Mittelstand zeigt Banken die kalte Schulter
Mittelständische Unternehmen meiden zusehends Bankfinanzierungen. Davon profitiert die Factoring-Branche. Ein Grund für diesen Trend liege daran, dass immer mehr große Kunden auf langen Zahlungszielen bestehen, so die Unternehmensberatung FCM Finance & Consult Mittelstand e.K. Viele mittelständische Unternehmen haben deshalb mit Finanzierungsschwierigkeiten und Liquiditätsengpässen zu kämpfen, Wachstumsstrategien werden gefährdet.
Da ist es kein Wunder, dass Unternehmen verstärkt auf die Finanzierungsalternative Factoring zurückgreifen. Dies spiegelt sich in der rasanten Entwicklung der Branche wider. Um fast 20 Prozent ist das Factoring-Volumen in den letzten zehn Jahren durchschnittlich gewachsen. Seit 2005 hat sich das Factoring-Volumen fast verdreifacht, zeigen die Zahlen des Deutschen Factoring-Verbandes.
Auch 2011 war für die Branche ein erfolgreiches Jahr. Das Factoring-Volumen wuchs um knapp 19 Prozent auf 157,26 Milliarden Euro.
Investitionen werden über Factoring finanziert
Gerade viele kleine und mittlere Unternehmen stehen vor der Frage, wie sie ihre Investitionen finanzieren sollen, wenn ein Großteil ihrer finanziellen Mittel zur Finanzierung von Zahlungszielen eingesetzt werden muss. Auf den Kontokorrentkredit auszuweichen ist zwar naheliegend. Die hohen Zinsen und der höhere Verschuldungsgrad halten aber immer mehr Unternehmen von dieser Variante ab, beobachten die FCM-Unternehmensberater.
Für das Factoring spricht, dass es sich als umsatzkongruente Finanzierung an den tatsächlichen Finanzierungsbedarf eines Unternehmens anpasst. Zudem ermöglicht es den Unternehmen, Zahlungsziele zu gewähren. So können sie neue Kunden ansprechen bzw. ein höheres Umsatzvolumen mit bestehenden Kunden erzielen.
Ein weiterer Vorteil des Factoring: Die Eigenkapitalquote steigt, ohne dingliche Sicherheiten einsetzen zu müssen.
Vorteil niedrige Verwaltungskosten
Für viele Unternehmen ist Factoring eine Finanzierungsform, die sich rechnet. Trotz der damit verbundenen Kosten. Die Kosten für den Forderungsverkauf liegen etwa im Skontobereich und sind daher geringer als bei den klassischen Finanzierungsmöglichkeiten, meint etwa Reinhard Lührs, Geschäftsführer des mittelständischen Windenergieunternehmens L & L Rotorservice GmbH. Lührs setzt seit acht Jahren Factoring für die Unternehmensfinanzierung ein. Ein weiterer Vorteil: Einsparungen bei der Debitorenbuchhaltung. Denn sind Forderungen erst einmal verkauft, sind Zahlungsziele oder Mahnungen Aufgaben des Factors.
Banken bleiben auf Krediten sitzen
Banken bekommen die veränderten Präferenzen beim Finanzierungsverhalten inzwischen bereits zu spüren. So titelte die Online-Ausgabe der Financial Times Deutschland (FTD, 14.5.12), „Von wegen Kreditklemme: Banken drängen Firmenkunden Geld auf“. In dem Beitrag wird Commerzbank-Vorstand Markus Beumer mit der Aussage zitiert, dass es 2012 kein nennenswertes Kreditwachstum geben werde. Die Banken blieben derzeit auf ihrem Geld sitzen.
Von einer Kreditklemme könne nicht die Rede sein. Firmen würden derzeit nur 50 bis 60 Prozent der bereitgestellten Kreditlinien ausnutzen, sagte Beumer der FTD. Normalerweise liege die Quote zwischen 70 und 75 Prozent.
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