Nachhaltige Lieferketten 2026: Fünf Trends, die Sie kennen sollten
Globale Lieferketten stehen unter Dauerstress: geopolitische Spannungen, volatile Märkte, Klimarisiken und wachsende regulatorische Anforderungen treffen auf knappe Budgets und steigenden Effizienzdruck. Nachhaltigkeit ist dabei kein Randthema mehr – sie entwickelt sich zum strategischen Hebel für Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit und bestimmt zunehmend über den Zugang zu wichtigen Märkten. Ein Blick auf die zentralen Entwicklungen zeigt, welche Trends Unternehmen 2026 besonders im Blick behalten sollten.
Regulatorik: Unterschiedliche Entwicklungen, ähnliche Richtung
Auch wenn sich globale Nachhaltigkeitsregulierungen in ihrer Ausgestaltung unterscheiden, bewegen sie sich im Grunde in eine gemeinsame Richtung – hin zu mehr Transparenz und Verantwortung, stärkere Rückverfolgbarkeit und robuste Sorgfaltsprozesse entlang der Lieferkette. In Europa prägen CSDDD, EUDR, CSRD, CBAM und neue Vorgaben zur Produktnachhaltigkeit die Agenda. In den USA setzen Gesetze wie der Uyghur Forced Labor Prevention Act (UFLPA) sowie klimabezogene Berichtspflichten auf Bundesstaatenebene Akzente. Parallel orientieren sich immer mehr Länder an den internationalen ISSB-Standards – auch abseits der Industrienationen. Für Unternehmen bedeutet das: komplexe Anforderungen müssen harmonisiert umgesetzt, Daten systematisch erhoben und Prozesse skaliert werden.
Trend 1: Resilienz neu gedacht – Nachhaltigkeit als strategische Stärke
Die langfristige Integration von Nachhaltigkeitsprinzipien in Strategie, Risikomanagement und operative Prozesse fördert die Resilienz – das unterstreicht auch das Weltwirtschaftsforum (WEF). Durch robustere Lieferketten, effektive Risikominderung, intensive Zusammenarbeit mit Lieferanten, Innovationsimpulse und eine verbesserte operative Anpassungsfähigkeit wird Nachhaltigkeit immer mehr zu einem Grundpfeiler resilienter Geschäftsmodelle. Führende Unternehmen verknüpfen deshalb Umwelt-, Sozial- und Governance-Kennzahlen gezielt mit klassischen Risikokriterien und schaffen so bessere Entscheidungsgrundlagen, gerade für ein zukunftsgerichtetes Lieferkettenmanagement.
Trend 2: KI-Agenten – vom Analyse-Tool zum aktiven Gestalter
Die Künstliche Intelligenz (KI) entwickelt sich rasant weiter. Besonders KI-Agenten markieren einen Wendepunkt: Sie können Daten nicht nur analysieren, sondern autonom handeln, Prioritäten setzen und Prozesse steuern. In Lieferketten unterstützen sie beispielsweise beim kontinuierlichen Lieferantenmonitoring, beim Erkennen regulatorischer Risiken oder bei der Optimierung einer CO₂-armen Beschaffung. Einige Unternehmen experimentieren bereits mit der Technologie. Voraussetzung für die erfolgreiche Umsetzung sind klare Zieldefinitionen, eine solide Datenbasis, vernetzte Systeme und robuste Governance-Strukturen.
Trend 3: Wirkungsmessung – Nachhaltigkeit messbar machen
Unternehmen stehen zunehmend unter Druck, den konkreten Mehrwert ihrer Nachhaltigkeitsmaßnahmen zu belegen, zum Beispiel im Hinblick auf die Risikominderung, Effizienzgewinne oder Kosteneinsparungen – aber auch im Rahmen eines härteren Vorgehens gegen Greenwashing. Die Wirkungsmessung macht Nachhaltigkeit vergleichbar, steuerbar und strategisch nutzbar. In der Praxis scheitert sie jedoch häufig an fehlenden Daten, der schwierigen Zuordnung von Effekten und mangelnder finanzieller Einordnung. Erfolgreiche Unternehmen verankern die Wirkungsmessung deshalb systematisch in ihren Lieferkettenprozessen, mit klaren KPIs, integrierten Daten und funktionsübergreifender Zusammenarbeit.
Trend 4: Produktbezogene Transparenz – vom Nice-to-have zum Standard
Produktbezogene Nachhaltigkeit und Rückverfolgbarkeit rücken zunehmend in den Fokus von Gesetzgebern und Stakeholdern. Digitale Produktpässe, Materialflussanalysen und produktbasierte Emissionsdaten werden nicht nur regulatorisch gefordert, sondern gewinnen auch strategisch an Bedeutung. Sie ermöglichen belastbare Produktaussagen, sichern den Marktzugang und eröffnen neue Potenziale für Kreislaufwirtschaft, Innovation und Differenzierung. Eine zentrale Rolle spielen dabei die Lieferanten, die häufig gezielt bei der Datenerhebung, der Nutzung digitaler Lösungen und dem Aufbau entsprechender Kompetenzen unterstützt werden müssen.
Trend 5: Lieferanten stärken – Kompetenzaufbau als Erfolgsfaktor
Keine Strategie, Technologie oder Regulierung entfaltet die angestrebte Nachhaltigkeitswirkung, wenn Lieferanten nicht über das nötige Wissen, die richtigen Werkzeuge und passenden Rahmenbedingungen verfügen. Statt reiner Kontrolle setzen deshalb immer mehr Unternehmen auf eine gezielte Lieferantenentwicklung und den Aufbau strategischer Partnerschaften – durch Schulungen, gemeinsame KPIs, Anreize und digitale Unterstützung. Ziel ist es, die Datenqualität zu verbessern, Risiken zu reduzieren und nachhaltige Leistungsfähigkeit entlang komplexer Lieferketten zu verankern. Zudem tragen Lieferanten entscheidend dazu bei, aktuelle Herausforderungen zu bewältigen, sei es beim Aufbau resilienter Geschäftsmodelle oder bei der Bereitstellung von Daten für KI-Modelle, Wirkungsmessung und Produktrückverfolgbarkeit.
Fazit: Jetzt die Weichen für die Zukunft stellen
Die beschriebenen Trends zeigen: Nachhaltige Lieferketten entstehen durch das Zusammenspiel von Regulierung, Technologie, Transparenz und Zusammenarbeit. Unternehmen, die frühzeitig investieren, schaffen nicht nur regulatorische Sicherheit, sondern sichern sich auch strategische und operative Wettbewerbsvorteile.
Dieser Text ist ein Auszug aus dem White Paper „ Nachhaltige Lieferketten 2026 – Die wichtigsten Trends für Unternehmen“ von IntegrityNext. Darin erhalten Sie noch tiefere Einblicke sowie konkrete Handlungsempfehlungen und Beispiele, um aktuellen sowie künftigen Herausforderungen wirksam zu begegnen.
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