Driving Forces 2019: Diese Veränderungskräfte bestimmen 2019

„Was hält Sie nachts wach?“ Diese Frage stellt Innovationspionier Robert B. Tucker jedes Jahr Hunderten von Führungskräften US-amerikanischer Unternehmen. Ziel ist es, die 6 wichtigsten Veränderungskräfte für das kommende Jahr zu identifizieren. Die „Nachtgespenster“ 2019 lesen Sie hier.

Vor allem thematisieren die CEOs die aktuellen wirtschaftlichen Unsicherheiten. Steht die wirtschaftliche Erholung des letzten Jahrzehnts kurz vor dem Ende? Werden die USA und China ein Handelsabkommen abschließen? Zweifellos verursacht die Herausforderung von Planung und Umsetzung in Zeiten des wirtschaftlichen und geopolitischen Aufruhrs schlaflose Nächte. Des Weiteren wurden die Führungskräfte gefragt, ob sie Disruptionen innerhalb ihrer Organisationen bemerkten. Diese Frage wurde fast ausnahmslos bejaht, wenn auch die Ursachen der Disruptionen sehr vielfältig sind: der Kampf um geeignete Fachkräfte, Billigkonkurrenz aus China, Fintechs, die das Kreditgeschäft von Finanzdienstleistern schmälern, Amazon und die „Einzelhandelsapokalypse“, und nicht zuletzt die Befürchtung, für die eigenen Kunden irrelevant zu werden.

Im Folgenden werden die 6 treibenden Kräfte beschrieben, die laut Aussagen der befragten Unternehmensvertreter das Jahr 2019 entscheidend beeinflussen werden:

1. Der Kampf um Fachkräfte wird sich 2019 verschärfen

Die Diskussion über die konjunkturelle Entwicklung – Rezession oder keine Rezession – lenkt derzeit von anderen wichtigen Themen und tickenden Zeitbomben ab. Dennoch dürfen Führungskräfte die Herausforderungen des Fachkräftemangels nicht aus den Augen verlieren. Bei der Befragung räumten die CEOs ein, dass ihr Wachstum aktuell stärker von den personellen Engpässen beeinflusst wird als von der unsicheren Wirtschaftslage. Die konkreten Auswirkungen sind beispielsweise:

  • Stellen können nicht besetzt werden,
  • Bewerbern fehlen die notwendigen Fachkenntnisse sowie
  • Engagement und Arbeitsmoral der Mitarbeiter sinken.

Unterdessen nehmen erfahrene Mitarbeiter – zum größten Teil alternde „Baby Boomer“ – ihr Wissen mit in den Ruhestand. Das Ergebnis: Der Wettbewerb um Fachkräfte wird in Zukunft ein dominanter Trend bleiben, selbst wenn sich die Konjunktur weiter abschwächen sollte. Smarte Unternehmen sollten ihre Personalstrategien bzgl. Recruitment, On-Boarding, Einstellung, Entgelt, Kultur und Bindung schnellstmöglich überdenken und umgestalten, um noch Wettbewerbsvorteile erzielen zu können.

2. Die Millennials sind heute die dominierende Generation

Millennials sind nicht nur die Mehrheitsgeneration am Arbeitsmarkt, sondern auch die treibende demografische Kohorte auf dem US-Markt, die dabei ist, die Generation X und die Baby Boomer in Bezug auf Kaufkraft, wirtschaftlichen Einfluss und politische Schlagkraft zu überholen. Die ältesten Millennials sind nun Mitte 30 und bewegen sich schnell vorwärts: sie heiraten, gründen Familien und Start-ups, kaufen Häuser, investieren für den Ruhestand und zahlen ihre lästigen Studentendarlehen ab. Millennials sind ethnisch vielfältig, aufgeschlossen und technisch versiert. Sie nabeln sich nicht nur vom Kabelfernsehen ab, sondern auch von Unternehmen, Marken und Arbeitsplätzen, die ihre Bedürfnisse nicht befriedigen. Die Millennials definieren sich auch 2019 durch häufige Arbeitsplatzwechsel, da sie stetig bessere Bezahlung und beruflichen Aufstieg anstreben.

3. Industrie 4.0 ist ein disruptiver Spielmacher

Digitale Disruptionen haben bereits viele Bereiche in der Industrie stark verändert, von Schulbuchverlagen über das Kabelfernsehen bis hin zur Werbebranche. Aber als Antriebskraft des Wandels steckt die vierte industrielle Revolution (auch Industrie 4.0 genannt) fast noch in den Kinderschuhen. Mit ihr konvergieren eine Reihe technologischer Innovationen, vom industriellen „Internet der Dinge“ über Virtual Reality bis hin zu Drohnen und künstlicher Intelligenz sowie zur Biotechnologie und darüber hinaus. Um von Industrie 4.0 zu profitieren, müssen Unternehmen und ihre Führungskräfte vorausdenken, ihre strategische Planung neu denken und die Art und Weise überarbeiten, wie sie Innovationskulturen schaffen. Andernfalls werden sie mit dem Fortschritt nicht mithalten können.

4. Im Zeitalter von Amazon und Co. werden Reaktionsfähigkeit und Kundenkomfort zu zentralen Erfolgsfaktoren

Amazons Same-Day-Lieferservice und sein auf künstlicher Intelligenz basierendes vorausschauendes Versandprogramm sind Beispiele für Echtzeit-Innovationen, die die Erwartungen der Verbraucher und B2B-Käufer branchenübergreifend verändern. Unternehmen, die in altbewährten Routinen verweilen, werden zunehmend ins Wanken geraten. Diejenigen aber, die diese treibende Kraft ernst nehmen und vorausdenken, werden zu den Gewinnern gehören. Unternehmen sollten dabei vor allem ihre zeitbasierten Annahmen in Frage stellen, so Robert B. Tucker. Daher die Empfehlung: streben Sie danach, Wartezeiten, Reibungsverluste, umständliche Formulare und Verfahren zu vermeiden, sei es online, im Geschäft oder in der Lieferdauer. Suchen Sie nach dem Amazon-Effekt, der immer mehr Branchen betrifft und seien Sie bereit, Ihr Unternehmen auch zu bahnbrechenden Fortschritten zu höherem Kundenkomfort zu führen, bevor es die Konkurrenz tut.

5. Künstliche Intelligenz hat die Phase der Anwendung erreicht

Jede Technologie durchläuft zuerst eine Entdeckungsphase und geht dann in die Anwendungsphase über. Artificial Intelligence (A.I.) kann im gesamten Unternehmen eingesetzt werden. Vorausschauende Unternehmen beginnen, routinemäßige Büroaufgaben, wie z.B. Buchhaltung oder Rechnungsstellung, zu automatisieren, um darauf aufbauend größere technologische Chancen zu nutzen.  Das führt nicht nur zu einer Verbesserung der Kundenzufriedenheit, sondern auch zur besseren Erkennung von Nachfragetrends. Die Automatisierung von Maschinen führt außerdem dazu, Kunden auf neue Weise bedienen zu können. Der Immobilienmakler Coldwell Banker experimentiert beispielswiese mit A.I., um bestimmte Zielgruppen wahrscheinlicher Käufer für eine bestimmte Immobilie anzusprechen.

6. Datensicherheit verstärkt den Rückgang des sozialen Misstrauens.

Wells-Fargo-Mitarbeiter haben unter dem Druck, die Verkaufsziele zu erreichen, zwei Millionen gefälschte Konten erstellt, unzulässige und unautorisierte Gebühren erhoben und Geld von den Konten der Kunden abgehoben. Eine Datenschutzverletzung bei Equifax führte zur Veröffentlichung sensibler persönlicher Daten von 143 Millionen Amerikanern. Volkswagen wurde wegen Betrugs bei den Emissionsanforderungen zu einer Geldstrafe von 30 Milliarden Dollar verurteilt. Es braucht keine besondere Vorstellungskraft, um zu verstehen, dass Vertrauen auch in Zukunft eine zentrale Rolle spielen wird. Dies wird dadurch verschärft, dass u.a. Millennials ganzen Branchen misstrauen und auf dieser Basis ihre Verbraucherentscheidungen treffen.

Quelle: https://www.innovationresource.com/six-driving-forces-change-will-shape-2019-beyond/

Übersetzung: Julia Grass, Haufe Online Redaktion / Deborah Nasca, EBS Universität für Wirtschaft und Recht

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