09.01.2017 | Frauenförderung

Vorstände bleiben Männerclubs

Die üblichen Verdächtigen: Laut aktueller Studie zur Frauenquote bestehen drei Viertel aller Vorstände in deutschen Firmen ausschließlich aus Männern.
Bild: Digital Vision

Nach einem Jahr Frauenquote in deutschen Aufsichtsräten zog Frauenministerin Manuela Schwesig kürzlich ein positives Fazit. Doch auf den Vorstandsetagen deutscher Firmen ist der Frauenanteil weiter gering, wie nun eine Studie des Unternehmensberaters Ernst & Young (EY) zeigt.

Der Studie zufolge sind die Führungsgremien der größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland trotz politischem Druck häufig eine reine Männerdomäne. Der Frauenanteil in den Vorständen wächst demnach nur langsam, so die gerade veröffentlichte Studie der Beratungsfirma EY.

Vorstände weiter "mehrheitlich männliche Monokulturen"

Demnach arbeiteten zum 1. Januar 2017 in den 160 börsennotierten Firmen aus dem Dax, M-Dax, S-Dax und Tec-Dax nur 45 weibliche Vorstände. Das seien sechs mehr als ein Jahr zuvor. Knapp 76 Prozent der Gremien seien aber weiter rein mit Männern besetzt.

Den 45 Frauen stehen laut der Analyse 630 männliche Vorstände gegenüber. Das ergebe einen Frauenanteil von 6,7 Prozent. Anfang 2016 waren es 5,9 Prozent, ein Jahr zuvor 5,2 Prozent. Wenn die Zahl der Frauen in den Vorständen weiter so langsam steige wie im letzten Jahr, werde es bis 2047 dauern, bis ein Drittel der Posten mit Frauen besetzt sei, rechnet EY vor.

"Deutsche Vorstandsetagen sind nach wie vor mehrheitlich männliche Monokulturen", sagt Hubert Barth, Vorsitzender der Geschäftsführung in Deutschland.

Frauenquote in Aufsichtsräten ist gestiegen

Deutlich höher ist der Frauenanteil in Aufsichtsräten: Bei den 30 Dax-Konzernen überschritt er nach früheren Angaben des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) insgesamt bereits die 30-Prozent-Marke. Frauenministerin Manuela Schwesig zog zum Jahresende 2016 eine positive Bilanz: "Die Quote wirkt", sagte die Politikerin. "Wir haben mehr Frauen in Führungspositionen."

Die Bundesregierung hatte im Mai 2015 mit dem Gesetz für eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen den Druck auf Wirtschaft und Verwaltung erhöht.

Seit dem 1. Januar 2016 verpflichtet das Gesetz 101 börsennotierte, voll mitbestimmungspflichtige Firmen bei Neubesetzungen im Aufsichtsrat sicherzustellen, dass mindestens 30 Prozent der Posten von Frauen besetzt werden. Eine Quote für Vorstände gibt es nicht, von dem Gesetz sollte aber Signalwirkung ausgehen.

Frauenanteil: In welchen Branchen er am höchsten ist

Die Entwicklung bei den Aufsichtsräten zeige, dass es keine Frage des Könnens der Frauen, sondern eine Frage des Wollens der Unternehmen sei, meint Diversity-Expertin Ana-Cristina Grohnert, Mitglied der EY-Geschäftsführung. "Es gibt genügend qualifizierte Frauen für Vorstandsposten." Gemischte Teams brächten zudem bessere Leistungen, so die Überzeugung von EY.

Bei der Präsenz von Frauen in Vorständen liegen die 30 Großkonzerne aus dem Dax vorne. Sie weisen eine Quote von 11,3 Prozent aus. Im S-Dax haben weibliche Vorstände hingegen einen Anteil von 5,9 Prozent, noch weniger sind es im M-Dax (4,3) und dem Tec-Dax (3,9).

Den höchsten Frauenanteil im Vorstand haben laut der Analyse Firmen aus der Telekommunikations- und Finanzbranche (je 14 Prozent) sowie der Transport- und Logistiksektor (13 Prozent). Das Schlusslicht bilden die Branchen Industrie und Rohstoffe (je vier Prozent) sowie Technologie (ein Prozent).

Schlagworte zum Thema:  Frauenförderung, Frauenquote, Diversity

Aktuell

Meistgelesen