Dachdecker (Professiogramm) / 6 Aufgaben des Betriebsarztes
  • Mitwirkung bei der Analyse und Beurteilung von Unfällen und arbeitsbedingten Erkrankungen und Empfehlungen zur Arbeitsorganisation sowie zur Anwendung der PSA,
  • Beratung zu Einsatz und Eigenschaften der typischen Arbeits- bzw. Gefahrstoffe bezüglich ihres Einflusses auf Befinden und Gesundheit,
  • Hinweise zum Anlegen eines Gefahrstoffverzeichnisses unter Einbeziehung der Sicherheitsdatenblätter,
  • Hilfestellung bei der Einstufung der Tätigkeit nach Schutzstufen (z. B. Schutzstufe 1: geringe Gefährdung bis Schutzstufe 4: besondere Gefährdung/krebserzeugende Wirkung),
  • Beratung zur Erstellung eines Hautschutz- und Hygieneplans,
  • Beratung zu Erste-Hilfe-Maßnahmen und zur Ausstattung mit Erste-Hilfe-Material,
  • Durchführung Arbeitsmedizinischer Vorsorge entsprechend der Gefährdungs- und Belastungsanalyse: Für die genannten Tätigkeiten bei Arbeiten im Dachdecker-Handwerk kommt auf Verlangen des Arbeitgebers folgende Pflicht- bzw. Angebotsvorsorge nach ArbMedVV in Abhängigkeit von der Belastung infrage:[1]
 
Wichtig

Pflicht- und Angebotsvorsorge nach ArbMedVV unter Einbeziehung der DGUV Grundsätze für arbeitsmedizinische Anamnese, Untersuchung und Beratung

  • G 1.1 "Silikogener Staub": Belastung durch quarzhaltigen Staub beim Schleifen, Trennen von Bimsstein, Kieselschiefer, Schamotte;
  • G 1.2 "Asbesthaltiger Staub": bei Abbruch-, Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten zu entsorgende asbesthaltige Baustoffe;
  • G 1.4 "Staubbelastung": teilweise hohe Staubimmission bei Reinigungsarbeiten;
  • G 4 "Gefahrstoffe, die Hautkrebs oder zur Krebsbildung neigende Hautveränderungen hervorrufen": Dauerhafte Bitumenabdichtungen beim Decken von Flachdächern;
  • G 20 "Lärm": Lärmbelastung (teilweise impulshaltiger Lärm) durch Trennschleifer, Schlagbohrmaschinen beim Decken von Dächern bzw. bei Rückbau-Arbeiten;
  • G 23 "Obstruktive Atemwegerkrankungen": allergische Reaktionen der Atemwege durch isocyanathaltige Produkte (z. B. Polyurethanschäume, Kleb- und Anstrichstoffe;
  • G 23 "Obstruktive Atemwegserkrankungen, hier: Beeinträchtigung durch chemisch-irritativ oder toxisch wirkende Dämpfe (z. B. von Bitumen als Bindemittel zum Vergießen von Fugen beim Decken von Flachdächern sowie durch darin enthaltene gesundheitsschädigende Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (Krebsgefahr)";
  • G 24 "Hauterkrankungen": Gefahr von Hautschädigungen durch UV-Strahleneinwirkung sowie allergische Hautreaktionen durch chemische Einwirkungen von PAK, Epoxidharzen (Kleber), Bitumen und Lösemitteln;
  • G 26 "Atemschutzgeräte": Beeinträchtigung durch das Tragen von Atemschutzgeräten beim Streichen von Klebern und Anstrichstoffen;
  • G 46 "Belastungen des Muskel-Skelett-Systems einschließlich Vibrationen": Überbeanspruchung des Stütz- und Bewegungsapparates, insbesondere der Bandscheiben beim Heben und Tragen von Lasten teilweise unter extremen Körperhaltungen;
  • Gefahr einer Erkrankung an Hautkrebs durch UV-Strahlung.

Darüber hinaus kann sich bei weiteren Tätigkeiten über den Anhang der ArbMedVV hinaus Wunschvorsorge ergeben.

Weiterhin ist es bei Vorliegen der entsprechenden arbeitsrechtlichen Grundlagen bzw. nach Vereinbarung mit dem Unternehmen zweckmäßig, folgende Eignungsuntersuchungen zu veranlassen:

  • G 25 "Fahr-, Steuer- und Überwachungstätigkeiten": Beeinträchtigung des Seh- und Hörvermögens beim Führen von Kraftfahrzeugen zu und von den Baustellen (Fahrerlaubnisverordnung – Eignungsuntersuchung);
  • G 41 "Arbeiten mit Absturzgefahr": Gefahr des Abstürzens beim Arbeiten auf Gerüsten und Dächern (Eignungsuntersuchung).

Die ausgewiesenen Eignungsuntersuchungen (kursiv) werden über die "Fürsorgepflicht" des Auftraggebers in Arbeitsverträgen bzw. Betriebsvereinbarungen gesondert geregelt.

[1] DGUV Grundsätze für Arbeitsmedizinische Untersuchungen, 6. Aufl., Gentner Verlag, Stuttgart 2014.

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