Von Wölfen und Giraffen
Gewaltfreie Kommunikation ist schon seit Jahrzehnten ein Thema in der Kommunikationswissenschaft. Aber auch wenn viele Theorien bekannt sind, sieht es in der Praxis meist anders aus.
Da Kommunikation viel mit Empfindungen und Bedürfnissen zusammenhängt, fällt ein sachlich formuliertes Gespräch oft schwer. Über Gefühle spricht man nicht gern, doch sie nicht zu äußern, erschwert das Verständnis füreinander.
„Giraffen“ tragen das Herz auf der Zunge - Konzept für eine gewaltfreie Kommunikation
Bei seinem Konzept der gewaltfreien Kommunikation spricht der Psychologe Rosenberg von zwei Sprachtypen, dem Wolf und der Giraffe. Die „Wolfssprache“ ist kämpferisch, angriffslustig, aggressiv. Sie ist gekennzeichnet durch Bewertungen, Kritik, Interpretationen, Anklagen, Vorwürfe, Forderungen, Drohungen und Schuldzuweisungen.
Die „Giraffensprache“ dagegen berücksichtigt die Gefühle und Bedürfnisse aller Beteiligten. Ziel ist es, diese in Einklang miteinander zu erfüllen. Giraffensprache hat Rosenberg sie übrigens genannt, weil die Giraffe das Landtier mit dem größten Herzen ist.
Vier Schritte der gewaltfreien Kommunikation
Die einzelnen Schritte der gewaltfreien Kommunikation lauten:
- Beobachten und beschreiben,
- Gefühle wahrnehmen und ausdrücken,
- Bedürfnisse formulieren,
- Bitten aussprechen.
Ein Beispiel aus dem Arbeitsalltag
Folgendes Beispiel im Artikel „Wolfssprache versus Giraffensprache“ in der Spezialausgabe Kommunikation der Unfallkasse Post und Telekom (UKPT) konkretisiert das Modell.
Ein Mitarbeiter fragt zum wiederholten Male nach einem freien Tag. Die Antwort der Führungskraft könnte – in „Giraffensprache“ – lauten:
- „In letzter Zeit brauchen Sie viele freie Tage. Ist irgendwas?“
- „Ich mache mir Sorgen um Sie.“
- „Ich benötige Sie morgen, weil ich übermorgen eine wichtige Besprechung habe und ich Sie bitten wollte, mir dafür etwas auszuarbeiten.“
- „Wie kriegen wir es hin, dass Sie mir die Unterlagen zusammenstellen und Sie Ihre Angelegenheiten regeln können?“
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