"Die Corona-Panik erklärt sich aus dem Unbekannten"
Haufe Online-Redaktion: Mit welchen Kundenanfragen zum Corona-Virus werden Sie konfrontiert?
Dr. Bernhard Häusl: Mich erreichen momentan viele Anfragen zur Pandemieplanung in Unternehmen. Da geht es zum Beispiel darum, wie vorgegangen werden soll, wenn eine Abteilung, ein Betriebsteil oder der ganze Standort geschlossen wird, welche Maßnahmen ergriffen werden können, um die Arbeit oder wichtige Kundenaufträge trotzdem weiterzuführen.
Des Weiteren geht es natürlich ganz konkret um die Gesundheit der Mitarbeiter. Insbesondere Betriebe, die in der Gesundheitsvorsorge bereits sehr aktiv sind, stellen sich die Frage, was an Schutzmaßnahmen ergriffen werden muss. Das betrifft Hilfsmittel ebenso wie Schutzausrüstungen oder Reinigungs- und Desinfektionsmittel.
Pandemie: Personelle Planung steht im Vordergrund
Haufe Online-Redaktion: Wie sollten Unternehmen vorgehen?
Häusl: Zu Beginn steht die personelle Planung. Ich betreue beispielsweise ein international tätiges Unternehmen, das schon vor einigen Wochen einen Krisenstab eingerichtet hat. Hier werden die weiteren Aktivitäten geplant, besprochen und auch Schutz- oder Hygienemaßnahmen für stationäre, aber auch reisende Mitarbeiter, unter anderem Monteure, festgelegt. Diese Mitarbeiter bekommen ein Notfallset mit, in dem sich auch Atemschutzmasken zumindest für die ersten Tage befinden, sollte es die Situation erfordern. Außerdem enthält die Reiseapotheke Mittel gegen Schnupfen, Husten und Heiserkeit. Natürlich müssen die Unternehmen grundsätzlich sicherstellen, dass ausreichend persönliche Schutzausrüstungen, Reiseapotheken und Hygiene-Materialien wie Desinfektionsmittel für ihre Mitarbeiter im internationalen Außendienst und für diejenigen in Deutschland vorhanden sind.
Corona: Wie Arbeitgber die Infektionsgefahr senken können
Haufe Online-Redaktion: Was können Arbeitgeber tun, um die Infektionsgefahr zu senken?
Häusl: Wir geben die gleichen Empfehlungen wie das Robert-Koch-Institut an die Arbeitgeber weiter. Das heißt, regelmäßiges Händewaschen mit Wasser und Seife. Das bringt schon sehr viel, wenn man es konsequent macht. Eine weitere Maßnahme kann sein, Türklinken regelmäßig mit einem Reinigungsmittel abzuwischen und Desinfektionsmittelspender aufzustellen. Letztere bieten natürlich noch einen höheren Sicherheitsstandard. Manche Unternehmen haben unter dem Gesichtspunkt der Fürsorgepflicht für alle Beschäftigten auch die Regelung eingeführt, dass Mitarbeitende, die aus dem Ausland aus definierten Risikogebieten zurückkommen, zunächst 14 Tage zuhause in Quarantäne bleiben und von dort arbeiten – auch wenn sie nicht krank sind.
Corona: Bei Kontakt mit Risikogebieten sofort Gesundheitsbehörde einschalten
Haufe Online-Redaktion: Sofern in einem Unternehmen der Verdacht besteht, dass ein Mitarbeiter erkrankt ist, sollte dieses sofort geschlossen werden?
Häusl: In der Regel muss, sofern jemand krank aus einem Risikogebiet zurückkehrt, sofort die Gesundheitsbehörde eingeschaltet werden. Das ist Pflicht. Das Gesundheitsamt hat dann die Verpflichtung, zu beraten, denjenigen zu testen, ggf. auch mehrmals, und ihm unter Umständen zu raten, von zuhause aus zu arbeiten. Wichtig ist auch auf Arbeitgeberseite nachzufragen, mit wem derjenige bereits Kontakt hatte und auch diese Personen gegebenenfalls in Quarantäne zu schicken, wenn ausreichend intensiver Kontakt bestand. Eine Schwalbe macht keinen Sommer und ein Virus keine Erkrankung.
Auch bei Corona greift die Risikobeurteilung. Ein ganzes Unternehmen sofort zu schließen, halte ich für übertrieben.
Ein ganzes Unternehmen sofort zu schließen, halte ich für übertrieben. Das sollte man wirklich von der Situation abhängig machen. Hier greift die Risikobeurteilung. Man muss ja bedenken, dass die Lohnkosten auch bei Schließung weiterlaufen. Hier finden Unternehmen unterschiedliche Regelungen, wie mit der Ausfallzeit umzugehen ist. Krank ist unverändert krank, für Zeiten wie Quarantäne sollte eine Lösung in Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit gefunden werden, um auch die Unternehmen zu entlasten.
Haufe Online-Redaktion: Warum bricht bei uns in Deutschland eine derartige Panik gegenüber dem Coronavirus aus? Ist das nicht völlig unnötig?
Häusl: Tückisch am Coronavirus ist, insbesondere auch für uns als diagnostisch tätige Ärzte, dass die Symptome, das heisst die Krankheitszeichen, die durch das Coronavirus verursacht werden, denen vieler anderer Virusinfektionen ähnlich sind. Darüber hinaus wissen wir noch zu wenig über die Infektiosität – im Durchschnitt steckt ein Kranker zwei bis drei andere Personen an - und wir wissen zu wenig über die Letalitätsrate des Virus – im Klartext, wie viele der Infizierten versterben. Die Panik erklärt sich sicherlich aus dem Unbekannten.
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