Urgestein der Wohnungswirtschaft: Jürgen Steinert ist tot
Jürgen Steinert wurde 1937 in Dresden geboren und wuchs in Berlin auf. Nach einer kaufmännischen Ausbildung und einem Volontariat bei der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft (DAG) studierte er Volkswirtschaft in Hamburg und wurde Referent beim DAG-Bundesvorstand.
Im Jahr 1957 trat Steinert in die SPD ein und war von 1976 bis 1981 stellvertretender Landesvorsitzender in Hamburg. 1978 wurde er Abgeordneter der Hamburgischen Bürgerschaft und Senator für Wirtschaft, später Präses der Finanzbehörde der Freien und Hansestadt Hamburg.
Jürgen Steinert prägte die Geschicke der Wohnungswirtschaft
Schon in den 1960er Jahren wurde er Mitglied und engagierter Vertreter der Baugenossenschaft Bergedorf-Bille. 1985 übernahm Steinert auf Initiative von Caesar Meister, dem Gründungsmitglied und Vorsitzenden der Bergedorf-Bille, den Vorsitz des damaligen Gesamtverbandes gemeinnütziger Wohnungsunternehmen – dem heutigen GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen.
Jürgen Steinert prägte über viele Jahre hinweg maßgeblich die Geschicke der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft in Deutschland. Insbesondere nach der Abschaffung des Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetzes Anfang 1990, war es seiner Führungsstärke und seiner integrativen Kraft zu verdanken, dass es gelang, die Vielfalt der GdW-Mitgliedsunternehmen zusammenzuhalten und unter einem modernen, demokratisch organisierten Dachverband zu vereinen.
Zäsur nach der Wiedervereinigung: Steinert führte mit Erfolg
Auch mit der Wiedervereinigung Deutschlands stand die Wohnungswirtschaft vor einer Zäsur. Die von Jürgen Steinert entscheidend mitgestaltete Integration der ostdeutschen Wohnungsunternehmen in die Verbandsorganisation war ein organisatorischer Meilenstein und ein deutliches Signal für die gemeinsame Verantwortung beim Aufbau der gesamtdeutschen Wohnungswirtschaft.
Unter Steinerts Führung wurde die Struktur des Verbandes grundlegend reformiert. Die Mitbestimmung der Unternehmen wurde gestärkt, Regionalverbände blieben erhalten und Bundesarbeitsgemeinschaften ermöglichten es insbesondere den Genossenschaften, ihre Interessen zu artikulieren.
Jürgen Steinert – der "DW Die Wohnungswirtschaft" verbunden
Jürgen Steinerts Wirken war von der Überzeugung getragen, dass bezahlbarer Wohnraum, soziale Verantwortung und unternehmerisches Handeln kein Widerspruch sind. Nach seinem Ausscheiden aus dem Amt des GdW-Präsidenten im Jahr 2001 setzte Steinert sein Engagement zum Beispiel als langjähriger Aufsichtsrat der Degewo und als Ehrenvorsitzender der Deswos fort.
Die Branche verliert mit Jürgen Steinert einen besonderen Menschen, Brückenbauer und Gestalter. Dem Haufe-Fachmagazin "DW Die Wohnungswirtschaft" war er als Mitinitiator und langjähriger Moderator des Brandenburger Hof Gesprächs verbunden. Die Redaktion wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren.
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