17.01.2014 | Rücktritt bei der KBV

Chef des Kassenärzte-Verbandes Köhler legt Amt nieder

KBV-Chef Dr. Andreas Köhler tritt wegen Herzinfarkt zurück
Bild: KBV / axentis.de / Lopata

Seit 2005 prägte Dr. Andreas Köhler, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), das Bild der Ärzteschaft mit. Aufgrund eines im Jahr 2013 erlittenen Herzinfarkts gibt er nun seinen Rücktritt bekannt.

Inmitten tiefgreifender Unstimmigkeiten bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) wird der langjährige Vorsitzender Andreas Köhler zum 1.3.2014 zurücktreten. Ausschlaggebend seien jedoch gesundheitliche Gründe, teilte der Verband am Donnerstag, 16.1.2014 in Berlin mit.

Der 53-jährige oberste Vertreter der rund 150.000 niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten in Deutschland hatte im vergangenen November einen Herzinfarkt erlitten. Köhler sagte in einer Mitteilung: „Ich habe mich immer und mit voller Kraft für die ärztliche und psychotherapeutische Selbstverwaltung eingesetzt. Denn sie ist der Garant für eine flächendeckende und hochwertige ambulante medizinische Versorgung“.

Überraschender Rücktritt Köhlers - große Aufgaben für den Nachfolger

Für die Ärzteschaft kommt der Schritt des machtbewussten KBV-Chefs überraschend. Ende vergangenen Jahres hatte ein Zerwürfnis zwischen Köhler und der Ko-Vorsitzenden Regina Feldmann Aufregung in der Kassenärzte-Organisation verursacht. Trotz Abwahlanträgen und einem Rücktrittsangebot Köhlers blieb die Führung zunächst im Amt.

Erschüttert wird die KBV derzeit auch von Finanzquerelen. Dabei geht es unter anderem um mögliche Steuervergehen, derentwegen Bereiche der KBV ins Visier von Ermittlern geraten sind. Auch Differenzen zwischen Haus- und Fachärzten kochten in den vergangenen Monaten hinter den Kulissen hoch (s. News v. 9.12.2013). Ein Nachfolger Köhlers wird deshalb vor großen Aufgaben stehen, hieß es.

Reaktionen auf die Rücktrittsmeldung

Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) würdigte die Verdienste Köhlers. „Für die ärztliche Selbstverwaltung wünsche ich mir einen kollegialen und respektvollen Umgang“, sagte er weiter. Die Funktionsfähigkeit der Selbstverwaltung dürfe nicht gefährdet werden.

Der Vorsitzende der KBV-Vertreterversammlung, Dipl.-Psychologe Hans-Jochen Weidhaas, zollte Köhler auch im Namen seiner beiden Stellvertreter, Dr. Stefan Windau und Dr. Andreas Gassen „großen und uneingeschränkten Respekt vor dieser persönlichen Entscheidung.“ Weiterhin erklärte er: „Dr. Andreas Köhler hat für die niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten sowie für das gesamte System der Kassenärztlichen Vereinigungen Großes geleistet. Der heutige Tag stellt eine Zäsur dar.“ Der Vorstand des Kassen-Spitzenverbands bedauerte Köhlers Rücktritt.

Vor dem Hintergrund der Streitigkeiten forderte der Vorsitzende des Ärzteverbands NAV-Virchow-Bund, Dirk Heinrich, auch Feldmann zum Rücktritt auf.

Über den scheidenden Chef des Kassenärzte-Verbandes Köhler

Köhler gilt als ausgewiesener Kenner der extrem komplizierten Honorarregeln für die Ärzte, für deren heutige Form er mitverantwortlich ist. Er hat Medizin und Betriebswirtschaft studiert und machte sich einen Namen als streitbarer Ärztefunktionär. In Verhandlungen mit Spitzenfunktionären der Krankenkassen holte Köhler Jahr für Jahr teils kräftige Honorarsteigerungen für die Ärzte heraus.

Für Schlagzeilen sorgte vor wenigen Jahren eine Gehaltssteigerung Köhlers auf 350.000 EUR im Jahr. Nach einer Welle der Kritik wurde es Mitte 2012 auf 320.000 EUR gekürzt.

Schlagworte zum Thema:  Kassenärztliche Bundesvereinigung, Kassenarzt, KBV

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