Beitragseinnahmen von Fitnessstudios während Corona-Schließung

Die Umsätze bei Lieferungen und sonstigen Leistungen werden nach dem Entgelt bemessen. Entgelt ist alles, was den Wert der Gegenleistung bildet. Es stellt sich die Frage, ob ein Fitnessstudiobetreiber während der Schließung infolge der Corona-Maßnahmen Umsatzsteuer für die gezahlten Beiträge abführen muss.

Die Lieferungen und sonstigen Leistungen, die ein Unternehmen im Inland gegen Entgelt im Rahmen seines Unternehmens ausführt unterliegen der deutschen Umsatzsteuer. Der Umsatz wird nach dem Entgelt bemessen, was den Wert der Gegenleistung bildet (§ 1 Abs. 1 Nr. 1 Satz 1 i.V.m. § 10 Abs. 1 UStG).

Beispiel: Fitnessstudio

Der Unternehmer A betreibt seit Jahren in B ein Fitnessstudio. Der monatliche Beitrag wird vom Konto der Kunden abgebucht. Seit dem November 2020 musste A das Fitnessstudio zum zweiten Mal aufgrund der Corona-Krise schließen. Vertraglich wurde festgelegt, dass der Kunde keinen Anspruch auf Beitragserstattung hat, wenn dem Studio aus Gründen, die es nicht zu vertreten hat (höhere Gewalt) unmöglich macht Leistungen zu erbringen.

Fehlender Leistungsaustausch

Eine Lieferung oder sonstige Leistung, die ein Unternehmer im Inland gegen Entgelt im Rahmen seines Unternehmens ausführt, unterliegt nach § 1 Abs. 1 Nr. 1 Satz 1 UStG der Umsatzsteuer. Ein Leistungsaustausch setzt voraus, dass Leistender und Leistungsempfänger vorhanden sind und der Leistung eine Gegenleistung gegenübersteht. Die Gegenleistung wird im Sinne des § 10 UStG nach dem Entgelt bemessen. Im Falle der fortwährenden Bezahlung während der coronabedingten Schließzeiten konnte der Fitnessstudiobetreiber seinen Kunden keine Leistungen gewähren.

Ein steuerbarer Umsatz liegt allerdings nur dann vor, wenn zwischen der erbrachten Leistung und dem erhaltenen Gegenwert ein unmittelbarer und wechselseitiger Zusammenhang besteht. Die gezahlten monatlichen Beiträge stellen die tatsächliche Gegenleistung für eine bestimmbare Leistung dar, die im Rahmen eines Rechtsverhältnisses, in dem gegenseitige Leistungen ausgetauscht werden, vereinbart wurden. Da die Zahlung an den Fitnessstudiobetreiber eine Art Entschädigung darstellt und kein Entgelt, sind diese Beiträge kein Bestandteil der Bemessungsgrundlage für die Umsatzsteuer. Die Umsatzsteuer auf Vergütungen, für nicht erbrachte Leistungen, darf nicht verlangt werden.

Beitragszahlung als Gutschein oder Anzahlung für die Zukunft

Wurde mit dem Fitnessstudiobetreiber zu Beginn der coronabedingten Schließzeiten vereinbart, dass eine Beitragsfortzahlung zu einer taggenauen Zeitgutschrift führt, die eine Verlängerung des abgeschlossenen Dauervertrages zur Folge hat oder dass bei Beitragsfortzahlung ein Gutschein entsprechend dem ursprünglich gebuchten Leistungsumfang für eine beitragsfreie Zeit, die der Dauer der Schließzeit entspricht, ausgestellt wird handelt es sich um eine umsatzsteuerpflichtige Anzahlung. Eine Änderung der Bemessungsgrundlage ist nur unter der Voraussetzung des § 17 Abs. 2 Nr. 2 UStG i. V. m. Abschn. 17.1 Abs. 7 UStAE - nämlich der Beitragsrückzahlung - möglich.

Praxis-Tipp

Für die Monate, in denen das Fitnessstudio aufgrund der Corona-Krise geschlossen wurde können die Umsatzsteuervoranmeldungen korrigiert werden. Die Umsatzsteuer ist für die betreffenden Beiträge nicht an das Finanzamt abzuführen.

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