Ergonomie-Management-Systeme: Wie Gesundheit zum Unternehmensziel wird
Zunehmend wird der Faktor Gesundheit für die Unternehmen, vor allem vor dem Hintergrund des demographischen Wandels und dem Mangel an Fachkräften, von einem „Nice to have“ zum integralen Bestandteil ihrer Wettbewerbs- und Produktivitätsstrategie. Daher haben sie erkannt, dass gesundheitliche Herausforderungen in allen Managementbereichen mitberücksichtigt werden müssen. Somit ist es nur eine logische Konsequenz, dass auch die Verantwortung für das Thema Ergonomie mehr und mehr auf die Unternehmensführungen übergeht.
Ergonomie-Management: Proaktiv anstatt reaktiv
Die ergonomische Arbeitssystemgestaltung wird proaktiv. Das Management reagiert nicht bloß auf Missstände und Fehlentwicklungen, sondern konzipiert bereits frühzeitig ergonomische Lösungen für das gesamte Unternehmen. Mit einer proaktiven Herangehensweise lassen sich ergonomische Probleme bei Neu- und Umplanungen von Arbeitsprozessen oder der Einführung neuer Maschinen und Anlagen bereits im Vorfeld weitgehend ausschließen.
Bei diesen Maßnahmen kann es sich beispielsweise um die genaue Einstellung von Maschinen und Anlagen handeln, bei denen die Dimensionen, Stückzahlen und Gewichte der in ihnen hergestellten Produkte so berechnet werden, dass die ergonomischen Belastungen für die daran arbeitenden Beschäftigten so gering wie möglich sind.
Eine proaktive Herangehensweise ist eine wesentlich kostengünstigere Lösung als nachträgliche, reaktive Verbesserungen – und das liegt naturgemäß im Interesse der Unternehmensleitungen.
Controlling-Instrumente im Ergonomie-Management
Ein wesentliches Merkmal der proaktiven und innovativen ergonomischen Arbeitssystemgestaltung ist die Implementierung eines eigenen Ergonomie-Controllings, was allerdings in Deutschland bislang nur bei sehr wenigen Firmen bereits konsequent umgesetzt wird. Beim Unternehmen Bosch Rexroth beispielsweise besteht das Controlling-System aus folgenden Bausteinen:
Ergonomie-Audits: Diese werden bei Bedarf durchgeführt, beispielsweise aufgrund von festgestellten Abweichungen von den vorgegebenen Standards.
Werksbezogener Masterplan: Masterpläne für einzelne Standorte haben ihren Schwerpunkt auf dem Produktivitätsmanagement. Allerdings beinhaltet sie auch Aspekte der ergonomischen Arbeitssystemgestaltung für die Bereiche Organisationsaufbau, Qualifikationsbedarfe sowie Zieldefinition der Aufgaben im Bereich der ergonomischen Arbeitssystemgestaltung. Die Zieldefinitionen werden auf Grundlage der Ergebnisse der der Ergonomie-Audits formuliert.
Ergonomie-Reporting: Ergebnisse der Audits werden jährlich an allen Standorten durchgeführt, um die korrekte und vollständige Umsetzung und Einhaltung der Unternehmensstandards zu überprüfen. Das Reporting der Ergebnisse erfolgt an die oberste Managementebene an den jeweiligen Standorten und an das Top-Management der Zentrale. An den deutschen Standorten gibt es darüber hinaus ein weiteres, mehrmals im Jahr stattfindendes Reporting an die oberste Managementebene in der Zentrale und den weiteren Standorten, dass in Folge der Umsetzung der neuen Arbeitsstättenverordnung eingerichtet wurde.
Ergonomie-Selbstbewertungsbogen: Mit diesem Instrument bewerten die einzelnen Standorte die ergonomische Situation in ihren Betrieben selbst, aber auf Grundlage der von der Zentrale definierten Handlungsfelder und Ziele. Es zeigt sich, dass dieses Verfahren ein einheitliches, standortübergreifendes Verständnis über notwendige Handlungsbedarfe am Standort fördert. Diese Handlungsbedarfe bilden die Basis, um in regelmäßigen Workshops den aktuellen Ist-Zustand im Unternehmen zu reflektieren und falls notwendig daraus Verbesserungsmaßnahmen abzuleiten. Der Umsetzungsstand wird nach einem Jahr von den Standorten erneut bewertet.
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