In diesem Kapitel werden zunächst verschiedene Methoden für die Diagnosephase unter besonderer Berücksichtigung der Methode "Fragebogen" vorgestellt. Dabei werden Vor- und Nachteile von Fragebögen diskutiert. Im Mittelpunkt steht die Frage nach den Güte- und Qualitätskriterien.

Folgende Instrumente werden in Schulentwicklungsprozessen verwendet:

  • Interviews
  • Fragebögen
  • Beobachtungen
  • Analyse sekundärer Daten, z. B. von Fehltagen
  • Diagnose-Workshops: Moderationsmethode, SWOT-Methode
  • Checklisten/Strukturierungshilfen, z. B. Kraftfeldanalyse, Fischgrätdiagramm: Strukturierung und Visualisierung von Ursachen
  • Metaphorische Aktionen: Gestalterischer Zugang zur Diagnose durch bildhafte Vorstellungen

Eine Übersicht über diese Instrumente mit Kopiervorlagen finden Sie im "Manual Schulentwicklung" (Rolff, Buhren, Lindau-Bank & Müller, 2011).

In den meisten Projekten zur Gesundheitsförderung an Schulen wurden bislang Methoden in der Diagnosephase angewandt, die den Methoden "Diagnose-Workshops", "Checklisten" oder "metaphorische Aktionen" ähneln. Diese Methoden bewegen sich zumeist im Themenbereich der Moderation, die an einem pädagogischen Tag durchgeführt wird. Es handelt sich um Methoden, die von den Schulen selbst angewendet und ausgewertet werden können. Ihr Schwerpunkt liegt auf der Selbstevaluation.

Tipp
Ideen und Vorlagen für unterschiedliche Diagnosemethoden finden Sie unter www.handbuch-lehrergesundheit.de.

Im Folgenden geht es um Fragebögen als standardisierte Instrumente zur Erfassung psychischer Belastung.

Schulen, die auf dem Weg zur Gesundheitsförderung mit einer umfassenden Diagnose beginnen wollen, haben es nicht leicht. Es gibt derzeit nur sehr wenige Instrumentarien, die für den Lehrerberuf geeignet sind und eine umfassende Analyse des gesundheitlichen Ist-Standes eines Kollegiums unter Einbeziehung der Arbeitsbedingungen erlauben (ein positives Beispiel ist das Instrument IQES, www.iqesonline.net).

Ein Teil der Instrumente, wie sie etwa von den jeweiligen Kultusministerien oder aus Forschungsprojekten zur Verfügung stehen, ist nicht wissenschaftlich geprüft (Validität). Es handelt sich um Fragen, die aus der Schulpraxis heraus oder aus konkreten kleineren Forschungsanliegen entwickelt wurden. Sie entsprechen nicht immer den Gütekriterien an Instrumente zur Erfassung psychischer oder psychosozialer Belastung.

Information "Gütekriterien"

Wissenschaftliche Messmethoden müssen bestimmten Gütekriterien bzw. Qualitätskriterien genügen. Dabei geht es vor allem um die Frage, ob aufgrund des Ergebnisses eine (abgesicherte) Entscheidung getroffen werden kann.

Im Allgemeinen kann zwischen Hauptgütekriterien und Nebengütekriterien eines Test- oder Diagnoseverfahrens differenziert werden. Bei den Hauptgütekriterien unterscheidet man zwischen der Objektivität, der Reliabilität und der Validität.

  • Die Objektivität bezeichnet das Ausmaß, in dem ein Testergebnis in Durchführung, Auswertung und Interpretation von der Untersuchungsleiterin bzw. vom Untersuchungsleiter nicht beeinflusst werden kann und somit unabhängig von der Testleiterin bzw. vom Testleiter ist.
  • Die Reliabilität gibt den Grad der Zuverlässigkeit bzw. der Genauigkeit einer Messmethode an. Ein Test wird dann als reliabel bezeichnet, wenn es bei einer Wiederholung der Messung unter denselben Bedingungen und an denselben Gegenständen zu gleichen Ergebnissen kommt.
  • Die Validität gibt den Grad der Genauigkeit an, mit dem ein Testverfahren das misst, was es zu messen vorgibt.
  • Bei den Nebengütekriterien wird zwischen der Ökonomie (Wirtschaftlichkeit), der Nützlichkeit, der Normierung und der Vergleichbarkeit eines Messverfahrens unterschieden.
  • Ein weiteres Kriterium ist die Fairness: Haben alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Chance auf ein faires Ergebnis oder werden bestimmte Gruppen ausgeschlossen bzw. benachteiligt?

In einigen Leitfäden oder Empfehlungen zur Schulqualitätsentwicklung, Selbstevaluation und Schulgesundheit wird empfohlen, Fragebögen durch Schulen selbst entwickeln zu lassen. Das erhöht auf der einen Seite die Selbstbeteiligung und Veränderungsbereitschaft des Kollegiums. Auf der anderen Seite ist ein solches Vorgehen problematisch, weil es in der Regel nicht theoriegeleitet und mit wissenschaftlich geprüften Instrumenten arbeitet. Auch sind Schulen häufig überfordert und bringen weder das notwendige Expertenwissen noch die Zeit mit, um Fragebögen zu entwickeln. Zwar gibt es bereits erprobte Web-Tools wie Grafstat (www.grafstat.de), die Schulen die Erstellung und Auswertung von eigenen Fragen erleichtern. Zudem gibt es bereits erprobte Instrumente, auf die Schulen zurückgreifen können (vgl. die Aufstellung unter www.handbuch-lehrergesundheit.de). Da es aufwändig ist, das gesamte Kollegium zu einer Befragung zu motivieren und von der Qualität der Ergebnisse viel abhängt, sollte zuvor intensiv über die Auswahl der Instrumente nachgedacht werden. Sonst bringt die Diagnosephase nicht die Ergebnisse, die Impulsgeber für die Interventionsphase sein solle...

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