Rolle der Gefährdungsbeurteilung bei Zeit-, Leistungsdruck und Informationsflut
Höhere Belastung durch Veränderung der Arbeitswelt
Sowohl die Unternehmen als auch die Beschäftigten selbst stellen sich die Frage nach geeigneten Lösungsansätzen. Allen ist bewusst, dass sich die Arbeitswelt schon seit längerer Zeit im Wandel befindet, der sich in den letzten 3 Jahren durch die zunehmende Digitalisierung und Technisierung beschleunigt hat. Der Übergang zu neuen Arbeitsformen bietet für einen Teil der Beschäftigten Vorteile, wie z.B. eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf durch flexible Arbeitszeitgestaltung und Möglichkeiten wie Homeoffice oder dem aktuellen Hype Workation. Für Beschäftigte mit Anwesenheitspflicht am Arbeitsplatz, z.B. in Produktionsbereichen, in der Pflege oder im Handel, sind flexible Arbeitszeitlösungen nur bedingt möglich. In den Betrieben ist zu beobachten, dass Belastungssituationen zum einen durch die faktische Zunahme der Arbeitsintensität (hohe Quantität pro Zeiteinheit bei gleichzeitig hohen Qualitätsanforderungen) entstehen, zum anderen sehen sich insbesondere ältere Beschäftigte einem hohen Druck bei der Umstellung auf neue Arbeitsformen, hier in der Regel mit vermehrter digitaler Arbeit, ausgesetzt.
Was tun bei Zeit- und Leistungsdruck sowie Informationsflut?
So lautet der Titel einer BAuA-Veröffentlichung zu Gestaltungsmöglichkeiten für Betriebe (Schulz-Dadaczynski & Junghanns, 2023). Sie basiert auf einem laufenden Projekt der BAuA (Nr. F 2511) und hat zum Ziel, eine Handlungshilfe zur Auswahl und Umsetzung von Maßnahmen zu entwickeln und zu evaluieren. Vor der Umsetzung von Maßnahmen sollte jedoch eine Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen stehen, die nicht nur nach § 5 Arbeitsschutzgesetz verpflichtend durchzuführen ist, sondern vor allem im Zuge des Prozesses Erkenntnisse über die betriebliche Situation und mögliche Lösungsansätze liefert. Ergibt sich aus der Gefährdungsbeurteilung ein Handlungsbedarf, kann die oben genannte Handlungshilfe zur Lösungsfindung herangezogen werden.
Hinsichtlich der Art des Verfahrens empfiehlt es sich, nur solche Verfahren und Instrumente einzusetzen, die die neuen Arbeitsformen bereits berücksichtigen. Dazu gehören Befragungsinstrumente wie der FGBU von Dettmers & Krause (2020), MABO von Englisch (2018) oder MOLA der Unfallversicherung Bund und Bahn (2021). Darüber hinaus wird empfohlen, auch die Qualität und das Bewertungsverfahren der jeweiligen Instrumente zu prüfen. Wurde das Verfahren einer wissenschaftlichen Güteprüfung unterzogen, werden die Qualitätsgrundsätze der GDA beachtet und geben die Autoren eine Empfehlung zum Vorgehen bei der Bewertung und Festlegung von Grenzwerten, d.h. eine Einstufung, ob Handlungsbedarf besteht? Sind diese Anforderungen erfüllt, sollte eine erfolgreiche Durchführung der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen gelingen.
Anzeige
Gesundheitsexperte im Betrieb – Förderung der psychosozialen Gesundheit
Der Lehrgang qualifiziert die Teilnehmer, ein Konzept zur Förderung der psychosozialen Gesundheit in einem Unternehmen aufzubauen, in die Unternehmensstruktur zu implementieren und systematisch weiterzuentwickeln. Die Teilnehmer werden in die Lage versetzt, psychosoziale Belastungen in einem Unternehmen zu analysieren und darauf aufbauend Strategien zur Förderung der psychosozialen Gesundheit zu entwickeln und in der Praxis anzuwenden.
Weitere Informationen finden Sie hier.
-
Bildschirmbrille: Fragen und Antworten
1.532
-
Wiedereingliederung - was ist zu beachten?
8961
-
Arbeitsmedizinische Vorsorge: Pflicht oder freiwillig?
635
-
Arbeitsstättenverordnung: Wann ist ein Pausenraum Pflicht?
268
-
Was tun, wenn der Frosch nicht verschwinden will
197
-
Wenn ein Mitarbeiter nachts nicht mehr arbeiten darf
172
-
Drei-Schicht-System: Grundlagen, Funktionsweise und Arbeitsschutz
171
-
Weniger Sicherheitsbeauftragte: Neuer Schwellenwert beschlossen
159
-
Wie viele Schritte soll man am Tag gehen
1373
-
Gefahr durch Epoxidharz wird unterschätzt
125
-
Digitale Prävention: Vorausschauende Sicherheit mit KI und AR
27.04.2026
-
Was die Cannabis-Legalisierung brachte
20.04.2026
-
KI im Bauwesen und ihre Folgen für den Arbeitsschutz
16.04.2026
-
DGUV Regel 115-401: Neue Regeln für Büroarbeitsplätze
15.04.2026
-
Elektromagnetische Felder: DGUV Vorschrift 15 außer Kraft
14.04.2026
-
Muskuloskelettale Erkrankungen: Hauptursache für Fehlzeiten
13.04.2026
-
Aachener Modell: Gewaltprävention im Betrieb
09.04.2026
-
Quiet Cracking: Ursachen und was Führungskräfte tun
08.04.2026
-
Weniger Sicherheitsbeauftragte: Neuer Schwellenwert beschlossen
07.04.2026
-
Zeitarbeit im Wandel: Arbeitszufriedenheit und Risiken im Check
01.04.2026