Pflegenotstand in Kliniken: Personalmangel auch hausgemacht
Niedrige Vergütungen, lange Arbeitszeiten und hoher Zeitdruck bei der Arbeit lassen die Nachfrage nach Pflegeberufen sinken. Hinzu kommen fehlende Karrierechancen: Die ökonomischen Rahmenbedingungen und Aufstiegsmöglichkeiten in der Pflege sind mit denen in der Industrie nicht vergleichbar. Doch diese schlechte Bilanz der Ausgangslage wird noch durch hausgemachte Probleme verschärft, wie die Studie "Das Krankenhaus als attraktiver Arbeitgeber", erstellt von BDO und dem Deutschen Krankenhausinstitut (DKI), belegt.
Mangelndes Gesundheitsmanagement in Kliniken verschärft Fachkräftemangel in der Pflege
Das Gesundheitswesen zählt zu den Branchen mit den meisten krankheitsbedingten Fehltagen. Zusammen mit den Ausfallzeiten durch Weiterbildung und Urlaub verschärft dies das Personalproblem der Krankenhäuser. Angesichts der neuen gesetzlichen Personaluntergrenzen in der Pflege ist dies eine große Herausforderung für das Klinikmanagement.
Doch gerade hier entlarvt die Untersuchung Unterlassungsfehler: Zwar ist in jedem zweiten Krankenhaus das betriebliche Gesundheitsmanagement als Wert im Leitbild des Krankenhauses verankert ist. Doch konkrete Ziele für die betriebliche Gesundheitsförderung hat sich nur jedes dritte Unternehmen gesetzt. Und auch die angebotenen Präventionsmaßnahmen sind nur in einem Drittel der Kliniken spezifisch auf die jeweiligen Mitarbeitergruppen zugeschnitten. "Hier sind die Krankenhäuser gefordert, die Gesundheit ihrer Mitarbeiter zu fördern", so Professor Volker Nürnberg, Experte für Gesundheitsmanagement und Partner bei BDO. "Zusammen mit den verstärkten Leistungen der Krankenkassen, die ab 2019 mehr Geld für die Gesundheitsförderung in Pflegeeinrichtungen aufwenden sollen, wäre das sicher ein wesentlicher Beitrag zur Steigerung der Attraktivität von Pflegeberufen."
Handlungsbedarf: Familienfreundliche Arbeitsbedingungen in Krankenhäusern
Auch hinsichtlich familienfreundlicher Arbeitsbedingungen haben Kliniken wachsenden Handlungsbedarf. Zwar bieten 78 Prozent der Krankenhäuser ihren Mitarbeitern Maßnahmen zur beruflichen Weiterqualifizierung während der Elternzeit an. Mehr als die Hälfte der Häuser bietet eine betriebliche Kinderbetreuung an, sei es über eigene Kindergärten oder Kinderkrippen, sei es über betriebliche Belegplätze in der Umgebung. "Im Branchenvergleich sind dies sicherlich gute Werte", so der DKI-Vorstand Dr. Karl Blum, "mit Blick auf die längerfristige Fachkräftesicherung werden familienfreundliche Angebote in Zukunft aber noch mehr an Bedeutung gewinnen."
Angesichts des Fachkräftemangels suchen jeweils 44 Prozent der Krankenhäuser Pflegepersonal auch im Ausland oder schalten private Arbeitsvermittler ein. Wichtigstes Instrument ist jedoch unverändert die klassische Stellenanzeige in regionalen Zeitungen, auf die 82 Prozent der Kliniken setzen.
Für die Studie "Das Krankenhaus als attraktiver und gesunder Arbeitgeber" der BDO AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) wurden alle deutschen Krankenhäuser ab 100 Betten angeschrieben.
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