Gefährdungsbeurteilung für Bildschirmarbeitsplätze: Warum?

An Bildschirmarbeitsplätzen gibt es nicht die klassischen Unfälle wie man sie aus produzierenden Bereichen kennt. Die gemeinhin als risikolos eingeschätzte Arbeit am Bildschirmarbeitsplatz ist dennoch nicht frei von Unfall- und Gesundheitsgefahren. Daher ist die Gefährdungsbeurteilung hier genauso wichtig wie an anderen Arbeitsplätzen.

Der Arbeitgeber ist nach § 5 Arbeitsschutzgesetz verpflichtet, durch eine Beurteilung der für die Beschäftigten mit ihrer Arbeit verbundenen Gefährdungen zu ermitteln, welche Maßnahmen des Arbeitsschutzes erforderlich sind. Konkretisiert wird diese Forderung für Bildschirmarbeitsplätze in § 3 Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV).

Nutzen der Gefährdungsbeurteilung

Die Gefährdungsbeurteilung soll es dem Unternehmer erleichtern, Schwachstellen in seinem Unternehmen aufzuspüren, besonders an der Schnittstelle zwischen Mensch und Technik. Mit dem Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung lassen sich

  • Unfallgefahren reduzieren,
  • Gefährdungen abbauen, die Ursache von Berufskrankheiten sein können,
  • arbeitsbedingte Erkrankungen vermeiden,
  • Arbeitsabläufe optimieren,
  • Ausfallzeiten reduzieren,
  • Kosten senken und
  • die Qualität der Produkte sichern und verbessern.

Bildschirmarbeitsplätze: Welche Faktoren spielen eine Rolle?

Die Gefährdungsbeurteilung hat für Bildschirmarbeitsplätze eine zentrale Bedeutung. Nach § 3 ArbStättV müssen neben den bereits in § 5 Arbeitsschutzgesetz genannten Gefährdungen insbesondere 3 Faktoren ermittelt und beurteilt werden:

  • die mögliche Belastung der Augen,
  • die möglichen Gefahren für das Sehvermögen,
  • psychische Belastungen.

Nach § 5 Abs. 3 ArbSchG können sich Gefährdungen insbesondere ergeben durch:

  • die Gestaltung und die Einrichtung der Arbeitsstätte und des Arbeitsplatzes (z. B. fehlender Licht- und Blendschutz, Lärmpegel);
  • physikalische, chemische und biologische Einwirkungen (z. B. Belastung durch Tonerstaub, Ausdünstung von Teppichkleber, Staub bei Allergikern);
  • die Gestaltung, die Auswahl und den Einsatz von Arbeitsmitteln, v. a. von Arbeitsstoffen, Maschinen, Geräten und Anlagen sowie den Umgang damit (z. B. Notebooks ohne externen Bildschirm, Tastatur und Maus, nicht individuell anpassbarer Bürostuhl, zu kleiner/zu großer Tisch, keine ausreichende Unterweisung);
  • die Gestaltung von Arbeits- und Fertigungsverfahren, Arbeitsabläufen und Arbeitszeit sowie deren Zusammenwirken (z. B. Zeitdruck, gleichzeitiger Abgabetermin wiederkehrender Berichte);
  • unzureichende Qualifikation und Unterweisung der Beschäftigten (z. B. keine Softwareschulung bei Update, kein Stuhl- bzw. Bildschirmkompetenztraining.

Wann liegt überhaupt ein Bildschirmarbeitsplatz vor?

Es gibt immer wieder Diskussionen, ob ein Mitarbeiter an einem Bildschirmarbeitsplatz beschäftigt ist oder nicht. Grundsätzlich liegt ein Bildschirmarbeitsplatz vor, wenn die Beschäftigten gewöhnlich einen nicht unwesentlichen Teil ihrer normalen Arbeit an einem Bildschirmgerät erledigen. Eine genaue Abgrenzung ist mit dieser Definition jedoch nicht möglich. In der Praxis werden häufig folgende 3 Hauptkriterien für die Bewertung herangezogen:

  • die Nutzung des Bildschirmgerätes ist unerlässlich, um die Arbeit zu erledigen;
  • der Arbeitnehmer nutzt das Bildschirmgerät mindestens 1 bis 2 Stunden pro Arbeitstag, die Nutzungszeit wird aus den täglichen Anwendungen addiert;
  • der Arbeitnehmer muss für die Bildschirmtätigkeit besondere Kenntnisse haben.

Bildschirmarbeitsplätze: Wer führt die Gefährdungsbeurteilung durch?

Der Gesetzgeber hat dem Unternehmer ausdrücklich die Verantwortung dafür übergeben, die Arbeitsbedingungen zu beurteilen und zu dokumentieren. Der Unternehmer kann diese Aufgaben ganz oder teilweise delegieren. Er kann und soll jedoch auch weitere Personen einbeziehen:

  • betriebliche Führungskräfte (z. B. Meister),
  • Betriebsräte,
  • Fachkräfte für Arbeitssicherheit,
  • Betriebsarzt,
  • Sicherheitsbeauftragte,
  • Mitarbeiter.

Externe Arbeitsschutzexperten, wie z. B. Sicherheitsexperten, Angehörige der zuständigen Berufsgenossenschaft und staatlichen Behörden, können ergänzend zur Beratung eingesetzt werden.

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Dieser Text ist eine gekürzte Fassung des Fachartikels Warum muss auch bei Bildschirmarbeitsplätzen eine Gefährdungsbeurteilung durchgeführt werden?