Werte zu Gehaltsgefälle mit wenig Aussagekraft
Nach der Studie der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und der Technischen Universität München verdient ein Vorstand aktuell im Schnitt fünfzigmal so viel wie ein durchschnittlicher Arbeitnehmer.
Das anscheinend riesige Gehaltsgefälle zwischen Managergehältern und Arbeiterlohn ist seit Veröffentlichung der Studie Thema in den Medien - kann es doch in unmittelbaren Zusammenhang mit der Forderung nach gesetzlichen Obergrenzen von Managergehältern gebracht werden, die die SPD in die Wahlkampfdebatte eingebracht hat. Sie fordert die Begrenzung der Managergehälter durch Festlegung eines Maximalverhältnisses zwischen der Vorstandsvergütung und dem durchschnittlichen Gehalt der Arbeitnehmer im Unternehmen.
Friedl: Kritik an Vorstandsgehältern zeigt Wirkung
Doch die Studienautoren selbst interpretieren die Zahlen zum so ermittelten Einkommensunterschied zwischen Manager und Arbeitnehmer ("Manager to Worker Pay Ratio") als erstes Indiz dafür, dass die Kritik an überzogenen Vorstandsgehältern wirkt. Denn die Gehaltsschere geht vorerst nicht mehr weiter auseinander: Die Vorstandsgehälter sind, so die Studienautoren, das zweite Jahr in Folge langsamer als die Bruttolöhne gewachsen.
Der Studie zufolge verdienten die Vorstände der 30 Dax-Unternehmen im vergangenen Jahr wie schon 2015 im Schnitt fünfzigmal so viel wie ein durchschnittlicher Beschäftigter. Zuvor kassierten die Topmanager noch das 54-fache. Im Schnitt stieg die Vergütung der Vorstände insgesamt um ein Prozent auf rund 3,4 Millionen Euro. Die Bruttolöhne und -gehälter in Deutschland legten im Vergleich dazu um 2,5 Prozent zu.
Kramarsch: Unternehmensübergreifendes Gehaltsgefälle vergleicht Äpfel mit Birnen
Vor einer zu oberflächlichen Interpretation solcher Zahlen warnt die Unternehmensberatung HKP Group. Michael Kramarsch, Managing Partner der HKP Group, weist darauf hin, dass unternehemnsübergreifende, mit dem Durchschnitt errechnete Gehaltsunterschiede zwischen Top-Managern und Arbeitnehmern kein Maßstab für die „korrekte“ Höhe der Vergütung eines Vorstandsvorsitzenden sein können und so auch nicht für eine sachliche und fachliche Diskussion taugen.
Kramarsch: "Die 'Manager To Worker Pay Ratio' vergleicht Äpfel mit Birnen. So gibt es Konzerne, die viele Mitarbeiter in Niedriglohnbereichen beschäftigen, und andere, die in erster Linie hochbezahlte Software-Ingenieure oder Finance-Spezialisten an Bord haben. Und gerade bei letzteren ist die 'Pay Ratio' relativ niedrig - was weniger dem hohen Niveau der Vorstandsvergütung als dem hoher Mitarbeitergehälter geschuldet ist."
Angaben zur Gehaltsschere sind hoch volatil
Die HKP Group weist weiter auf die hohe Volatilität solcher Kenzahlen hin. So sei bei der Deutschen Bank die "Pay Ratio" vom Wert 52 im Jahr 2014 auf 29 im Jahr 2015 gesunken und liegt 2016 auf einem Niveau von 32 - weil kein Bonus für den Vorstand gewährt wurde. Bei Daimler lag die "Pay Ratio" 2007 dagegen bei 130. 2008 stürzte sie auf 87, weil der Vorstand wegen der Finanzkrise auf seinen Bonus verzichtet hatte.
Es sei, so der HKP-Chef, durchaus sinnvoll, die Entwicklung der Vergütungsrelation zu beobachten, um daraus unternehmensintern Rückschlüsse zu ziehen. Ein unternehmensübergreifender Quervergleich sei jedoch ohne jede Aussagekraft.
Der Versuch seiner Einführung als Allheilmittel im Kampf gegen gierige Manager, wie aktuell in der Politik gefordert, stelle lediglich politisches "Window Dressing" dar. Mitarbeiter würden dadurch nicht mehr verdienen, Vorstände nicht weniger.
Einen ausführlichen Beitrag zu Vorurteilen und Realität bei der Managervergütung finden Sie in der im September erscheinenden Ausgabe 9/2017 des Personalmagazins.
-
Workation und Homeoffice im Ausland: Was Arbeitgeber wissen müssen
400
-
Essenszuschuss als steuerfreier Benefit
231
-
Acht rettende Sätze für schwierige Gesprächssituationen
224
-
BEM ist Pflicht des Arbeitgebers
189
-
Mitarbeiterfluktuation managen
1394
-
Das sind die 25 größten Anbieter für HR-Software
138
-
Pflicht zur psychischen Gefährdungsbeurteilung
126
-
Probezeitgespräche als Feedbackquelle für den Onboarding-Prozess
109
-
Der große NLP-Bluff Teil I: Wie alles begann
1088
-
Studie offenbart zu wenige Strukturen beim Onboarding
93
-
Bei sozialer Nachhaltigkeit erreicht Deutschland kein einziges Ziel
10.06.2026
-
Führung – der blinde Fleck der Transformation
10.06.2026
-
Mitarbeiterbefragungen als Steuerungsinstrument
10.06.2026
-
Warum Transformation ohne Daten scheitert
10.06.2026
-
Das "Great Flattening" greift um sich
10.06.2026
-
Erwartungen im HR-Softwaremarkt sind gedämpft
09.06.2026
-
Warum Sportler wie auch Unternehmen einen Testlauf brauchen
09.06.2026
-
Das sind die HR-Influencer 2026
09.06.2026
-
Sorgenkind duale Berufsausbildung
08.06.2026
-
Fußball-WM könnte Arbeitgeber weltweit 14,5 Milliarden Euro kosten
05.06.2026