Start-ups befeuern den digitalen Wandel
Die Digitalisierung beschäftigt mittlerweile jede Branche. Doch die Tragweite für das eigene Kerngeschäft und konkrete Herausforderungen des Themas werden in deutschen Unternehmen nicht ausreichend erkannt, und Digitalisierungsvorhaben scheitern an Management- und Umsetzungsfehlern sowie an internen Widerständen. Das haben jüngst mehrere Studien gezeigt. Zu diesem Ergebnis kommt auch eine Befragung der Digitalberatung „Etventure“ und der GfK Nürnberg unter Führungskräften und Vorständen der rund 2.000 Großunternehmen in Deutschland.
Nur ein Drittel sieht Digitalisierung als Top-Thema
"Gerade einmal 35 Prozent nennen die Digitale Transformation als eines ihrer drei Top-Themen und nur ganze sechs Prozent als das wichtigste Thema im Unternehmen", erklärt Philipp Depiereux, Gründer und Geschäftsführer von Etventure. „Dabei ist Digitalisierung Chance und Herausforderung Nummer eins. Was der Buchmarkt und die Musikindustrie bereits schmerzlich erfahren mussten, könnte bald andere Branchen, auch im B2B-Bereich, treffen: Wer jetzt nicht digitalisiert, überlässt die Wertschöpfung den großen Technologiekonzernen wie Google, Amazon oder Apple oder auch ganz neuen digitalen Angreifern, die in den Markt drängen“, ist Depiereux überzeugt.
Weniger als die Hälfte der Unternehmensleitungen steuert die Digitalisierung
In nicht einmal der Hälfte der Unternehmen (48 Prozent) ist die Umsetzung der Digitalen Transformation durch Mitglieder des Vorstands oder der Geschäftsführung gesteuert. Philipp Depiereux: "Wenn komplette Geschäftsmodelle und -abläufe eines Unternehmens digitalisiert und in Frage gestellt werden sollen, greift das tief in sämtliche Prozesse sowie in die Kultur des Unternehmens ein. Das bedeutet für das Unternehmen: Ist der Vorstand nicht Treiber des Digitalprozesses, wird die digitale Transformation nicht gelingen.“ So belegen auch die Daten der Etventure-Studie eindeutig: Je stärker Vorstände und Geschäftsführer die Digitalisierung steuern, desto häufiger werden erfolgreiche Ergebnisse in den Großunternehmen sichtbar.
In fast drei Viertel der Unternehmen (76 Prozent) ist allerdings entweder die hauseigene Unternehmensentwicklung oder die IT-Abteilung mit der Digitalisierung beauftragt. „Die Kernaufgabe des IT-Leiters ist es aber, die IT-Infrastruktur fehlerfrei am Laufen zu halten und ständig weiter zu entwickeln - und das ist auch extrem wichtig“, so Depiereux. „Für die Digitalisierung ist jedoch vor allem eine schnelle Produktentwicklung, radikale Nutzerzentrierung und Datenfokussierung wichtig. Dies ist weitestgehend konträr zur eigentlichen DNA einer IT-Abteilung.“
Interne Widerstände behindern Transformation mit Abstand am stärksten
Die Untersuchung von Etventure enthüllt außerdem, was die größten Hemmnisse in den Unternehmen bei der Digitalen Transformation sind. Mit deutlichem Abstand und 65 Prozent Nennung steht an erster Stelle "die Verteidigung bestehender Strukturen" in den Unternehmen. Je größer die befragten Firmen sind, desto häufiger wird dieser Aspekt angeführt. Als weitere Hürden werden "fehlende Zeit" (54 Prozent) sowie "fehlende Erfahrung" (52 Prozent) genannt. Gut 40 Prozent sagen überdies, dass "notwendige weitreichende und radikale Entscheidungen von den Führungskräften gescheut werden" oder man "zu festgefahren" sei.
Interne Widerstände umgehen durch Digitalisierung in "geschützem Raum"
Philipp Depiereux: „Wir erleben häufig, dass spannende Innovationsvorhaben an internen Widerständen scheitern. Daher haben Geschäftsführer von führenden Unternehmen wie Schindler, Osram oder auch Viessmann und Klöckner entschieden, Digitalprojekte zunächst außerhalb des Unternehmens, in einem geschützten Raum, zu starten. Denn Widerstände gegenüber Neuerungen sind in Organisationen deutlich kleiner, wenn der Erfolgsnachweis schon erbracht wurde.“
Lernen von Start-up-Methoden
Daher arbeitet auch schon jedes dritte Unternehmen (31 Prozent) mit Start-ups zusammen, um die Herausforderungen der Digitalen Transformation zu meistern. Die am häufigsten damit verbundenen Ziele sind ein verbesserter Zugang zu neuen Technologien (87 Prozent) sowie schnellere und vermehrte Innovationen
(85 Prozent). Nur knapp dahinter werden das Lernen von Startup-Methoden genannt (81 Prozent) sowie die schnellere Umsetzung von Piloten durch die Zusammenarbeit mit den Startups (71 Prozent).
Im Titelthema des Personalmagazins Ausgabe 4/2016 lesen Sie mehr dazu, wie etablierte Unternehmen mit Start-ups in so genannten Corporate-Start-up-Partnerships zusammenarbeiten und wie beide Seiten davon profitieren.
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