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Zeitarbeitsbranche hat noch immer ein Imageproblem

Ein genauer Blick auf die Daten zeigt: Zeitarbeit hat bei Arbeitnehmern ein negatives Image.
Bild: John Foxx Images

Zuletzt war die Zahl der Zeitarbeitsverträge rückläufig – doch viele Unternehmen schätzen weiter das flexible HR-Instrument. Die Branche hat aber nach wie vor ein schlechtes Image, zeigt eine Studie: Das Wissen über Zeitarbeit ist gering; die Bezahlung wird zu negativ eingeschätzt.

Eine deutliche Mehrheit von 82,7 Prozent der Arbeitnehmer und Arbeitssuchenden glaubt, die Tariflöhne der Zeitarbeitsbranche lägen weit unter 8,50 Euro und müssten deutlich angehoben werden, um den Mindestlohn von 8,50 im Jahr 2016 zu erreichen. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie "Arbeitsmarkt 2014 – Perspektive der Arbeitnehmer", die von dem Zeitarbeitsunternehmen Orizon in Auftrag gegeben wurde.

Allerdings gilt bereits seit Januar 2014 in der Zeitarbeitsbranche ein Mindestlohn, der – zumindest in den alten Bundesländern – auf dem Niveau des Gesetzesentwurfs der Großen Koalition liegt. In den neuen Ländern beträgt er 7,86 Euro.

Wissen über die Zeitarbeitsbranche ändert sich kaum

Trotzdem: Das Imageproblem wird eher größer, wie auch Dr. Dieter Traub, Geschäftsführer der Orizon GmbH, bestätigt: "Die Tarifpartner der Zeitarbeit sind sich ihrer sozialen Verantwortung bewusst. Deswegen sind wir einer gesetzlichen Regulierung zuvorgekommen und haben selbst bindende Standards gesetzt. Die öffentliche Wahrnehmung der Zeitarbeitsbranche wandelt sich trotz rasanter Fortschritte nur langsam. Noch immer werden wir mit prekärer Beschäftigung assoziiert." Er zeigt sich jedoch überzeugt, das ändern zu können.

Wie langsam der Wandel verläuft zeigen weitere Daten der Studie im Vergleich zu Vorjahresergebnissen: So sagen im Jahr 2014 insgesamt 78,8 Prozent der befragten Arbeitnehmer, noch nichts von Branchenzuschlagstarifen gehört zu haben. 2013 waren es noch etwas mehr: 80,5 Prozent der Befragten. Und selbst von den Arbeitnehmern mit Zeitarbeitserfahrung sind in der diesjährigen Umfrage nur 7,1 Prozent detailliert über die Zuschläge informiert; den meisten (64,8 Prozent) sind sie unbekannt. Die Branchenzuschlagstarife wurden vor knapp zwei Jahren eingeführt. Hierüber könnten Zeitarbeitnehmer in den vereinbarten Branchen bis zu 50 Prozent Aufschlag auf ihren Einstiegslohn erhalten.

Anteil der Zeitarbeit an Gesamtbeschäftigung geringer als eingeschätzt

Zudem wird auch der Einsatz von Zeitarbeit von den Befragten überschätzt: Knapp ein Drittel schätzt den Anteil der Zeitarbeit an der Gesamtbeschäftigung auf über 20 Prozent. Laut Angaben von Orizon liegt er jedoch bei knapp zwei Prozent. Diese Fehleinschätzung hat im Vergleich zum Vorjahr noch zugenommen. Auch bei den Arbeitnehmern mit Zeitarbeitserfahrung schätzen dies nur 6,9 Prozent richtig ein. Bei den Zeitarbeitserfahrungen ist der Anteil derer, die die Größe der Branche komplett falsch einschätzen, sogar am höchsten.

Über die Studie

Das Zeitarbeitsunternehmen Orizon hat die Umfrage "Arbeitsmarkt – Perspektive der Arbeitnehmer" zum dritten Mal erhoben. An der repräsentativen Online-Befragung nahmen dieses Jahr 2.051 Arbeitnehmer und Arbeitsuchende in Deutschland teil. Durchgeführt wurde die Studie von dem Marktforschungs- und Analyseunternehmen Lünendonk GmbH.

Schlagworte zum Thema:  Arbeitnehmerüberlassung, Zeitarbeit, Mindestlohn

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