Der Europass-Lebenslauf soll Qualifikationen und Kompetenzen europaweit einheitlich darstellen. Bild: Michael Bamberger

Ausländische Bewerbungen zu bewerten, ist schwierig - die nationalen Standards unterscheiden sich teils erheblich. Der Europass-Lebenslauf soll eine europaweite Vergleichbarkeit herstellen. Seit 2005 wurden bereits 100 Millionen normierte Lebensläufe erstellt.

Das standardisierte Europass-Lebenslauf-Format soll einen aussagekräftigen und vor allem einheitlichen Überblick zu den fachlichen und persönlichen Fähigkeiten der Bewerber liefern – und zwar europaweit.  Dieses Ziel verfolgt die Europäische Kommission seit 2005 und stellt dafür ein Online-Tool zur Verfügung, mit dem Bewerber den normierten Lebenslauf erstellen können.

Was es mit dem Europass-Lebenslauf auf sich hat

Das kostenfreie Tool ist in 27 Sprachen verfügbar und führt die Bewerber Schritt für Schritt durch den Prozess. Dabei nutzt die Europäische Kommission ein standardisiertes Formblatt, das relevante Informationen zum Bildungs- und Berufsweg abfragt.

Eingetragen werden hier etwa Details zur Berufserfahrung mit Angaben zu vorigen Arbeitgebern sowie der Art, dem Ort und Zeitraum der Tätigkeit. Weitere Hintergrundinformationen können die Bewerber in Freifeldern ergänzen – beispielsweise Angaben zu konkreten Zuständigkeiten in einem vorigen Job oder auch Einzelheiten zu den Inhalten eines Studiengangs, den sie absolviert haben.

Einheitliche Skala für das Sprachniveau

Die persönlichen Fähigkeiten der Bewerber fragt das Europass-Online-Tool über eine Selbsteinschätzung ab. So können die Bewerber neben ihrer Muttersprache etwa zusätzliche Sprachkenntnisse in drei Kategorien angeben: Verstehen, Sprechen und Schreiben. Innerhalb dieser Kategorien bewerten die Kandidaten ihr Sprachniveau gemäß des gemeinsamen europäischen Referenzrahmens.

Die Angaben werden dabei über ein Formular gemacht, das einerseits die Sprachniveau-Skala erklärt und andererseits die einzelnen Sprachkategorien weiter ausdifferenziert. Damit schätzen die Bewerber ihre Sprachkenntnis beispielsweise danach ein, wie gut sie eine Sprache im Gespräch verstehen und wie gut sie sie verstehen, wenn sie sie lesen. Beide Selbstbeurteilungen in dieser Kategorie erfolgen auf der Referenz-Skala von A1 (elementare Sprachanwendung) bis C2 (kompetente Sprachanwendung). Zusätzlich können die Kandidaten Nachweise zu ihren Sprachkentnissen anhängen.

Soziale und fachliche Kompetenzen normiert erfasst

Neben dem Sprachniveau sind Hintergrundinformationen zu weitere Kompetenzen vorgesehen. So erfasst das Europass-Online-Tool ebenfalls kommunikative Fähigkeiten, Organisations- und Führungsqualitäten, berufliche Fähigkeiten sowie Digitalkompetenzen. Auch in diesen Kategorien schätzen die Bewerber ihre Fähigkeiten selbst ein, können jedoch einschlägige Zertifikate anfügen.

Für die Selbsteinschätzung sind einerseits Freifelder vorgesehen, in denen beispielsweise konkrete berufliche Kenntnisse vermerkt werden können. Andererseits setzt die Europäische Kommission auf Formatvorlagen, die nur begrenzte, dadurch jedoch standardisierte Antwortmöglichkeiten offen lassen.

Beispiel: Angaben zur Digitalkompetenz

Ein Beispiel hierfür sind etwa die Antwortmöglichkeiten zur Digitalkompetenz. Hier schätzen sich die Bewerber in den Kategorien Datenverarbeitung, Kommunikation, Erstellung von Inhalten, Sicherheit und Problemlösung ab, welche Fähigkeiten sie in den jeweiligen Bereichen mitbringen.

Die Skala für diese Selbstbewertung reicht von "elementare Verwendung" bis "kompetente Verwendung", wobei die einzelnen Kompetenzstufen jeweils an Beispielen verdeutlicht sind. Für eine elementare Verwendung von Anwendungen zur Datenverarbeitung nennt die Europäische Kommission etwa das Vermögen, eine Suchmaschine kompetent einsetzen zu können. Die nächsthöheren Stufen in diesem Punkt sind demgegenüber mit den Fähigkeiten illustriert, Filterfunktionen von Suchmaschinen nutzen oder spezielle Suchoperatoren verwenden zu können.

Schnittstelle zu Jobbörsen und sozialen Netzwerken

Insgesamt scheint der Europass-Online-Editor bei den Bewerbern recht beliebt zu sein. Das legen jedenfalls die Nutzerzahlen nahe. So wurden mit dem Online-Tool nach Angaben der Europäischen Kommission europaweit inzwischen über 100 Millionen Europass-Lebensläufe erstellt. 

Ein Faktor für den Erfolg der Plattform könnte im Umstand liegen, dass die Europass-Anwendung über verschiedene Schnittstellen verfügt. So liegt der Lebenslauf einerseits im gut integrierbaren XML-Format vor und kann wahlweise als PDF-Datei ausgegeben werden. Andererseits ist die Europass-Plattform unmittelbar an weitere Services angebunden. Etwa an das europäische Jobportal Eures, die Jobbörse Monster.de und das Karrierenetzwerk Xing - gerade für eine One-Klick-Bewerbung per Xing ein großer Vorteil.


Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite zum Europass-Lebenslauf.

Schlagworte zum Thema:  Recruiting, Lebenslauf

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