Den Cultural Fit messen: Stefan Reiser von der Lechwerke AG hat den Kulturmatcher getestet. Bild: Lechwerke AG

Der Cultural Fit wird für Bewerber wie Unternehmen immer wichtiger. Um herauszufinden, wie gut sich die Werte eines Kandidaten mit denen der Unternehmenskultur decken, können Personaler den „Kulturmatcher“ einsetzen. Stefan Reiser hat das Online-Tool bei der Lechwerke AG getestet.

personalmagazin: Herr Reiser, wie wichtig ist der „Cultural Fit“ von Mitarbeitern für die Lechwerke AG?

Stefan Reiser: Enorm wichtig. Wir wissen, dass Mitarbeiter, die zu unserer Unternehmenskultur passen, eine höhere Motivation haben und sich an unser Unternehmen gebunden fühlen. Auch für die Performance neuer Mitarbeiter ist die Passung bedeutend. Das Onboarding geht schlichtweg schneller. Am Ende zahlt sich also eine hohe kulturelle Passung für das Unternehmen aus. Wir stellen die Unternehmenskultur in unserem Employer Branding auch besonders heraus.

personalmagazin: Oft strotzen Stellenanzeigen aber nur so von „Buzzwords“ rund um die Unternehmenskultur …

Reiser: Das stimmt – denn es ist Bewerbern ungemein wichtig, genau zu erfahren, wie das Unternehmen tatsächlich tickt. Darum haben wir uns dazu entschieden, unsere Unternehmenskultur mithilfe des „Kulturmatchers“ erst einmal unter die Lupe zu nehmen. Wir wollten tiefer schürfen als dies mit gängigen Mitarbeiterumfragen möglich ist und wir wollten echte empirische Daten zu unserer Kultur erhalten.

personalmagazin: Was kam bei der Analyse heraus?

Reiser: Zunächst einmal waren wir überrascht, dass unsere Unternehmenskultur homogener ist über alle Abteilungen, als wir vermutet hatten. Das Wertefundament ist über die verschiedenen Bereiche hinweg ähnlich: Die Dimension „Wir-Orientierung“ ist bei uns stark ausgeprägt und auch, dass wir ein familiär geprägtes Unternehmen sind, ist bei uns durchweg spürbar. Außerdem verstehen sich viele unserer Mitarbeiter als Unternehmer – ein Faktor, den viele Bewerber vielleicht erstmal so nicht sehen. Die Lechwerke werden häufig als vermeintlich öffentlicher Arbeitgeber wahrgenommen. Es herrscht bei uns aber deutlich mehr Dynamik.

personalmagazin: Wie nutzen Sie diese Erkenntnisse für Ihren Außenauftritt als Arbeitgeber?

Reiser: Wir stellen unser Kulturprofil nun ins Zentrum bei unserer Arbeitgeberpositionierung und überarbeiten dafür gerade unseren Webauftritt. Den „Kulturmatcher“ haben wir bereits als Self-Assessment für potenzielle Bewerber online gestellt. Etwa ein Drittel der Bewerber nutzt den Test vorab. In den drei Monaten, die das Tool in seiner Endversion online steht, haben schon 400 User den Test abgeschlossen und 70 Prozent von ihnen empfehlen ihn weiter. Etwa 75 Prozent der User haben einen guten Matching-Score.

personalmagazin: Wie hilft Ihnen das Tool also im Recruiting?

Reiser: Der „Kulturmatcher“ soll die Selbstselektion der Bewerber erhöhen – wer einen niedrigen Score im Test hat, erhält eine verhaltene Rückmeldung zum „Cultural Fit“ und bewirbt sich dann eher nicht. Und in Auswahlinterviews sprechen Kandidaten mit uns deutlich öfter über Kultur – das steigert natürlich die Qualität der Besetzungsentscheidung. Daneben nützt uns das Tool nicht nur im Recruiting, sondern auch in der Personalentwicklung.

personalmagazin: Wie das?

Reiser: Wir haben den Kulturmatcher zum Beispiel vor einem Entwicklungstraining in einer nicht ganz einfachen Teamkonstellation eingesetzt. Alle Teammitglieder haben zunächst den Test ausgefüllt. Die Ergebnisse hat der Trainer erhalten. So konnte er schon vorab feststellen, wo im Team das Problem liegt und dann im Training ganz zielgerichtet darauf eingehen.

 

Zur Person: Stefan Reiser ist im strategischen HR-Management beim Energieversorger Lechwerke AG, Augsburg, tätig.


Das Interview führte Kristina Enderle da Silva, Redaktion Personalmagazin.

Schlagworte zum Thema:  Personaldiagnostik, Personalauswahl, Unternehmenskultur, Recruiting

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