| Zahlungsmoral

Zahlungsmoral wird schlechter

Bleiben immer häufiger beim Empfänger liegen: Rechnungen von Geschäftspartnern.
Bild: Haufe Online Redaktion

Die Zahlungsmoral der deutschen Unternehmen hat sich im Frühjahr 2013 verschlechtert. Im März zahlten 18,8 Prozent der Unternehmen ihre Rechnungen verspätet. Das geht aus einer Studie der EOS Deutschland und der Wirtschaftsauskunftei Bürgel hervor.

Der Wert von 18,8 Prozent ist der schlechteste Wert innerhalb der zurückliegenden zwölf Monate. Wie aus der Studie mit dem Titel „Zahlungsmoral deutscher Unternehmen“ weiter hervorgeht, ist die lahmende Konjunktur verantwortlich für die verschlechterte Zahlungsmoral. Obwohl die Wirtschaft dank Konsum, gestiegener Löhne und einer stabilen Beschäftigungslage im ersten Quartal 2013 minimal an Fahrt gewonnen hätte, hielten sich hiesige Unternehmen, allen voran die Exporteure, derzeit bei Investitionen zurück.

Schleppende Zahlungen lösen Kettenreaktion aus

Hinzu kommt ein weiterer bedeutender Einflussfaktor: Das Zahlungsverhalten von Kunden wirkt sich unmittelbar auf die eigene Liquidität aus. „Insbesondere Unternehmen, die mit hohen Zahlungsausfällen kämpfen müssen, haben nur einen begrenzten Finanzierungsspielraum. So werden Dominoeffekte angestoßen, die mit Zahlungsverzögerungen, Liquiditätsengpässen und Finanzierungsschwierigkeiten beginnen und schließlich manches Unternehmen in die Insolvenz treiben“, sagt Stephan Spieckermann, Geschäftsführer von EOS Deutschland.

Der Gemeinschaftsstudie von EOS und Bürgel liegt die Auswertung des Zahlungsverhaltens von knapp 463.000 Firmen aller Branchen zu Grunde. Die Analysedaten stammen aus der gemeinsam von EOS und Bürgel betriebenen Wirtschaftsdatenbank DDMonitor (Deutscher Debitoren Monitor). Der DDMonitor erfasst das Zahlungsverhalten von Firmen und Gewerbetreibenden nahezu jeder Wirtschaftssparte.

Schlusslicht: die Unternehmen aus dem Saarland

Laut Untersuchung von Bürgel und EOS haben hiesige Unternehmen in den zwölf Monaten des Untersuchungszeitraums nicht nur mit verspäteten Zahlungen, sondern auch vermehrt mit Forderungsausfällen zu kämpfen. Am schlechtesten schneiden bei der Zahlungsmoral im Krisenmonat März saarländische Unternehmen ab. Knapp ein Viertel der dortigen Firmen (24,9 Prozent) hat seine Rechnungen nicht innerhalb des Zahlungsziels beglichen. Der Prozentsatz von 24,9 Punkten entspricht zugleich dem schlechtesten Wert aller Bundesländer von April 2012 bis März 2013. Aber auch in Nordrhein-Westfalen (21,0 Prozent der Unternehmen zahlen verspätet) und Bremen (20,9 Prozent) war die Zahlungsmoral im März 2013 nicht stark ausgeprägt. Dem gegenüber haben Unternehmen in Sachsen die beste Zahlungsmoral. Dort versäumten im Frühlingsmonat nur 15,5 Prozent der Firmen, ihre Rechnungen fristgerecht zu zahlen. Auch Thüringen (16,4 Prozent) und Schleswig-Holstein (16,9 Prozent)

Branchenschlusslichter: Versorger und Baugewerbe

Bei der Zahlungsmoral nach Branchen schneiden im März 2013 die Ver- und Entsorger (Wasser, Abwasser und Abfälle) mit einer Quote von 27 Prozent am schlechtesten ab. Nicht viel besser sieht es im Baugewerbe mit 23,1 Prozent Unternehmen aus, die ihre Rechnungen nicht fristgerecht begleichen. Ähnliches berichten Bürgel und EOS von den Energieversorgern (22 Prozent).

Schlagworte zum Thema:  Zahlungsmoral, Konjunktur, Forderungsausfall, Forderung, Rechnung

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