Coronavirus: Werbungskostenabzug für Home Office

Aufgrund der Coronavirus-Krise müssen viele Arbeitnehmer von zu Hause arbeiten. Ein anderer Arbeitsplatz steht aus Gründen des Infektionsschutzes nicht zur Verfügung. Begründen sie deshalb automatisch ein häusliches Arbeitszimmer, für das die Aufwendungen unbegrenzt abziehbar sind? 

Abzug von Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer

Ein Vollabzug der Kosten ist nur möglich, wenn es sich bei dem häuslichen Arbeitszimmer um den Mittelpunkt der Tätigkeit handelt (§ 4 Abs. 5 Nr. 6b Satz 3 2.Halbsatz EStG). Ein häusliches Arbeitszimmer ist der Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung des Steuerpflichtigen, wenn nach Würdigung des Gesamtbildes der Verhältnisse und der Tätigkeitsmerkmale dort diejenigen Handlungen vorgenommen und Leistungen erbracht werden, die für die konkret ausgeübte betriebliche oder berufliche Tätigkeit wesentlich und prägend sind. In normalen Zeiten haben die meisten Arbeitnehmer den Mittelpunkt ihrer Tätigkeit in der Firma bzw. vielfach im dort zur Verfügung stehenden Büro. Das ist derzeit aber anders - viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten ganz oder teilweise im Home Office.

Kein anderer Arbeitsplatz

Werden Mitarbeiter ausschließlich am Heimarbeitsplatz tätig und steht ihnen im Büro des Arbeitgebers auch kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung, befindet sich hier der Mittelpunkt der betrieblichen/beruflichen Tätigkeit. Die Kosten für das Arbeitszimmer sind voll abzugsfähig. Werden Mitarbeiter qualitativ in gleicher Weise im häuslichen Arbeitszimmer und im Büro des Arbeitgebers tätig, ist die zeitliche Komponente ausschlaggebend. Verbringt der Betroffene die überwiegende Arbeitszeit (im Regelfall also ab 3 von 5 Arbeitstagen pro Woche) im häuslichen Arbeitszimmer, befindet sich dort der Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit und die Kosten sind voll abzugsfähig. Darauf, dass der/die Mitarbeiter/-in auch einen anderen Arbeitsplatz im Büro des Arbeitgebers hat, kommt es in diesem Fall nicht an.

Quantitative Beurteilung

Bei ein bis zwei Tagen Home Office wird der Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin quantitativ überwiegend im Büro des Arbeitgebers tätig. Befindet sich der Mittelpunkt der Tätigkeit außerhalb des häuslichen Arbeitszimmers, kommt höchstens ein Abzug bis zu 1.250 EUR in Betracht, wenn dem Mitarbeiter oder der Mitarbeiterin – zumindest an den betroffenen Tagen kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht (§ 4 Abs. 5 Nr. 6b Satz 2 und Satz 3 1. Halbsatz EStG). Diese Voraussetzung ist derzeit in vielen Fällen erfüllt, weil der Arbeitsplatz beim Arbeitgeber aus Gründen des Infektionsschutzes nicht zur Verfügung steht oder die Einrichtungen des Arbeitgebers aufgrund behördlicher Anweisung geschlossen sind.

Coronavirus: Aufwendungen in voller Höhe für begrenzten Zeitraum

Wir alle hoffen, dass die derzeitige Situation nur ein vorübergehender Ausnahmezustand ist. Hinsichtlich der Abzugsmöglichkeiten für das häusliche Arbeitszimmer bedeutet das aber u.U. eine nicht ganzjährige Nutzung. Ändern sich die Nutzungsverhältnisse innerhalb eines Wirtschafts- oder Kalenderjahres, können nur die auf den Zeitraum, in dem das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung bildet, entfallenden Aufwendungen in voller Höhe abgezogen werden. Für den übrigen Zeitraum kommt ein beschränkter Abzug nur in Betracht, wenn für die betriebliche oder berufliche Betätigung kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Der Höchstbetrag von 1.250 EUR ist aber auch bei nicht ganzjähriger Nutzung eines häuslichen Arbeitszimmers in voller Höhe zum Abzug zuzulassen (BMF, Schreiben v. 6.10.2017, IV C 6 - S 2145/07/10002 :019, Rz. 22). Die Grenze kann also beispielsweise auch mit den Kosten für nur zwei oder drei Monate voll ausgeschöpft werden.

Bürokostenzuschuss des Arbeitgebers

Bei einem vom Arbeitgeber an die Mitarbeiter gezahlten Bürokostenzuschuss für das Home Office handelt es sich grundsätzlich um steuerpflichtigen Arbeitslohn. Die Anerkennung eines Mietverhältnisses setzt voraus, dass das Home Office vorrangig im betrieblichen Interesse des Arbeitgebers genutzt wird. Das ist in normalen Zeiten schwierig, weil die Verwaltung hohe Anforderungen stellt (BMF, Schreiben v. 18.4.2019, IV C 1 - S 2211/16/10003 :005). Die könnten aber jetzt aber vermehrt erfüllt sein, u.a. weil für den Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin im Unternehmen kein geeigneter Arbeitsplatz mehr vorhanden ist. Erkennt die Verwaltung das Mietverhältnis an, erzielt der Mitarbeiter Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung. Die Mietzahlungen muss er zwar versteuern, kann aber im Gegenzug alle Ausgaben abziehen. Beschränkungen gibt es in diesem Fall nicht.

Tipp: Online-Seminar "Home Office zur (Neu-)Organisation Ihrer Kanzlei nutzen" am 26.3.2020

Durch die mit dem Coronavirus verbundenen Maßnahmen ist das Arbeiten von zuhause spätestens jetzt in jeder Steuerkanzlei ein Thema. Hierfür erhalten Sie praktische Tipps und Empfehlungen für einfache Tools.

Weitere Informationen und Anmeldung