Verschiedene Studien belegen, dass die Ursache für die Entstehung einer Suchterkrankung zu etwa 50 % genetisch bedingt ist und zu etwa 50 % durch verschiedene äußere Faktoren ausgelöst wird.[1]Letztere können einschneidende Lebensereignisse wie Todesfälle, Scheidungen, finanzielle Einbrüche, aber auch berufliche Faktoren, wie: Konflikte am Arbeitsplatz, belastende Arbeitsbedingungen oder Arbeitsplatzverlust, sein.

Die Entwicklung in die Sucht verläuft schleichend und meist über viele Jahre, oft unbemerkt von Familie, sozialem Umfeld, Kolleginnen und Kollegen oder Führungskräften. Bei Menschen mit Alkoholproblemen vergehen durchschnittlich 10 Jahre von riskantem Konsum über Missbrauch, bis dann möglicherweise eine Abhängigkeit entsteht. Bei Opiat- und Kokainabhängigen ist diese Zeitspanne deutlich kürzer.

Beim Alkohol werden drei Phasen des problematischen Konsums unterschieden, die fließend ineinander übergehen können[2]:

A. Riskanter Konsum

Betroffene konsumieren so viel, dass sie zwar ihre Gesundheit langfristig gefährden, aktuell jedoch noch keine körperlichen oder psychischen Schädigungen erkennbar sind.

Im Fall von Alkohol spricht man von riskantem Konsum[3]

  • bei Männern ab einem täglichen Konsum von 24 g Reinalkohol, also z. B. 0,6 Liter Bier oder 0,25 Liter Wein,
  • bei Frauen ab einem täglichen Konsum von 12 g Reinalkohol, also z. B. 0,3 Liter Bier oder 0,15 Liter Wein.

Wer weniger konsumiert und nicht zu einer besonders gefährdeten Gruppe zählt (z. B. Schwangere, Menschen mit Epilepsie oder Leberschäden), betreibt risikoarmen Konsum.

Hinweis:
Einen risikolosen Konsum gibt es weder bei Alkohol noch bei anderen Suchtmitteln! Schon geringe Mengen eines Suchtmittels erhöhen nachweislich die Gefahr verschiedener Organerkrankungen.

B. Suchtmittelmissbrauch

Negative Auswirkungen des Konsums sind erkennbar (gesundheitliche und/oder soziale Probleme), aber die Kriterien für eine Abhängigkeit sind noch nicht erfüllt.

C. Abhängigkeit

Als abhängig sind Menschen zu bezeichnen, die sich durch ihren Konsum gesundheitlich und/oder sozial erheblich schaden. Sie wissen darum und können ihr Konsumverhalten dennoch nicht steuern.

Kennzeichen einer Abhängigkeit:
  • Es besteht ein unwiderstehlicher Drang nach dem Suchtmittel.
  • Andere Bedürfnisse und Verpflichtungen treten hinter diesem Drang zurück.
  • Mittel- bis langfristig entstehen gesundheitliche, berufliche und/oder soziale Probleme.
  • Einige Substanzen (insbesondere Alkohol, Benzodiazepine, Opiate) können körperliche Entzugssymptome verursachen: Typischerweise sind das Schwitzen, Zittern, Schmerzen, Herzrasen, starke Blutdruckschwankungen, oft verbunden mit Angstzuständen und Schlafstörungen.
  • Komplikationen können auch ein Delir[4]und/oder epileptische Krampfanfälle sein.
[1] Prescott, C.A. & Kendler, K.S. (1999). Genetic and enviromental contributions to alcohol abuse and dependence in a population-based sample of male twins. American journal of Psychiatry, 156 (1), 34-40.
[2] Nach dem internationalen Diagnose-Manual ICD 10 .
[3] Seitz, H. & Bühringer, G. (2010). Empfehlungen des wissenschaftlichen Kuratoriums der DHS zu Grenzwerten für den Konsum alkoholischer Getränke. Verfügbar unter: https://www.dhs.de/fileadmin/user_upload/pdf/dhs_stellungnahmen/Grenzwerte_Alkoholkonsum_Jul10.pdf [05.09.2019].
[4] Delir (oder Delirium): Bewusstseinsstörung mit Desorientiertheit und wahnhaften Vorstellungen und Ängsten.

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