeisterung

Auch die Chatbots, die vielfach zur Beantwortung von Bewerberfragen eingeführt werden, stoßen nicht überall auf Gegenliebe. 90 Prozent der Unternehmen sehen in der Technologie ein großes Zukunftspotenzial, rund drei Prozent arbeiten bereits mit Chatbots. Aber nur vier von zehn Kandidaten glauben, dass der Einsatz von Chatbots die Bewerbung erleichtert. Drei von zehn Bewerbern halten eine aktive Unterstützung durch einen Bot für möglich – im Vergleich zu 60 Prozent der Befragten in den Unternehmen. Erwartungsgemäß sehen jüngere Stellensuchende das Thema weniger kritisch an als ältere.


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