Neue Herausforderungen für die Brandbekämpfung in Recyclinganlagen
Recyclinganlagen sind in zunehmendem Maße unverzichtbar, weil man mit ihnen wichtige Wertstoffe zurückzugewinnen und Energie erzeugen kann. In der Sortieranlage werden alle gemischten Wertstoffe manuell oder maschinell sortiert und in verschiedene Materialarten getrennt, bevor sie an anderer Stelle weiterverarbeitet werden. Die diversen Arbeitsprozesse und das weite Spektrum unterschiedlicher Technologien machen das Recycling anfällig für eine ganze Reihe von Brandrisiken.
Anstiegsursachen angeblich spekulativ
Aber warum haben die Brände in Recyclinganlagen, trotz allen technologischen Fortschritts, in den vergangenen Jahren sogar zugenommen? Laut einschlägigen Branchenversicherern wie der Hübener AG sind die Gründe hierfür bislang eher spekulativ, die Ursachen oft standortspezifisch. Generell geben die Versicherer zu bedenken, dass die Betriebe gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten weniger in Präventionsmaßnahmen, moderne Sicherheitstechnik und eine regelmäßige Wartung investieren. Ein Mangel an qualifiziertem und damit oft auch sicherheitstechnisch geschultem Personal käme hinzu.
Neue Risiken
Diese Einschätzung verwundert etwas, da an anderer Stelle die Versicherer, andere Experten sowie die Branchenbetriebe selbst eine Reihe von allgemeinen Faktoren nennen, die mit einiger Wahrscheinlichkeit zumindest teilweise verantwortlich für den Anstieg der Brände sein könnten. So wächst mit den wachsenden Mengen an recyclebaren Materialien auch die Herausforderung an die Recyclingunternehmen, immer komplexere Rohmaterialmischungen in ihre ursprünglichen Bestandteile zu zerlegen. Besonders kritisch sind falsch entsorgte Lithium-Ionen-Akkus von diversen Elektrogeräten, die es vor allem in der Häufigkeit noch vor zehn Jahren nicht gegeben hat. Bei Beschädigungen dieser Akkus durch beispielsweise bspw. Pressen und Stapeldruck bei der Lagerung können sich diese selbst entzünden und schwere explosionsartige Brände verursachen. Schließlich kann selbst der Klimawandel mitverantwortlich gemacht werden. Denn durch die zunehmende Trockenheit in den Frühlings- und Sommermonaten wird die in Papier, Karton, Holz und Kunststoff enthaltende Feuchtigkeit teils deutlich reduziert. Damit sinkt auch die Zündtemperatur dieser Stoffe und bereits ein Maschinenfunken kann einen Brand auslösen.
Bauliche Prävention
Aufgrund dieser neuen Risiken ist ein umfassendes Brandschutzkonzept von noch größerer Bedeutung als ohnehin schon. Kern der Brandprävention bei Recyclinganlagen sind die baulichen und anlagentechnischen Maßnahmen, die bereits weit im Vorfeld der Betriebseröffnung geplant werden müssen. Die Anforderungen für Bau und Anlagen sind in den Muster-Bauordnungen der Länder (LBO) aufgeführt. Eine grundlegende Forderung daraus ist beispielsweise bspw. die Bildung von Brandabschnitten. Betriebsgebäude sollten dabei in Abschnitten von nicht mehr als 40 Meter Breite Neue Herausforderungen für die Brandbekämpfung in Recyclinganlagen eingeteilt sein, die Größe dieser Lagerabschnitte ist abhängig vom gelagerten Material sowie dem Lagerort. Die Recyclingmaterialien selbst müssen in außen liegenden Halden oder separaten Hallen mit ausreichend Abstand zur Verarbeitungshallen gelagert werden. Die Verwendung von Bauteilen und Baustoffe darf nur sehr eingeschränkt erfolgen und müssen eine Feuerwiderstandsdauer haben, die von der DIN 4102 und DIN EN 13501 vorgegeben ist. Gebäudewände von Recyclingbetrieben müssen dabei mindestens die Feuerwiderstandsklasse F120 aufweisen, d. h. sie müssen 120 Minuten lang einem Brand ausgesetzt sein, ohne dabei ihre wesentlichen funktionalen Eigenschaften zu verlieren.
Anlagentechnische Maßnahmen
Bei den anlagentechnischen Anforderungen sind nach Angaben des Bundesverbands Technischer Brandschutz (bvfa) vor allem folgende Punkte relevant:
- Die Anlagen müssen über manuell oder per Fernsteuerung auszurichtende Löschmonitore (d. h. festmontierte, dreh- und schwenkbare Wasserwerfer) zur zielgerichteten Bekämpfung und Kontrolle der Zündquelle verfügen.
- Die Brandmeldeanlagen sind zur Detektion von Brandherden und zum automatischen Auslösen der Löschanlage notwendig.
- Die Betriebe müssen automatisch auslösende Sprinkler- oder Sprühwasserlöschanlagen in Gebäudebereichen sowie Objektlöschanlagen für verfahrenstechnische Einrichtungen, wie bspw. Wassernebel-Löschanlagen im Maschinenbereich, haben.
- Alle Verarbeitungsmaschinen müssen mit Funkenlöschanlagen ausgestattet sein.
- Flammenmelder sowie Sprühwasser- oder Feinsprüh-Löschanlagen müssen für die Agglomerier-Anlagen am Ende des Recyclingprozesses vorgesehen werden. Mit ihnen sollen Brände durch sich entzündende Hydraulik- und Thermoöle verhindert bzw. eingeschränkt werden.
- Spezielle Lösungen sind für die Bereiche der Betriebe anzuwenden, in denen besonders viele elektrische Anlagen konzentriert sind (Schaltanlagen, Serverräume etc.). Hier sollten beispielsweise Inertgas-Löschanlagen mit Argon bzw. Stickstoff oder Kohlendioxid-Löschanlagen eingebaut werden.
Organisatorische Maßnahmen
Auch die beste Sicherheitstechnik kann aber nicht alle Brandrisiken ausschließen, wenn die Betriebsprozesse und das Verhalten der Beschäftigten nicht so organisiert sind, dass alle vorhersehbaren Risiken ausgeschlossen werden können. Dies reicht vom Verbot von offenem Feuer auf dem kompletten Gelände, der systematischen Materialkontrollen bei der Anlieferung und vor der maschinellen Bearbeitung bis hin zu einer Lagerorganisation, bei der das Lagergut nach Brandgefährdung und Brandlast abwechselnd gelagert wird. Schließlich muss auch die vermeintlich sicherste Organisationsstruktur fortwährend und rund um die Uhr überprüft werden. Neben systematischen Kontrollgängen durch alle Bereiche während der Arbeitszeiten gehört dazu auch ein Wachdienst außerhalb der Betriebszeiten.
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