Gewerkschaften fordern mehr Engagement der Modebranche bei den Arbeits- und Menschenrechten in Betrieben ausländischer Zulieferer Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Mehr Verbraucher sehen genauer hin, wo ein Hemd oder eine Bluse hergestellt wurde. Indien, Bangladesch, Sri Lanka? Längst sind Arbeitsbedingungen in Schwellenländern, in denen internationale Modekonzerne häufig produzieren lassen, zum Politikum und auch zum Wettbewerbsfaktor geworden. Gewerkschaften, deutsche und die in den betroffenen Ländern, wurden aktiv, damit kein Gras über die Sensibilisierung durch Katastrophen wächst.

Gewerkschaften haben kürzlich ein Forderungspapier übergeben. Sie fordern, das Textilkonzerne, die im Ausland produzieren, mehr Engagement zeigen indem sie sich um die Arbeitsbedingungen vor Ort kümmern. 

Gewerkschafter fordern bessere Arbeitsbedingungen in der Modebranche        

Gewerkschafter aus Deutschland, Indien und Bangladesch fordern bessere Bedingungen für die Beschäftigten der Zulieferer. Eines der Unternehmen, an das diese Forderungen gehen, ist das schwedische Modeunternehmen H&M.

Das Unternehmen macht schon seit geraumer Zeit Werbung für sein nachhaltiges Handeln, allerdings wird davon in der Praxis noch zu wenig umgesetzt, so die Meinung der Gewerkschafter. Dabei hätte gerade Konzerne die Möglichkeit, bei den Zulieferern Druck auszuüben. 

Noch immer würden grundlegende Arbeits- und Menschenrechte missachtet

Immer noch würden - so das Gewerkschaftspapier - bei vielen Zulieferern von internationalen Modekonzernen grundlegende Arbeits- und Menschenrechte missachtet. So würden

  • Niedriglöhne bezahlt,
  • Arbeitskräfte willkürlich entlassen,
  • zu geringe Maßnahmen für die Arbeitssicherheit durchgeführt oder
  • Arbeiter bedroht, die Gewerkschaften gründen bzw. sich für bessere Arbeitsbedingungen einsetzen wollen.

Gewerkschafter übergeben Forderungspapier an Modeunternehmen

In Berlin haben Gewerkschafter ihre Forderung nun in schriftlicher Form der Geschäftsführung von H&M übergegeben.

Das Forderungspapier wird auch vom Verdi-Arbeitskreis Junge Mode und der Betriebsräteversammlung des schwedischen Unternehmens unterstützt.

Gewerkschafter von Verdi erklärten zudem, dass sie sich mit ihren Forderungen in Zukunft auch an andere Modeunternehmen wenden werden.

Hinweis:

Für echte Compliance muss ein Wertekatalog her. Dazu gehört, dass sich ein Unternehmen auch bei der Auswahl von Partnern und Lieferanten nicht blind stellt. Hier hilft ein CSR-Prozess mit einem stringenten Kontroll-Management.

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Hintergrund:

Immer mehr Initiativen, auch solche von Unternehmen, beschäftigen sich nach durch Katastrophen deutlich gewordenen Missständen und hellhöriger gewordenen Verbrauchern, verstärkt mit Arbeitsbedingungen bei ausländischen Lieferanten:

Mit „Supply-Chain–Management Systemen“ haben sich die Einzelhändler und Importeure bereits daran gemacht, die Nachhaltigkeitsperformance ihrer Lieferanten zu bewerten.

  • Zulieferer, die schlechte Ergebnisse erzielen, werden nicht einfach aussortiert, sondern es werden konkrete Maßnahmen zur Verbesserung, beispielsweise durch Schulungen, angeboten.
  • Zulieferer, die sich komplett verweigern, riskieren allerdings, aus der Lieferkette aussortiert zu werden.

Hierdurch wird indirekt Druck auf die Zulieferer ausgeübt, sich in die geforderten Nachhaltigkeitssysteme einzuordnen.

Geschäftsverbindungen nur mit integren Lieferanten

Compliance im Lieferanten-Management bedeutet, dass Geschäftsverbindungen nur mit integren Lieferanten eingegangen werden. Die Überprüfung der Lieferanten erfolgt nach den Gesichtspunkten

  • Versorgungssicherheit,
  • Wettbewerbsfähigkeit und
  • Integrität des Lieferanten(z.B. Zuverlässigkeit).

Das kann sichergestellt werden, durch Bildung eines Lieferantenpools, in dem

  • Lieferantenqualifizierung,
  • die Lieferantenleistung,
  • die Lieferantenbewertung
  • und die Lieferantenentwicklung

dokumentiert sind (beispielsweise durch Zertifikate und Unternehmensprofile).

Integrierter Compliance/CSR-Prozess 

Die Integration eines Compliance/CSR Prozesses bedarf klarer Vorgaben. In erster Linie ist auf den rechtlichen Grundlagen der jeweiligen Branche aufzubauen, wobei gegebenenfalls die rechtlichen Besonderheiten bei ausländischen Lieferanten zu berücksichtigen sind. Wichtig ist eine stringentes Kontoll-Management. Festgestellte Defizite sind möglichst unter Vereinbarung einer Fristsetzung abzustellen. Werden schwerwiegende Mängel nicht abgestellt, muss dies gegebenenfalls durch Ausgrenzung des entsprechenden Unternehmens aus dem Lieferanten-Pool sanktioniert werden.

Schlagworte zum Thema:  Soziale Verantwortung, Arbeitsbedingungen, Menschenrecht, Produktion

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