Kritik an zu optimistischer Renteninformation der DRV
Nach Recherchen des ARD-Wirtschaftsmagazins Plusminus vermittelt die jährlich verschickte Renteninformation keine verlässlichen Werte sondern nur eine "Rentenillusion". Den rund 31 Mio. Versicherten mit mindestens 5 Berufsjahren würden durchweg deutlich zu hohe Renten in Aussicht gestellt. Viele Arbeitnehmer hätten real gut ein Viertel weniger zu erwarten als in der Renteninformation vorausgesagt, so eine SWR-Mitteilung vom 10.12.2013.
Kritik an irreführenden Angaben in der Renteninformation
Daneben wird kritisiert, dass in der offiziellen Renteninformation nur die zu erwartende Brutto-Rente genannt ist. Der Unterschied zwischen brutto und netto kann jedoch auch bei der Rente erheblich sein.
Wer heute Durchschnittsverdiener ist, erhält als Rentner nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben "nicht viel mehr als die Grundsicherung". Daher kritisierten die von Plusminus befragten Experten die Prognosen der Deutsche Rentenversicherung (DRV) als irreführend. Die DRV weist die Vorwürfe zurück.
Brutto und Netto - auch bei der Rente ein Unterschied
Wer jünger ist als 55 Jahre, muss den Angaben zufolge mit Abzügen für Steuern, Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge von zum Teil mehr als 25 % rechnen. Zudem reduziere das sinkende Rentenniveau die künftige Rente noch um weitere 12 bis 18 %.
Ein Durchschnittsverdiener, der 45 Jahre 6-stellige Beträge in die Rentenkasse eingezahlt hat, landet im Alter vorausschtlich an der Armutsgrenze. Von 1.300 EUR, die die Renteninformation beispielsweise einem Durchschnittsverdiener in Aussicht stellt, bleiben unter Berücksichtigung aller Abzüge tatsächlich nur 950 EUR übrig, teilte der SWR mit.
DRV weist Kritik an Renteninformation zurück
Ein Sprecher der DRV Bund bezeichnete die Darstellung von Plusminus "in hohem Maße irreführend und teilweise auch schlicht falsch". In der Renteninformation würden die Versicherten ausdrücklich auf zu zahlende Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge sowie Steuern hingewiesen. Es sei nicht nachvollziehbar, wieso Plusminus von einer "gefährlichen Rentenillusion" berichte.
Ebenfalls sei die Aussage, dass ein Durchschnittsverdiener im Alter an der Armutsgrenze lande, nicht nachzuvollziehen. In dem Fall des Rentners mit 1.300 EUR Monatsrente liege – sofern er nicht über erhebliche weitere Einkünfte verfüge – "die Netto-Monatsrente bei etwa 1.100 EUR und damit weit über dem Betrag, der im Regelfall als Grundsicherung gezahlt würde".
Wie dramtisch steht es um die eigene Rente?
Die Renteninformation liefere keine Informationen, wie "dramatisch es wirklich um die eigene Rente bestellt ist", so der Versicherungsmathematiker Peter Schramm. Professor Stefan Sell von der Fachhochschule Remagen bestätigt, dass die Ergebnisse das Rentensystem grundsätzlich infrage stellten. Denn "würde es den Leuten transparent gemacht, dann würde natürlich der gesamte Legitimationsunterbau der Rente in sich zusammenbrechen. Die Leute würden sich zu Recht fragen, warum soll ich in so ein System einzahlen, (...) wenn ich eh nur eine Leistung bekomme, die der Grundsicherung entspricht".
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