Transformation in der Industrie

Transformation der Industrie Effizienz & Wachstum steigern

Industrieunternehmen müssen 2026 gleichzeitig Kosten senken und in Wachstum investieren. Die Duale Transformation verbindet beide Ziele: Effizienz finanziert Wachstum – Wachstum stabilisiert Effizienz. Wie Unternehmen die entscheidenden Faktoren skalierbare KI, klare Daten-Ownership und konsequente Übersetzung von Innovation in Umsatz realisieren können, erläutern Thomas Spanuth und Malte Pielkau-Eisenberg in diesem Beitrag.

Unternehmen im Spannungsfeld

Zwei Herausforderungen mit dualer Transformation meistern

Industrieunternehmen stehen 2026 vor einer paradoxen Aufgabe: Sie müssen Kosten senken, Prozesse beschleunigen und Kapital freisetzen – und gleichzeitig in neue Technologien, digitale Geschäftsmodelle und marktfähige Innovationen investieren. Gerade im Cluster Manufacturing, High Tech & Automotive wird dieser Zielkonflikt besonders sichtbar. Hier treffen lange Entwicklungszyklen, komplexe Wertschöpfungsnetzwerke, ein hoher Kostendruck und technologische Umbrüche direkt aufeinander.

Die zentrale Botschaft der Dualen Transformation lautet deshalb: Effizienz finanziert Wachstum. Wachstum stabilisiert Effizienz. Unternehmen, die diesen Kreislauf systematisch steuern, schaffen finanzielle Spielräume, investieren gezielt in skalierbare Zukunftsfelder und erhöhen damit ihre Resilienz im Kerngeschäft (Vgl. Abb. 1).

Unternehmen im Spannungsfeld

Transformation ist heute kein Ausnahmefall mehr – sie ist der Normalzustand!

Die SET-Expertenbefragung 2026 zeigt (für Hintergrundinfos, siehe Abbildung 2): Transformation ist längst kein Sonderprogramm mehr, sondern der neue Normalzustand. 52 Prozent der befragten Führungskräfte verorten ihr Unternehmen bereits auf dem Niveau des „Dual Transformer“ – also in einem ausgewogenen Transformationskreislauf mit hoher strategischer Reife.

Für Manufacturing, High Tech & Automotive ist diese Entwicklung besonders relevant. Das Cluster macht 32 Prozent der befragten Unternehmen aus und zählt damit zu den zentralen Perspektiven der Untersuchung. Zugleich zeigt die Auswertung: In diesem Cluster liegt der Effizienz-Score bei -3,7 und damit knapp +20 Prozent über dem Median von -3,1, während der Wachstums-Score mit 2,8 nur knapp vier Prozent über dem Median von 2,7 bleibt – Scoring‑Skala: 0 (gar nicht ausgeprägt) bis +/-5 (sehr stark ausgeprägt).

Das ist ein deutliches Signal: Viele der befragten Unternehmen in diesem Cluster sind überdurchschnittlich stark darin, Effizienzpotenziale zu identifizieren und operative Exzellenz voranzutreiben. Deutlich anspruchsvoller ist es jedoch, diese Stärke konsequent in skalierbares Wachstum zu übersetzen.

SET-Expertenbefragung 2026

Der Effizienzdruck steigt – aber Piloten reichen nicht

Im industriellen Umfeld nimmt der Cost-of-Technology-Druck spürbar zu. Neue Plattformen, Softwareanteile/ datenbasierte Services usw. erhöhen die Investitionsbedarfe. Gleichzeitig wird Time-to-Market zum kritischen Effizienzindikator, wer zu langsam industrialisiert, verliert Marktchancen.

KI und Automatisierung werden deshalb branchenübergreifend als zentrale Effizienzhebel gesehen. Die eigentliche Herausforderung liegt jedoch nicht im nächsten Proof-of-Concept, sondern in der industriellen Skalierung. Solange Daten nicht integriert, Operating Models nicht angepasst und Pilotprojekte nicht konsequent ausgerollt werden, bleibt die Wirkung auf die Gewinn und Verlustrechnung (GuV) begrenzt.

Für Industrieunternehmen heißt das: Effizienzprogramme dürfen nicht als Initiativenliste geführt werden. Entscheidend ist der Wechsel von der Initiativen- zur Wertlogik. Priorisierung, Finanzierung und Change-Management müssen zusammenspielen. Klare Governance, messbare Einsparungslogik, skalierbare Automatisierungsroadmaps und datengetriebene Steuerung sind die Voraussetzungen dafür, dass Effizienzprogramme tatsächlich Wirkung entfalten.

Wachstum scheitert selten an Ideen – sondern an Skalierung

Auf der Wachstumsseite zeigt sich ein anderes Muster: Manufacturing, High Tech & Automotive-Unternehmen verfügen häufig über einen hohen Ideenreichtum und starke technologische Kompetenzen. Doch lange Entwicklungszyklen bremsen die Umsatzreife. Ein Teilnehmer der Expertenbefragung bringt es auf den Punkt: „Der Entwicklungszyklus dauert teilweise sehr lange.“

Das Problem ist also nicht zwingend mangelnde Innovationskraft. Vielmehr fehlt häufig die Übersetzung von Innovation in skalierbare Geschäftsmodelle. Dezentrale F&E, unklare Rollen, fehlende Go-to-Scale-Prozesse und ein zu hoher Anteil inkrementeller Innovation verhindern, dass gute Ideen schnell genug Marktwirkung entfalten.

Genau hier entscheidet sich die Qualität der Dualen Transformation. Eine Innovationspipeline ist noch keine Wachstumspipeline. Erst wenn klare Wachstumspools definiert, F&E-Ressourcen auf Top-Prioritäten gebündelt und digitale Produkte durch dedizierte, cross-funktionale Teams skaliert werden, entsteht messbarer Umsatzbeitrag. Ein zentrales „Go-to-Scale“-Playbook kann dabei helfen, den Schritt vom Piloten zum Rollout in standardisierte Strukturen zu führen.

Was Industrieunternehmen jetzt anders machen sollten

Die größten Hürden im Cluster Manufacturing, High Tech & Automotive sind struktureller Natur: Legacy-Technologie, heterogene Datenlandschaften, Investitionsdruck, Change-Herausforderungen, volatile Märkte und häufig auch veraltete Organisationsdesigns erschweren die parallele Skalierung von Effizienz und Wachstum.

Daraus ergeben sich fünf Prioritäten:

1. Daten-Ownership klären. Ohne klare Verantwortlichkeiten für Datenqualität, Datenzugriff und Datenarchitektur bleibt es ein KI-Entwurf. Skalierbare Datenplattformen sind das Fundament für Automatisierung, Agenten-KI und neue digitale Servicemodelle.

2. Effizienzhebel entlang von Wertströmen steuern. Unternehmen sollten Effizienz nicht isoliert in Funktionen optimieren, sondern End-to-End: von Produktentwicklung über Einkauf, Produktion und Logistik bis zu Order-to-Cash und After-Sales. 

3. Kapital nach klarer Reinvestitionslogik allokieren. Freigesetzte Mittel sollten nicht opportunistisch verteilt werden, sondern entlang klarer Kriterien: Marktattraktivität, Differenzierungspotenzial, Wirtschaftlichkeit, Machbarkeit und strategischer Fit.

4. Go-to-Scale zur Kernfähigkeit machen. Für High-Tech- und Automotive-Unternehmen reicht es nicht, neue Produkte zu entwickeln. Sie müssen Entwicklungszyklen verkürzen, Verantwortlichkeiten klären und New Business-KPIs etablieren, die zeigen, wie viel Umsatz mit neuen Produkten und Services tatsächlich entsteht.

5. Partnerschaften strategisch nutzen. Wachstum entsteht zunehmend über Ökosysteme: Zukäufe, strategische Partnerschaften, Co-Developments und Beteiligungsnetzwerke können helfen, technologische Lücken schneller zu schließen und neue Märkte zu erschließen.

Fazit

Der rote Faden ist klar: Zukunftsfähigkeit entsteht nicht durch Sparen allein. Sie entsteht, wenn Unternehmen Effizienzgewinne diszipliniert in Wachstum übersetzen, mit Tempo, klaren Prioritäten und dauerhafter Verankerung in Steuerung, Organisation und Kultur.

Für Industrieunternehmen wird genau diese Fähigkeit zum Wettbewerbsfaktor der nächsten Jahre. Wer jetzt KI skaliert, Daten-Ownership klärt, Entwicklungszyklen verkürzt und Innovation konsequent in Umsatz überführt, macht Transformation nicht zum Projekt, sondern zum Betriebssystem für Resilienz und Wachstum.

Über die Autoren

Dr. Thomas Spanuth und Malte Pielhau-Eisenberg sind Associate Partner bei SET Management Consulting GmbH in Frankfurt am Main. SET ist eine unabhängige Management-Beratungsboutique mit Fokus auf ganzheitliche Transformationen – vom strategischen Zielbild über Governance und Change bis zur Implementierung.


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