Kredithürden steigen: Mittelständler kommen schwerer an Fremdkapital
Die deutsche Unternehmenswelt erlebt weiterhin eine angespannte Lage. Laut dem statistischen Bundesamt ist die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal 2025 mit 0,3 Prozent stärker geschrumpft als ursprünglich geschätzt. Die Auftragslage ist in einigen Branchen schwach, hohe Kosten belasten die Liquidität und eine mögliche Erholung wird von Volkswirten erst für 2026 erwartet.
Banken sind bei der Kreditvergabe an KMU vorsichtig
Wie verkraften Betriebe das finanziell? Nicht wenige Firmen benötigen in dieser Zeit Fremdkapital. Doch noch nie hatten so viele Mittelständler Probleme beim Zugang zu Krediten wie im zweiten Quartal 2025. Die KfW-ifo-Kredithürde zeigt für das zweite Quartal, dass 35,2 Prozent der KMU branchenübergreifend in Kreditverhandlungen auf Schwierigkeiten stoßen – ein neuer Rekordwert.
Interessant ist, dass nur noch 21,5 Prozent (zuvor: 23,6 Prozent) der Großunternehmen die Banken als restriktiv in Kreditverhandlungen wahrnehmen. Banken scheinen also bei KMU deutlich zurückhaltender zu agieren als bei Großunternehmen.
Auch KMU sind bei Krediten zurückhaltend
Doch nicht nur die Banken bremsen – auch viele Unternehmen selbst scheuen derzeit den Gang zur Bank. Nur rund jedes fünfte KMU führte im zweiten Quartal überhaupt Kreditgespräche mit einer Bank. Bei Großunternehmen lag die Quote mit 30,3 Prozent deutlich höher.
Die Zahlen zeigen: Während Großunternehmen frühzeitig finanzielle Spielräume für anstehende Investitionen sichern, bleibt der Mittelstand vorsichtig – teils aus Unsicherheit, teils aus Sorge um die Tragfähigkeit neuer Kredite. Klar ist: Kredite sind auch mit Finanzierungskosten verbunden.
Was KMU jetzt tun können
Wer seine Liquidität aus eigener Kraft stärkt, ist weniger abhängig von Krediten. Deshalb sollten KMU ein konsequentes Cash- und Liquiditätsmanagement etablieren und sicherstellen, einen transparenten Überblick über die aktuellen Zahlen zu haben.
- Forderungen konsequent eintreiben: Unternehmen sollten offene Rechnungen schneller eintreiben und etwaige Mahnprozesse automatisieren.
- Zahlungsziele aktiv steuern: Die Steuerung der Zahlungsziele kann sich erheblich auf die eigene Liquidität auswirken. Wenn Unternehmen mit Lieferanten längere Fristen verhandeln und mit Kunden klare Vereinbarungen zu zeitnahen Zahlungen treffen (z.B. auch Skonto), dann kann der Cashflow verbessert werden.
- Bestände optimieren: Wenn viele Waren im Lagerhaus liegen, bleibt dort auch viel Kapital gebunden. Zudem entstehen hohe Kosten. Unternehmen sollten die Lagerhaltung überprüfen und unnötig gebundenes Kapital freisetzen.
- Kostenstrukturen prüfen: Gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten bei steigenden Kosten sollten Unternehmen einen genauen Blick darauf haben, ob auch der Rotstift angesetzt werden kann. Im Idealfall können Betriebe Fixkosten senken, unnötige Ausgaben streichen und variable Modelle bevorzugen. Es lohnt sich, auch regelmäßig Verträge (z. B. Telefonverträge) zu prüfen und ggf. zu günstigeren Tarifen zu wechseln.
- Liquiditätsplanung digitalisieren: Eine verlässliche Liquiditätsplanung ist eine wichtige Basis für fundierte Entscheidungen. Unternehmen sollten ihre Cashflows laufend überwachen und Szenarien durchspielen um auch Engpässe frühzeitig zu erkennen.
Fazit: Die aktuelle KfW-ifo-Kredithürde zeigt deutlich, dass es für mittelständische Unternehmen immer schwerer wird, an Fremdkapital zu kommen. Doch ohne Kapital kann auch nicht in die Zukunft investiert werden. Während Großunternehmen ihre Finanzierungsbasis ausbauen, trifft der Mittelstand auf zunehmend restriktive Banken – und zögert zugleich selbst bei neuen Krediten. In dieser Lage entscheidet ein starkes Liquiditätsmanagement über die Handlungsfähigkeit. Wer seinen Cashflow im Griff hat, Kosten im Blick behält und finanzielle Spielräume aktiv gestaltet, macht sich unabhängiger von Banken – und schafft eine stabile Basis für die Zukunft.
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