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Deutsche Unternehmen bleiben undemokratisch

Die Management-Pyramide bestimmt in Deutschland nach wie vor die Organisationslandschaft, stellt eine Studie der Akademie für Führungskräfte fest.
Bild: MEV-Verlag, Germany

Flache Hierarchien sind derzeit im Trend. Die Unternehmensrealität sieht jedoch anders aus, wie eine Studie der Akademie für Führungskräfte feststellt: Klassische Management-Hierarchien bleiben weiterhin aktuell, lautet die Kernaussage. Informelle Netzwerke würden jedoch wichtiger.

Die Top-Down-Organisation gilt vielen als Auslaufmodell – jedenfalls scheint es so: Im Fahrwasser der Diskussion rund um die Herausforderungen der Digitalisierung rücken derzeit eher agile und wenig hierarchische Organisationsmodelle in den Fokus. Eine aktuelle Studie der Akademie der Führungskräfte zeigt aber nun: der Schein trügt - klassische Management-Hierarchien sind in deutschen Unternehmen offenbar nach wie vor der Goldstandard.

Zum Stand der Führungskultur in Deutschland

Für die Akademie-Studie 2016 mit dem Titel "Führung im Umbruch" haben die Leadership-Experten aus Überlingen im Februar dieses Jahrs 466 deutsche Fach- und Führungskräfte verschiedener Branchen und Unternehmensgrößen befragt. Die zentrale Erkenntnis aus der Studie gleich zu Anfang: Hierarchie innerhalb der Organisation bleibt offenbar wichtig, sie wird jedoch vermehrt durch informelle Netzwerke aufgeweicht.

Die Mehrheit arbeitet weiter in klassischen Strukturen

"Es ist überraschend, wie deutlich klassische Organisationsstrukturen und Hierarchien nach wie vor den deutschen Arbeitsalltag bestimmen", kommentiert Doktor Ilga Vossen, Leiterin Inhouse Beratung und Training bei der Akademie für Führungskräfte. "Die Unternehmen sind zwar in Ansätzen dabei, Führung zu demokratisieren, aber eine richtige Beteiligung der Mitarbeiter ist noch keine Selbstverständlichkeit." Das bestätigten auch die Zahlen: Eine Mehrheit (66 Prozent) der befragten Fach- und Führungskräfte gab an, in einem sehr hierarchisch geprägten Unternehmen zu arbeiten.

Autorität muss nicht von der Position herrühren

Um Autorität gegenüber den Mitarbeitern durchzusetzen, scheinen viele Führungskräfte jedoch nicht unbedingt auf eine formale Machtposition angewiesen zu sein. Das deutet zumindest der folgende Zusammenhang an: 70 Prozent der befragten Fach- und Führungskräfte sagten nämlich aus, dass sich ihr Vorgesetzter gar nicht oder nur selten auf seine hierarchische Position berufe, um etwas zu bewirken. Dieses Vorgehen scheint durchaus Vorbildcharakter zu haben, denn fast alle (92 Prozent) der Befragten gaben an, selbst genauso zu verfahren.

Die Entscheidungskompetenz bleibt in den höheren Führungsgremien

Die Entscheidungswege in den Unternehmen blieben aber dennoch weitgehend durch die Hierarchie vorgegebenen – das sagten 83 Prozent der Studienteilnehmer aus. Fast die Hälfte der Befragten (43 Prozent) siedelt die Entscheidungskompetenz allerdings ohnehin beim höheren Management an, also beim Aufsichtsrat, Vorstand, der Geschäftsführung oder anderer Führungsgremien. Diese Organisationsstruktur scheint wiederum Auswirkungen auf die Nachvollziehbarkeit der Geschäftsstrategien zu haben: Mehr als 40 Prozent der befragten Fach- und Führungskräfte sehen Defizite bei der Kommunikation von Unternehmensentscheidungen.

Selbstführung über informelle Netzwerke?

Obwohl nur eine Minderheit der Studienteilnehmer (17 Prozent) angab, dass die Mitarbeiter in den Entscheidungsprozess eingebunden würden, scheinen dennoch gewisse Einflussmöglichkeiten zu bleiben. So vertrat jede zweite der befragten Fach- und Führungskräfte die Ansicht, dass Mitarbeiter auch ohne Führungsposition einflussreich sein könnten. Entsprechende Einflussmöglichkeiten bestehen für 41 Prozent der Befragten vor allem über das interne Netzwerk. Kaum verwunderlich also, dass fast jeder Studienteilnehmer (99 Prozent) zwischenmenschliche Beziehungen als wichtig oder sogar sehr wichtig für den unternehmerischen Erfolg bewertet. Knapp 60 Prozent beurteilen ihr momentanes persönliches Netzwerk in der Organisation jedoch als ausbaufähig. Die wichtigsten Gründe ein solches zu pflegen, liegen für die Studienteilnehmer übrigens darin, Ideen zu generieren (86 Prozent), Arbeitsprozesse effizienter zu gestalten (75 Prozent) und angemessen informiert zu sein (71 Prozent).

Schlagworte zum Thema:  Organisation, Management, Führung, Netzwerk

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