Psychische Belastung und Fehlbeanspruchung führen nicht nur zu Unwohlsein und Leid bei den einzelnen Betroffenen und ihren Familien. Übermäßige Stressbelastung wirkt sich auch negativ auf Unternehmen und die gesamte Gesellschaft aus:

  • hohe Fehlzeiten von Beschäftigten wegen psychischer Störungen;
  • finanzielle Verluste von Unternehmen durch Lohnfortzahlungen ohne den Gegenwert der Arbeitsleistung der Erkrankten;
  • erhöhte Belastung der anwesenden Belegschaft, da erkrankte Kolleginnen und Kollegen teilweise längerfristig vertreten werden müssen;
  • Produktionsausfälle mit entsprechenden Umsatzeinbußen;
  • höhere Fehlerquoten durch psychisch belastete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter;
  • höhere Fluktuation von Mitarbeitern, die die Arbeitsbedingungen als zu belastend empfinden und damit verbunden höhere Kosten für Rekrutierung und Einarbeitung neuer Mitarbeiter;
  • sinkende Motivation der verbleibenden Belegschaft wegen eigener Stressbelastung in Verbindung mit der Notwendigkeit, erkrankte Kolleginnen und Kollegen zu vertreten;
  • krankheitsbedingte Ausfälle auch von Führungskräften, die schwer zu vertreten oder zu ersetzen sind;
  • finanzielle Belastung der Krankenkassen wegen der Behandlungskosten für psychisch Erkrankte;
  • finanzielle Belastung der Krankenkassen wegen der Kosten für Krankengeld;
  • finanzielle Belastung der Rentenversicherungsträger durch vorzeitige Berentung psychisch Erkrankter.

Das Problem der steigenden psychischen Belastung am Arbeitsplatz betrifft nicht nur Deutschland, sondern auch andere europäische Länder:

Zitat

Psychosoziale Risiken und arbeitsbedingter Stress gehören, was Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz angeht, zu den größten Herausforderungen. Sie beeinträchtigen die Gesundheit des Einzelnen erheblich, wirken sich aber auch negativ auf die Unternehmen und Volkswirtschaften aus.

Rund die Hälfte der europäischen Arbeitnehmer ist der Meinung, an ihrem Arbeitsplatz sei Stress üblich und rund 50 Prozent der Fehltage sind auf Stress zurückzuführen. Wie viele andere seelische Gesundheitsprobleme wird auch Stress häufig missverstanden oder stigmatisiert. Betrachtet man psychosoziale Risiken und Stress jedoch als Problem auf der Ebene der Organisation, können sie genauso handhabbar sein wie alle anderen Gesundheits- und Sicherheitsrisiken am Arbeitsplatz.[1]

Stress ist das am zweithäufigsten genannte arbeitsbedingte Gesundheitsproblem in Europa, wie die Europäische Beobachtungsstelle für berufsbedingte Risiken erklärte. Rund 60 % aller Fehlzeiten sind auf psychosoziale Risiken zurückzuführen. Die Beobachtungsstelle geht von einer zunehmenden Zahl von Betroffenen aus. Damit ist berufsbedingter Stress eine der größten Herausforderungen für Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit in Europa.

In einer großen Studie zum Thema Stress gaben über 60 % der Befragten an, sich gestresst zu fühlen – dabei wurde allerdings nicht zwischen privatem und beruflichem Stress unterschieden. Fast ein Viertel der Studienteilnehmer gaben an, sich häufig gestresst zu fühlen. "Die Erwerbstätigkeit hat also ganz entscheidenden Einfluss auf das Stresserleben der Befragten. Daher verwundert es nicht, dass die Studie auch zeigt, dass diejenigen, die nicht erwerbstätig sind, einen deutlich geringeren Stresspegel haben. Nur 45 Prozent von ihnen sagen, dass sie manchmal oder häufig Stress haben, bei den Erwerbstätigen stehen drei Viertel unter hohem Druck."[2] Erschreckend ist auch, dass in dieser Stressstudie 61 % der Befragten sagten, sie hätten jetzt mehr Stress als vor 3 Jahren. Zumindest der von den Beschäftigten empfundene Stresspegel steigt also seit Jahren ungebremst weiter an.

Mehr als die Hälfte aller Fehltage ist auf nur 3 Diagnosegruppen zurückführen: An erster Stelle standen Rückenleiden und andere Muskel-Skelett-Erkrankungen. Sie verursachten 22 % aller Ausfallzeiten – bei Männern mit 329 Fehltagen je 100 Versicherte immer noch die Diagnose mit den längsten Fehlzeiten. Psychische Erkrankungen verursachten 17 % der Ausfalltage. Danach folgen in der Häufigkeit Atemwegserkrankungen – dahinter stecken häufig die saisonalen Erkältungs- und Grippewellen.

Viele Krankenkassen verzeichnen starke Anstiege bei den Arbeitsunfähigkeitszeiten wegen psychischer Störungen:

Zitat

Noch nie gab es wegen psychischer Erkrankungen so viele Ausfalltage im Job wie im Corona-Jahr 2020. Sie erreichten mit rund 265 Fehltagen je 100 Versicherten einen neuen Höchststand. Im Vergleich zu 2010 bedeutet dies eine Zunahme um 56 Prozent. (...) Ein psychischer Krankheitsfall dauerte 2020 durchschnittlich 39 Tage – so lang wie noch nie.[3]

Abb. 9: Höchststand bei Fehltagen wegen psychischer Erkrankungen[4]

Bei keiner anderen Diagnosegruppe gab es in den letzten Jahrzehnten einen so starken Anstieg bei den Krankheitsfällen und bei den Ausfallzeiten wie bei den psychischen Störungen. Die Statistiken aller Krankenkassen zeigen, dass die Arbeitsunfähigkeitsfälle wegen psychischen und Verhaltensstörungen seit Jahren deutlich stärker steigen als alle anderen K...

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