Zwei Jahre Gratis-Weiterbildung und-Coaching bekommen die Teilnehmer des "S-mile"-Projekts, die sich nun zur Halbzeitbilanz getroffen haben. Bild: Haufe Akademie

Zwölf ganz unterschiedlichen Menschen schenkt die Haufe Akademie zwei Jahre unbegrenzt Weiterbildung und Coaching. Nach einem Jahr haben sie sich zur Halbzeitbilanz getroffen. Die "Wirtschaft + Weiterbildung" war dabei und hat daraus einige Denkanstöße für die Personalentwicklung gezogen.

Zwölf Menschen, die zwei Jahre lang unbegrenzt Gratis-Weiterbildung und -Coaching nutzen können: Mit dieser ungewöhnlichen Idee ist die Haufe Akademie im vergangenen Jahr in ein Experiment gestartet. Der Weiterbildungsanbieter, der wie die "Wirtschaft + Weiterbildung" zur Haufe Gruppe gehört, war zuvor auf einige Unternehmen zugegangen und hatte so die Teilnehmer für das sogenannte "S-mile"-Projekt ("smart mile", etwa: "die schlaue Meile") rekrutiert.

Die bunt gemischte Teilnehmergruppe hat sich Anfang Juni mit ihren Coachs, Personalentwicklern und den Initiatoren in Freiburg getroffen. Bild: Haufe Akademie

Die teilnehmenden Unternehmen wählten Mitarbeiter aus, deren berufliche Situation zum Projekt passte. Mit dabei sind daneben auch Geschäftsführer und Selbstständige. Unter den Teilnehmern sind auch Geflüchtete. Die Gruppe startete Mitte vergangenen Jahrs in ihr zweijähriges Weiterbildungsprojekt, jeder bekam dafür einen Coach zur Seite gestellt, den sie regelmäßig treffen und jederzeit kontaktieren können. Das Projekt wird wissenschaftlich begleitet und filmisch dokumentiert. (Das Video rund ums "S-mile"-Kick-off sehen Sie hier.)

Halbzeitbilanz: drastische Umbrüche, neue Entwicklungsrichtungen

Die Hälfte der Zeit ist nun vergangen – Anlass für die Initiatoren, die Teilnehmer an ihren Hauptsitz nach Freiburg einzuladen und mit ihnen über ihre Erfahrungen zu sprechen. Ende Mai traf sich dort eine bunt gemischte Gruppe: Angestellte und Selbstständige, Studenten und Praktikanten, Mitarbeiter, angehende und erfahrene Führungskräfte, Deutsche, Syrer und Ägypter. Sie berichteten, wie das Jahr gelaufen ist und was sie nun planen. Mit dabei waren auch Coachs und Personalentwickler.

Manche Teilnehmer haben sich durch das Projekt beruflich komplett neu orientiert, berichteten sie bei der Vorstellungsrunde. Bild: Haufe Akademie

Bei den Diskussionsrunden zeigten sich teils drastische Umbrüche: Zwei Teilnehmerinnen hatten sich als Folge des Entwicklungsprogramms innerhalb des vergangenen Jahrs von ihrer freiberuflichen Tätigkeit verabschiedet. Zwei Teilnehmer, die nach Deutschland geflüchtet waren, nutzten das Projekt, um ihre Stärken zu identifizieren, sich in Deutschland beruflich zu orientieren und hier den Berufseinstieg zu schaffen. Andere Teilnehmer haben sich Ziele gesetzt, wie nach mehrjähriger Elternzeit wieder in den Beruf einzusteigen, zum ersten Mal eine Führungsrolle zu übernehmen, im großen, sich häufig restrukturierenden Unternehmen als Führungskraft zu bestehen oder sich vom Experten zur Führungskraft zu entwickeln.

Probleme? Ab zum Coach statt aufs Seminar zu warten

Die Berichte der Teilnehmer spiegelten an vielen Stellen, dass sie bislang vor allem die grenzenlose Zusammenarbeit mit dem Coach weitergebracht hat – ein Luxus, von dem sonst die meisten Mitarbeiter nur träumen können, wie etwa kürzlich wieder die großangelegte, internationale ICF-Coach-Befragung gezeigt hat. Die Seminarangebote hingegen nutzten die Teilnehmer bislang mehrheitlich sparsam – und spitz auf ihre berufliche Situation zugeschnitten.

"Das sollte Personalern Mut machen: Hier entsteht kein Selbstbedienungsladen, sondern es wird wertgeschätzt, dass man eine Weiterbildung bekommt", lautet die Halbzeitbilanz einer ehemaligen Personalleiterin, die bei "S-mile" als Coach zwei Teilnehmerinnen betreut. Die Coachees könnten sehr gut selbst entscheiden, was sie brauchen.

Weiterbildung als Fundament, Coaching als Aufbau: Beim Lego-Serious-Play-Workshop bauten die Teilnehmer Wissenstürmchen. Bild: Haufe Akademie

Die Ergebnisse eines Lego-Serious-Play-Workshops am Nachmittag – bei dem die Teilnehmer möglichst intuitiv aus Legosteinen ihre momentane Situation, ihre Erfahrungen des vergangenen Jahrs und ihre Erwartungen für die Zukunft nachbauten – komplettierten die Eindrücke des Vormittags: Die "Wissenstürmchen", die die Teilnehmer zusammensetzten, symbolisierten ihren Wissens- und Kompetenzgewinn im vergangenen Jahr. Dabei stellten viele die Seminare als Wissensfundament dar, auf dem das Coaching aufbaut und hilft, den Praxistransfer zu schaffen.

Denkanstöße für die Personalentwicklung der Zukunft

Die Erfahrungen der Teilnehmer lassen zwar keine repräsentativen Prognosen über die Zukunft der Weiterbildung zu. Aber sie werfen ein Schlaglicht auf aktuelle Themen der Arbeitswelt und die Rolle, die die Weiterbildung darin spielt und spielen sollte:

  • Zum einen zeigen die Zwischenfazits, dass sich in vielen Unternehmen die Ansprüche an Know-how und Kompetenzen der Mitarbeiter schnell ändern, und so auch eine schneller getaktete Personalentwicklung gefordert ist.
  • Zum anderen spiegelt das Feedback der Teilnehmer, welchen großen Wert für sie die Vertiefung von Seminarinhalten und die Persönlichkeitsentwicklung mit dem Coach haben. Doch bislang bekommen in der Praxis meist nicht Mitarbeiter in Übergangssituationen Coachings, sondern nur Top-Manager.
  • Die Kommentare der Teilnehmer verraten auch, dass ihre persönliche Situation und die Vereinbarkeit von Job und Familie für sie eine bedeutendere Rolle spielen als ihr in der herkömmlichen Personalentwicklung bislang eingeräumt wird.
  • Zudem können die bisherigen Ergebnisse Personalentwickler zudem darin bestärken, ihren Mitarbeitern bei der Auswahl von Weiterbildungen mehr zu vertrauen: Die Teilnehmer zeigen Eigenverantwortung beim Organisieren und Koordinieren des Lernprozesses, wie die Coachs berichten.

Personalerin Isabel Hoßbach, LSK Sky Chefs, plädiert dafür, Coaching nicht nach Hierarchie, sondern nach Jobsituation der Mitarbeiter einzusetzen. Bild: Haufe Akademie

Lernprozess auch für Personalentwickler und Weiterbildungsanbieter

Auch für die anderen Beteiligten bedeutet das Projekt einen Lernprozess. Eine Personalerin berichtete, dass sie das Projekt auch als Experiment für ihre eigene Personalentwicklung versteht: Gerade das Coaching habe sich bei der persönlichen Entwicklung der Mitarbeiterin als wirksames Instrument erwiesen, berichtet Personalentwicklerin Isabel Hoßbach von LSG Sky Chefs. "Das Instrument sollte nicht nach Hierarchie-Ebenen, sondern nach Passung und konkreter Jobsituation vergeben werden", plädierte sie. (Ein Interview mit Personalentwicklerin Hoßbach lesen in Ausgabe 07-08/2017 der "Wirtschaft + Weiterbildung", Seite 31).

Und nicht zuletzt hofft auch der Initiator, die Haufe Akademie, durch "S-mile" mehr darüber zu erfahren, wie ihre Kunden lernen und sich langfristig entwickeln – und wohl auch, welche Formate und Inhalte künftig gefragt sind.

 

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Schlagworte zum Thema:  Weiterbildung, Personalentwicklung, Coaching, Training

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