17.10.2013 | Persönlichkeitstest

Was das Sexleben über die Motivation aussagt

Ein Persönlichkeitstest für Fußballer scheint nicht unüblich zu sein.
Bild: Project Photos GmbH & Co. KG

Die Fußballfans sind empört: Der Hamburger SV will seine Fußballer einem Persönlichkeitstest auf Basis des Reiss-Profils unterziehen, inklusive intimer Fragen zum Sexleben. Psychologin Bärbel Schwertfeger hat den Test schon selbst ausprobiert – mit bizarren Erkenntnissen.

"Die Fragen nerven", schreibt Bärbel Schwertfeger gleich zu Beginn ihres Artikels unter dem Titel "Gib dem Affen Zucker" im Personalmagazin, Ausgabe 6/2012. Die Journalistin und Diplom-Psychologin beschreibt darin, wie sie selbst den Testbogen für das Reiss-Profil ausfüllt und hinterher zusammen mit dem zertifizierten Reiss-Profil-Master Thomas Staller auswertet. Dafür sind 16 Themenlöcke zu sogenannten "Motiven" auszufüllen – vom Motiv "Anerkennung" über "Status" bis hin zu "Rache und Kampf" und "Familie".

Das Sexleben ist eines von 16 Motiven im Persönlichkeitstest

"Wer die 128 Fragen der Business-Version des Reiss-Profils ausfüllt, reibt sich verwundert die Augen", schreibt Schwertfeger im Artikel. "Viele Fragen haben – zumindest auf den ersten Blick – nichts mit dem Berufsleben zu tun, sondern betreffen höchst private Aspekte." So zum Beispiel die Frage, ob man immer großen Appetit habe oder eben, ob jemand jeden Tag Sex brauche.

Warum gerade das Motiv "Eros" oder - wie es in der Business-Version des Tests heißt - "Schönheit" mit Fragen zum Sexleben in einem Test eingesetzt werde, mit dem die menschliche Motivation erfasst werden soll, erklärt der zertifizierte Master der Autorin: "Eine hohe Ausprägung erkläre zum Beispiel, wenn ein Chef ständig anzügliche Bemerkungen mache."

Der Hintergrund zu den Essensfragen erklärt er am eigenen Beispiel: "Ihn motiviere Essen sehr stark", fasst Schwertfeger zusammen. "Wenn seine Freundin daher mit ihm ins Museum wolle, mache sie sich vorher Gedanken, wie sie ihn danach mit einem Essen eine Freude machen könne." Das würde also dem Vorgehen "Gib dem Affen Zucker" entsprechen, stellt Staller selbst fest.

Viele Sportvereine nutzen den Test

Auf solche Erkenntnisse setzt aber nicht nur der Hamburger SV, wie ein Blick auf die Referenzliste des Unternehmens Reiss Profile Germany GmbH zeigt, sondern auch andere Sportvereine nutzen ihn: So zum Beispiel der Deutsche Skiverband, der Deutsche Handballbund und die Teams von Alemania Aachen und Schalke 04. Daneben sind zahlreiche Unternehmen darunter Telekom und RWE aufgelistet.

Reiss-Profil nicht mit Din 33430 konform

Sie alle handeln demnach nicht nach der Din 33430, die die Anforderungen an Verfahren und deren Einsatz berufsbezogener Eignungsbeurteilung beschreibt. Denn diese schreibt vor, dass nur Aspekte gefragt werden dürfen, "die wirklich mit dem Job oder der beruflichen Tätigkeit zu tun haben", wie Schwertfeger erklärt. Aber das stört das Unternehmen nicht sonderlich: "Und Probleme gebe es auch nicht. Selbst dann nicht, wenn Teammitglieder ihr Profil gegenüber ihren Kollegen offenlegen müssen", erklärt Thomas Staller gegenüber Schwertfeger. Ein Problem sei auch die Mitbestimmungspflicht bei einem solchen Test im Unternehmen nicht. "Dann beziehe man eben den Betriebsrat mit ein und der mache selbst den Test", erklärt Staller im Artikel.

Den vollständigen Artikel von Bärbel Schwertfeger können Sie hier online lesen.

Hinweis: In Ausgabe 12/2013 und 1/2014 des Personalmagazins wird Professor Martin Kersting von der Justus-Liebig-Universität Gießen erläutern, wie Unternehmen Persönlichkeitsfragebogen richtig einsetzt und welche Persönlichkeitsmodelle überhaupt wissenschaftlich abgesichert sind.

Schlagworte zum Thema:  Motivation, Persönlichkeitstest, Talent Management

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